Nicht zu viel versprochen hatten die Organisatoren des Aktionstages "für alle Generationen" am Sonntag im Freilandmuseum in Mönchsondheim. Workshops und Führungen brachten Groß und Klein vergangene Zeiten nahe und bei der Vorführung "aus Küchenkräutern und Küchenschrank" wurde demonstriert, wie man aus den Schätzen der Natur Salben und Cremes selbst herstellen kann. Die Kinder konnten in der Spielstraße verschiedene alte Spiele ausprobieren. Geöffnet war auch die derzeitige Dauer- und Sonderausstellung "1945 – Erinnerungen an das Ende" und bei der Schlepperausstellung trat der Riesenunterschied zwischen früheren Traktoren und heutigen Bulldogs mit hunderten PS zu Tage.

Einträchtig saßen Kinder, Jugendliche und Erwachsene im historischen Klassenzimmer in der ehemaligen Schule beieinander, als die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anna Vatteroth beim "Sütterlin-Workshop" die deutsche Schrift erklärte und auf den Unterricht in früheren Jahrhunderten einging. Der erste Dorfschulmeister in der ersten Schule im Eingangsbereich der Kirchenburg wurde 1563 erwähnt und 1698 wurde in der Wohnung des Lehrers unterrichtet, als die Schule im Torhaus untergebracht war.

Ringelblumensalbe wurde hergestellt

Nach einer kurzen Episode im 19. Jahrhundert im Rathaus kehrte der Unterrichtsraum wieder in die Kirchenburg zurück und wurde 1862 aufgestockt, bis er dann aus Platzgründen 1879 wieder im Rathaus landete und deswegen neue Fenster eingebaut wurden. "Es war ein reges Hin und Her", lautete der Kommentar dazu. 1927 wurde dann eine Schule gebaut und zu sehen sind jetzt noch die unterschiedlich großen Bänke, "da die Kinder der verschiedenen Altersstufen in einem Raum unterrichtet wurden, Sport gab es im Flur". Den gemeinsamen Unterricht der verschiedenen Altersstufen gab es bis etwa 1965, "dann nur noch die Grundschule".

Wie man aus verschiedenen Kräutern Salben, Cremes oder Destillate macht, zeigte Gästeführerin Roswitha Dorsch im Kräutergarten. Sie hatte schon Vorbereitungen für eine Ringelblumensalbe getroffen, wobei die Blüten in Olivenöl auf etwa 70 Grad erhitzt worden waren und danach abgeseiht wurden. Damit die richtige Konsistenz der Salbe entsteht und sie weicher wird, kamen dann Bienenwachs und Lanolin (Wollwachs) dazu und das Produkt musste noch einmal erhitzt werden, "da das Bienenwachs bei 60 Grad zu schmelzen beginnt". Die Zuhörer erfuhren auch, dass die Salbe bei kleinen Verletzungen Verwendung finden kann und generell gut für die Hautpflege ist, "zum Beispiel nach der Gartenarbeit".

Eine Fülle von Pflanzen im Kräutergarten

Der Kräutergarten selbst zeigte die Fülle der verschiedensten Kräuter auf und manche der Kräuternamen gaben einen Hinweis darauf, dass die Pflege dieser Gewächse vor allem Frauensache war. So zum Beispiel "Frauenmantel", "Ackerwitwenblume", "Engelwurz", "Tripmadam" oder "Kunigundenkraut". Nicht zu dieser Namensgebung gehört das derzeit blühende "Mädesüß", das seinen Namen von dem althochdeutschen Wort "Met" (bierähnliches Getränk) hat, zu dessen Würze dieses Kraut verwendet wurde.

Was früher alles in einem Kleinbauernanwesen zu Hause war, erläuterte Sarah Gormley im ehemaligen Anwesen Hahn, das bis 1975 bewohnt war. So waren im Wohnhaus auf der einen Seite Wohnstube und auf der anderen der Viehstall untergebracht, der zwar im Winter Wärme, aber sonst das ganze Jahr auch Gerüche verbreitete. In diesem "Stallwohnhaus" gab es bis in die 50er Jahre auch eine Ofenstelle.

Dorfstruktur ist historisch gewachsen

Zum Hof gehörte auch ein Schweinestall, der 1822 gebaut wurde, ein kleiner Hühnerstall und natürlich auch ein Misthaufen. Das Haus wurde 1700 gebaut und die Scheune 1725. Die große Scheune des benachbarten Dorfwirtshauses wurde teilweise beim Dreschen mitbenutzt, "man half einander und die Dorfgemeinschaft wurde damals groß geschrieben". Wie auch bei der Betreuung von Kühen, Schweinen und Schafen auf dem Weideland, wofür Hirten zuständig waren.

Bei einer weiteren Führung ging Gormley auf das ehemalige Rathaus, das früher im Erdgeschoss eine Schmiede und dann eine Bäckerei beherbergte, und auf weitere Gebäude um die Kirchenburg ein, die in den 70er Jahren zu verfallen drohte und um deren Restauration sich dann ein Verein kümmerte. 1981 wurde das Handwerkermuseum in der Burg eröffnet. Stolz könne man in Mönchsondheim vor allem sein, dass eine historisch gewachsene Dorfstruktur bestehe, "während zum Beispiel im Freilandmuseum in Fladungen die meisten Häuser dort erst aufgebaut wurden".