Einen Urlaub der besonderen Art erlebt man auf dem Bauern-, Land- oder Winzerhof. Bei einem Ausflug ins Maindreieck wird deutlich, was für die Betriebe zählt.
Weinbau und Hotellerie bergen Synergien. Erfolgreich genutzt hat diese Artur Steinmann in seinem Betrieb in Sommerhausen. Wie das funktionieren kann, das verriet er den Teilnehmern der Fachtagung „Urlaub auf dem Bauernhof, Land- und Winzerhof“, initiiert vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Theorie der Fachtagung in der Iphöfer Karl-Knauf-Halle vom Montag, die rund 180 Teilnehmer aus ganz Bayern besuchten, folgten am Tag darauf drei Erlebnistouren, die jeweils rund 40 Teilnehmer in die Haßberge, in den Steigerwald und das Weinparadies oder ins Maindreieck führten.
Pflege der Stammkunden
Und eben zu Artur Steinmann, den Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbands, der die Teilnehmer der Fachexkursion mit seiner Philosophie beeindruckte. Vor Ort die Menschen zu überzeugen, ist ihm ein Anliegen: „Denn hier habe ich ein Heimspiel.“ Wer immer denke, man müsse neue Kunden finden, dem riet Steinmann zur intensiven Pflege der Stammkunden. „Sie sind es, die Freunde und Bekannte mitbringen.“
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Bewährtes sollte man bewahren, sich aber von alten Gewohnheiten trennen und die Sinne offen halten für das notwendige Neue, machte der 62-Jährige deutlich. Das bedeute auch, dass alles neu wirken muss. Ähnlich sieht man dies im deutlich größeren Weingut und Hotel Meintzinger in Frickenhausen. Auch dort hatte es Neu- und Umbauten gegeben, um den Gästen Besonderes zu bieten.
Von der Ferkelerzeugung zum Weinbau
Auch zwei kleinere Betriebe standen auf dem Besuchsprogramm: die Winzerstube Schilling in Seinsheim sowie der Winzerhof und das Weincafé Gümpelein in Hüttenheim. Klaus Schilling erzählte, dass 2001 die früheren Stallungen für die Ferkelerzeugung zu einer Weinstube mit 100 Plätzen umgebaut wurden. Ebenso entstanden Gästezimmer. Weinbau und Brennerei gehören ebenfalls zum Betrieb, der im Weinparadies liegt. Den Werdegang zum Selbstvermarkter im Weinbau beschrieb Bernhard Gümpelein. Zum Betrieb gehören das Weincafé, zwei Ferienwohnungen und ein Lohnbetrieb für den Weinbau.
Vielfältig sind die Angebote der besichtigten Betriebe. Tagungen, Seminare, Gästeführungen, Weinproben und vieles mehr gehört dazu, das von den Teilnehmern hinterfragt wurde – weil manches für den eigenen Betrieb durchaus übertragbar schien. Für Julia Dürr (Weinbau Dürr, Bullenheim) zum Beispiel lautete die Quintessenz: „Stillstand ist Rückschritt.“ Weswegen für sie die Praxisbeispiele von Bedeutung waren, um den Betrieb weiter nach vorne zu bringen.
Regionalität leben
Michaela Kleinschroth (Ferienwohnungen Eulennest, Gollachostheim) weiß zwar, dass man sich auf Regionalität besinnen muss. Bei der Tagung sei ihr aber bewusst gemacht worden, diese auch hereinzuholen und in der Ferienwohnung kein Bild von der Toskana aufzuhängen, sondern eines aus Franken. Und für Franken sehr wichtig: die stärkere Zusammenarbeit mit den Winzern, sagte sie gegenüber dieser Redaktion.
Auch Frank Stierhof vom gleichnamigen Erlebnisbauernhof in Dornheim nahm viele Anregungen mit. Von der Erlebnistour viele Dekorationsideen und vom Tag der Referate viele Anregungen, die mit wenig Geld, aber viel Arbeit umgesetzt werden könnten. Insbesondere den Hinweis auf eine persönliche Vorstellung im Internet werde er aufnehmen. Neben vielen Informationen durften die Exkursionsteilnehmer auch fränkische Küche und Frankenwein genießen, auch einige Besonderheiten: den Tante Emma-Laden von Erwin Därr und die Kirchenburg in Hüttenheim sowie den Geschichtsweinberg in Iphofen, den der Winzer Thomas Fröhlich vorstellte.