Zwischen 1860 und 1879 bekam Emma zwölf Kinder, sieben Buben und fünf Mädchen, von denen drei im Kindesalter starben. Ihr Erstgeborener, Siegfried, der später ein erfolgreicher Diplomat wurde, blieb zeitlebens ihr erklärter Liebling. Über seinen frühen Tod als deutscher Gesandter in Santiago de Chile im Jahr 1903 kam sie nie hinweg.
Über den Moment, in dem sie von seinem Tod erfuhr, schrieb sie: „Es war ein Augenblick, in dem ich das Gefühl hatte als ginge die Welt in Trümmer. Für mich ist das Leben nie mehr geworden, was es vorher war.“
Im Deutschen Bruderkrieg von 1866 stand die Familie auf der Seite des mit Bayern verbündeten Österreich. „Was früher in Deutschland Anspruch auf Vornehmheit und Elegance machte, trat in österreichische Dienste und auf die preußische Armee wurde immer etwas mit Spott herabgesehen“, notierte Emma rückblickend.
„Unser Haus war beständig voller Einquartierung und unzählige Truppen zogen unten am Tor vorbei, zum Entzücken meiner Söhne“, heißt es weiter. „Mit allen Offizieren freundeten sie sich an und einmal nahmen sie einige Artillerieleutnants in einem sechsspännigen Wagen mit zu einer Fahrt, was mir eigentlich etwas unheimlich war. Ich war froh, als ich sie mit heiler Haut wieder hatte.“
Die Erinnerungen sind nicht ohne komische Momente. So erkrankte Emmas Ehemann Wolfgang 1877 schwer an Typhus und die ganze Familie bangte um sein Leben. „Die Kinder saßen alle zusammengekauert auf dem Gang vor der Schlafzimmertüre und wollten nicht mehr spielen“, steht in den Erinnerungen. „Nur der zweijährige Wolfi sang mit schmetternder Stimme: 'Du bist verrückt mein Kind / Du musst nach Berlin / Wo die Verrückten sind, / Da musst du hin.’“
„Man konnte ihn ruhig singen lassen“, heißt es dann trocken, „denn Papa war, wie es immer beim Typhus der Fall ist, ganz taub.“
Da sie nicht dem strengen „Hausgesetz“ entsprachen, konnte Emma die Ehen ihrer Söhne Alexander und Wolfgang mit den Schwestern Ottilie und Hedwig von Faber aus der gleichnamigen, noch nicht lange geadelten Bleistiftdynastie niemals wirklich akzeptieren.
Die 20-jährige Ottilie („Tilly“) Freiin von Faber heiratete 1898 den 31-jährigen Alexander. Gemeinsam nahmen sie den Namen Graf und Gräfin von Faber-Castell an. „Ich kann nicht leugnen, dass mir die Verbindung sehr schwer war“, notierte Emma, „und dass ich alles daran setzte, um sie zu verhindern. Aber Alexanders großes Herz hing daran und er ist ja auch, Gott sei Dank, sehr glücklich geworden.“
Dies schrieb Emma 1916. Tatsächlich wurde die Ehe 1918 geschieden und Ottilie heiratet noch im selben Jahr ein zweites Mal, diesmal einen geschiedenen Major. „Es wurde alles versucht, Tilly von ihrem Vorhaben abzubringen“, heißt es in den Memoiren. „Ich schrieb ihr selbst und bat sie darum, aber es war umsonst und sie war wie betört.“ Im Jahr 1998 hat Asta Scheib Ottilies Lebensgeschichte in ihrem Buch „Eine Ziere in ihrem Haus“ literarisch verarbeitet.
So sehr die Fürstin glanzvolle Familienfeste genießen konnte und sie auch ausgiebig in ihren Erinnerungen beschreibt, so unwichtig war ihr der königliche Hof in München. Ihren Mann begleitete sie praktisch niemals zu den Sitzungswochen der ersten Kammer des Bayerischen Landtags und mied jede Art von Hoffesten. Die Castells besaßen auch kein Palais in München oder einer anderen Stadt. In Rüdenhausen dagegen führte sie mit ihrem Mann ein großes Haus, in dem stets Gäste ein und aus gingen und zahlreiche Diener, Kutscher, Haus- und Gartenangestellte von ihr „regiert“ wurden.
Mit dem Tod ihres Mannes 1913 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs begann für sie eine schwere Zeit, in der sie 1917 auch noch ihren Sohn Otto verlor. Am 21. April 1926 starb Emma Fürstin zu Castell-Rüdenhausen mit 85 Jahren im Kreis ihrer Kinder und Enkel in Rüdenhausen; sie wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der adeligen Nachbarschaft am 26. April im Familiengrab, der sogenannten „Gruft“, beigesetzt.
Das Buch:
Emma Fürstin zu Castell-Rüdenhausen, Erinnerungen, hrsg. von Jesko Graf zu Dohna, Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe XIII: Neujahrsblätter, Bd. 50, 694 Seiten, zahlreiche Abbildungen teilweise in Farbe, Stammtafeln, Wissenschaftlicher Kommissionsverlag Stegaurach, 39,80 Euro.
Vorstellung:
Im ehemaligen Gasthaus zum Goldenen Reh auf dem Friedrichsberg bei Abtswind stellt Herausgeber Jesko Graf zu Dohna das Buch „Erinnerungen“ am Freitag, 28. November, um 15.30 Uhr vor. Um Anmeldung per Mail an archiv@castell.de wird gebeten.