Der Verfall der Strompreise an der Börse macht alle Planungen zunichte, die vor zehn Jahren am Beginn umfangreicher Investitionen in das Kraftwerk standen, erläutert der Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Über 80 Millionen Euro habe die Stadt investiert. So wurde in der ersten Bauphase eine Gas- und Dampfturbinen-Anlage eingebaut, die, statt mit Kohle, mit dem CO2-ärmsten fossilen Brennstoff Erdgas betrieben wird. Rosenthal: "Doch weil der Strommarkt zusammengebrochen ist, fahren wir im Augenblick Verluste ein." Sieger der derzeitigen Entwicklung seien Braunkohlekraftwerke. Die profitierten insbesondere davon, dass CO2-Zertifikate derzeit "zu Schleuderpreisen" gehandelt würden.

Wodurch die tausendfach beschworene Energiewende laut Rosenthal konterkariert wird. Dem Oberbürgermeister zufolge kosteten CO2-Zertifikat im Frühjahr 2008 noch fast 30 Euro pro Megawattstunde: "Mittlerweile liegt der Preis bei 3,31 Euro." Der Preisverfall im EU-Handel mit den CO2-Verschmutzungsrechten bedeute, dass es kaum noch Anreize für mehr Klimaschutz gebe. Im Gegenteil, kritisiert Rosenthal: "Gerade die klimaschädlichen Kohlekraftwerke sind wieder hoch rentabel und Gewinner der Energiewende." Dabei seien Kohlekraftwerke für einen Großteil der fast 310 Millionen Tonnen Kohlendioxid bei der Stromerzeugung verantwortlich.

Die umfangreichen Investitionen in das Heizkraftwerk würden schließlich durch verfallende Strompreise zunichte gemacht. War im Frühjahr 2008 noch ein Grundlast-Strompreis von rund 65 Euro pro Megawattstunde an der Strombörse zu erzielen, seien es jetzt nur noch rund 40 Euro. "Damit ist unser Kraftwerk aktuell kaum wirtschaftlich zu betreiben", so Rosenthal, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) als Muttergesellschaft der Heizkraftwerk Würzburg GmbH ist. Dies sei umso tragischer, als die Einnahmen des Heizkraftwerks bislang "Garant einer positiven Entwicklung der WVV" waren.

Dass das Ziel, den Klimawandel zu verlangsamen, durch fallende Börsenstrompreise und sinkende Kosten für die CO2-Emissionszertifikate unterlaufen wird, bestätigt Ivo Gönner, Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Die "größten Dreckschleudern", nämlich abgeschriebene Braunkohlekraftwerke, seien aufgrund ihrer niedrigen Energieerzeugungskosten aktuell Gewinner des Atomenergieausstiegs: "Das ist "eine total verrückte Situation."

Am 1. März will der VKU bei einer Pressekonferenz in Berlin ein energiewirtschaftliches Gutachten präsentieren und auf die momentanen Paradoxien der Energiewende aufmerksam machen.