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Mamis altes Fahrrad hält durch


Autor: Frank Weichhan

Kitzingen, Montag, 20. Januar 2014

Vom Studienort Bremen über die Heimatstadt Kitzingen nach Melbourne – 830 Tage dauert die Weltreise von Annika Wachter (28) und ihrem Freund Roberto Gallegos Ricci (31) nun schon. Anfang September 2011 ging's mit dem Fahrrad hinaus in die Weltgeschichte, möglichst einmal rund um die Welt. Seit Weihnachten ist das Paar nun in Australien.
Das Abenteuer ihres Lebens: Annika und Roberto mit ihren Fahrrädern für den Hausgebrauch.


Vom Studienort Bremen über die Heimatstadt Kitzingen nach Melbourne – 830 Tage dauert die Weltreise von Annika Wachter (28) und ihrem Freund Roberto Gallegos Ricci (31) nun schon.

Anfang September 2011 ging's mit dem Fahrrad hinaus in die Weltgeschichte, möglichst einmal rund um die Welt. Seit Weihnachten ist das Paar nun in Australien. Die insgesamt bis Melbourne geradelte Kilometerzahl lag bei 14 464. Dazu Fragen an die Welteroberer.

Frage: Wie und wo habt Ihr Weihnachten gefeiert?

Annika und Roberto: Am Strand. Die meisten Leute kochen vor und nehmen sich dann alles kalt mit an den Strand. Das traditionelle Essen sind Meeresfrüchte. Gefeiert wurde erst am 25. Dezember. Wir waren am Strand in Chelsea, einem Vorort von Melbourne.

Wo habt Ihr übernachtet?

Annika und Roberto: In Melbourne übernachteten wir bei Fiona und Vanessa, zwei Schwestern. Wir kennen sie über Fionas Sohn Mark und seine Frau Chrissie, mit denen wir im Niemandsland zwischen Kirgisistan und China übernachtet hatten. So was bleibt in Erinnerung und schweißt zusammen.

Wie sah Silvester aus?

Annika und Roberto: Mit Freunden aus Neuseeland, Australien und Mexiko sind wir in den Edinburgh Park in Melbourne gegangen. Dort hat ein DJ aufgelegt. Wir haben uns einen Picknickplatz gesucht und Nudelsalat, Tzaziki und Sandwiches gegessen. Wir hatten einen super Blick auf das Stadtzentrum, wo ein langes Feuerwerk abgeschossen wurde. In Deutschland war es da übrigens gerade einmal 14 Uhr. Unsere Ansprüche an Silvester waren klein: im letzten Jahr in China lagen wir schon um 21 Uhr im Bett.

Wie sieht's eigentlich mit Heimweh aus?

Annika und Roberto: Deutschland wird noch etwas länger auf uns warten müssen. Doch mit etwas Lakritz und dem australischen Aldi halten wir uns über Wasser.

Was vermisst Ihr gerade am meisten?

Annika und Roberto: Wir freuen uns schon auf Neuseeland. Denn dort werden wir uns ein Jahr lang häuslich einrichten. Wir werden nicht mehr fast täglich unsere Siebensachen packen und können Shampoo in normalen Flaschen kaufen statt winziger Reisetuben. Wir werden unseren Kleiderschrank füllen können. Wir freuen uns schon riesig darauf, mal nicht Gast sondern Gastgeber zu sein. Wir hoffen auf viel Besuch, sei es von uns unbekannten Radlern oder von zu Hause. Außerdem die Gewissheit, ein warmes Haus zu haben, darauf freuen wir uns schon sehr. Neuseeland ist zwar nicht zu Hause, aber eine kurzzeitige feste Bleibe zu haben, das vermissen wir manchmal.

Wie viele Kilometer wurden bisher zurückgelegt?

Annika und Roberto: Das können wir nur schätzen, da wir über weite Teile des Weges keinen Tacho hatten und da wir nur die Gepäckfahrten von A nach B mitzählen, nicht aber Besuche, Tagestrips oder Einkäufe. Alleine in Singapur und Melbourne wären dadurch gut jeweils 150 bis 200 Kilometer dazugekommen, die wir kreuz und quer durch die Stadt geradelt sind. Momentan stehen 14 464 Kilometer auf dem Tacho.

Aktuell sind wir. . .

Annika und Roberto: . . . an der Küste entlang nach Sydney geradelt. Von dort aus fliegen wir am 24. Januar nach Christchurch, Neuseeland.

Zuletzt gelacht haben wir . . .

Annika und Roberto: . . . über uns selbst. Wir sind so an Asien gewöhnt, dass wir einen regelrechten Kulturschock haben. Die öffentlichen Klos haben eine Tür, die zugeht, der Boden ist trocken, es gibt Klopapier, der Wasserhahn funktioniert. Und erst die Handtücher!

Euer Plan für 2014?

Annika und Roberto: Wir werden so viel wie möglich arbeiten und sparen, so dass wir 2015 genug haben, um nach Südamerika reisen können. Außerdem wollen wir Neuseeland kennenlernen.

Wann ist mit der Heimkehr zu rechnen?

Annika und Roberto: Unklar. Vielleicht 2016?

So weit gekommen zu sein . . .

Annika und Roberto: . . . wundert uns selbst am meisten. Und vielleicht den Mann aus dem Bremer Fahrradladen. Und meine Mutter, die nie dachte, dass ihr altes Rad mal in Australien landen würde.

Das Abenteuer ihres Lebens: Wir berichten in loser Folge über die Rad fahrenden Welteroberer. Ihr Blog im Internet unter www.tastingtravels.com .