Druckartikel: Freisprechung bei Innung der Elektrotechniker

Freisprechung bei Innung der Elektrotechniker


Autor: Christian Ammon

Würzburg, Mittwoch, 29. März 2017

Rund 60 Gesellen wurden bei der Innung für Elektro- und Informationstechniker freigesprochen. Einige kommen aus dem Landkreis Kitzingen.
Aus dem Landkreis Kitzingen haben die Elektro-Gesellenprüfung bestanden: Lukas Göttler (Kitzingen), Florian Jung (Kitzingen), Panutat Kongsuk (Seinsheim), Florian Schroll (Kitzingen), Jonas Senft (Einersheim) und Marvin Full. Links: Innungsobermeister Matthias Sondheimer, rechts: Stellvertreter Martin Strobl.


Leicht steigende Ausbildungszahlen und ein vollbesetzter Fürstensaal auf der Festung Marienberg in Würzburg: Anders als in anderen Berufen gibt es bei den Elektro- und Informationstechnikern noch ausreichend Kandidaten. Dennoch warnte Innungsobermeister Matthias Sondheimer bei der Freisprechung von rund 60 Junggesellen davor, dass die Zahl wie in den meisten Ausbildungsberufen des Handwerks schon bald die Nachfrage nicht mehr decken könnte.

Einer, der genau um die angespannte Situation des Lehrstellenmarktes weiß, ist Eugen Hain, der Leiter der Würzburger Arbeitsagentur. Seine Statistiken zeigen: Es haben noch nie so wenige junge Leute eine Ausbildung im Handwerk begonnen wie jetzt. Seit 2013 gebe es mehr junge Menschen, die ein Studium beginnen als eine Ausbildung. Gleichzeitig bildeten immer weniger Betriebe aus. Nur noch jedes fünfte berechtigte Unternehmen tue dies. Das sei der niedrigste Stand seit 1999. „Wir haben keinen Bedarf an Diskussionswissenschaftlern, sondern an Facharbeitern“, so sein Fazit.

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Selbstbewusst um Kandidaten werben

Dies habe, so Hain, Folgen für die Betriebe: „Der gute Schüler, der gute Facharbeiter ist zu einem raren Gut geworden.“ Gutgemeinte Programme, den Fachkräftemangel durch junge Leute aus Spanien oder Italien zu decken, würden kaum angenommen. Auch dass Flüchtlinge in absehbarer Zeit den Fachkräftemangel decken könnten, glaubt er nicht. Die Betriebe müssten darum darauf achten, dass sie selbstbewusst um Kandidaten werben und ein attraktives Arbeitsumfeld bieten.

Hain warnt davor, sich auf dem Erfolg der vergangenen Jahre auszuruhen: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es nicht immer so steil aufwärts geht wie zuletzt.“ Mit der Digitalisierung, die die „Halbwertszeit des Wissens“ verringere und lebenslanges Lernen erfordere, sieht er eine weitere Herausforderung konkreter werden. Den Elektro- und Informationstechnikern empfahl er, das anzubieten, was ein allzeit bereiter Roboter nicht kann: Service, Beratung und Komplettangebote.

Beruf und Berufung

Für das Handwerk zu werben, das fiel dem neuen Präsidenten der Handwerkskammer Walter Heußlein nicht schwer: Das Handwerk sei Beruf und Berufung zugleich. In keinem anderen Wirtschaftszweig könne sich ein Mensch so sehr selbst verwirklichen.