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Futterspenden als Rettung für das Rebhuhn


Autor: Frank Weichhan

Kitzingen, Sonntag, 03. April 2016

Das Leben eines Rebhuhn ist alles andere als leicht: überall lauern Feinde. Und: Das Futterangebot reicht einfach nicht mehr. Die Initiative Pro-Rebhuhn will jetzt helfen.
Wenn aus Plastikeimern Futterstationen werden: 20 Helfer packten am Samstag in Kitzingen an.


Das Leben eines Rebhuhn ist alles andere als leicht: überall lauern Feinde. Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Greifvögel, Katzen, Krähen und Ratten haben es auf die Gelege und Küken abgesehen. Und als würde das nicht reichen, gibt es ein von Jahr zu Jahr wachsendes Problem: Das Futterangebot reicht einfach nicht mehr. Immer weniger Insekten, kaum noch Grünstreifen, eine aufgeräumte Kulturlandschaft – diese Kombination sorgt dafür, dass viele Rebhuhn-Küken geradezu verhungern.

Letzterem haben Jäger und Landwirte jetzt den Kampf angesagt. Sie wollen nicht länger zusehen, wie das Rebhuhn, das Jahrhunderte zur bäuerlichen Kulturlandschaft gehörte, nach und nach verschwindet. Seit 1980 gehen die Zahlen erschreckend zurück, in vielen Revieren ist das Rebhuhn ganz verschwunden. Obwohl kaum noch bejagt – 1990 waren es 540 Tiere, 2014 dann 53 Tiere – erholt sich der Bestand nicht.

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Population anheben

Damit das Rebhuhn wieder eine Chance hat, trafen sich am Samstagvormittag am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen gut 20 Helfer, um Futterhäuser fürs Rebhuhn zu bauen. Das Projekt nennt sich „Pro Rebhuhn“ und soll die Population dieses Feldhuhns wieder anheben. Getragen wird es von den Jagdgenossenschaften, dem Bayerischen Bauernverband und dem Bayerischen Jagdverband.

Man nehme handelsübliche Zehn-Liter-Plastikeimer, bohre und säge ein wenig – und schon sind die Futtereimer fertig. 100 Stück entstehen an diesem Vormittag. Drei Modelle gibt es: Zum Hängen an einen Baum, zum Aufstellen auf drei Beinen und zum Anhängen an einen Pfahl.

Klaus Damme, Vorsitzender der Kreisgruppe Kitzingen des Jagdverbandes, schätzt, dass es im Landkreis Kitzingen nur noch 80 bis 100 Rebhuhn-Paare gibt. Ihnen soll dabei nicht nur durch Zufütterung geholfen werden. Wichtig, so der Fachmann, sind dabei auch mehr Biotope sowie eine stärkere Bejagung der Feinde.

Die größte Hoffnung, um die Aufzuchtverluste der Feldhühner deutlich zu senken, sind im Moment aber die Futterautomaten. Sie sollen dafür sorgen, den Bestand von ein bis zwei Paaren je 100 Hektar im Landkreis Kitzingen anzuheben. „Durch Zufütterung hoffen wir, die Aufzucht verdoppeln zu können“, so Damme.

Eine Hoffnung, die sich erfüllen könnte. Vor einiger Zeit bereits wurden Futtereimer bei Atzhausen aufgestellt – und sofort von einem dort lebenden Rebhuhn-Paar dankend angenommen.

Pro Revier werden etwa fünf bis zehn Futterstationen eingerichtet. Während von September bis Ende Februar Weizen über die Automaten beigefüttert wird, sieht der Speiseplan von März bis August um einiges schmackhafter aus: Von der Eiablage bis zur Aufzucht der Küken wartet ein eiweißreicher Mix auf die Vögel.

Die Idee scheint anzukommen: Alle 100 an diesem Vormittag gebauten Futtereimer haben bereits Abnehmer im Landkreis.

130 Vorbestellungen

Die Zahl der Vorbestellungen lag sogar bei 130. Weshalb Klaus Damme jetzt darüber nachdenkt, in absehbarer Zeit an einem weiteren Samstag Helfer zusammenzutrommeln, um wieder Plastikeimer zu Fastfood-Futterstellen aufzumotzen – zur Rettung der Rebhühner in vielleicht letzter Minute.