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Ihnen gebührt Respekt


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Dienstag, 01. Juli 2014

Die Nervosität war ihnen anzusehen. Aber sie hat sich schnell gelegt. Die Fußballer der St.-Martin-Schule haben den Einzug ins Landesfinale geschafft. Am 16. Juli geht es nach Regensburg. Und mit etwas Glück schaffen die Jungs von Trainer Jürgen Bayer sogar den Sprung nach Berlin.
Fingerzeig: Maik Siedler und seine Mannschaftskameraden der St.-Martin-Schule bei der Vorstellung. Gegen Amberg siegte die Truppe mit 8:0.


Die Nervosität war ihnen anzusehen. Aber sie hat sich schnell gelegt. Die Fußballer der St.-Martin-Schule haben den Einzug ins Landesfinale geschafft. Am 16. Juli geht es nach Regensburg. Und mit etwas Glück schaffen die Jungs von Trainer Jürgen Bayer sogar den Sprung nach Berlin.

„Wir haben vor ein paar Jahren ganz gemütlich angefangen“, erzählt der stellvertretende Schulleiter Bayer. „Und uns nach und nach hochgearbeitet.“ Der Aufwand, den Schüler und Lehrer betreiben, hat sich am Freitagvormittag beim Spiel gegen die Rupert Egenberger-Schule aus Amberg ausbezahlt. Einmal die Woche trainieren die Schüler zusammen. Mit Mario Schmidt und Shawn Hilgert hat Bayer erfahrene Co-Trainer zur Seite. Schmidt arbeitet als Erzieher und spielt beim TSV Sulzfeld Fußball, Hilgert ist Schulbegleiter und wechselte gerade zum WFV. Das alles hat sich ausgezahlt. Die letzten Turniere hat die St. Martin-Schule gewonnen.

Der sportliche Aspekt ist das Eine. Der integrative Aspekt das Wichtigere. „Durch den Sport bekommen unsere Schüler eine total hohe Identität mit der Schule“, freut sich Bayer. Und die zeigt sich auf den Rängen. Die meisten der rund 90 Schüler sind am Freitagvormittag ins nahe Sickergrundstadion gekommen, um ihre Mannschaft anzufeuern. Mit Tröten, Trommeln und Jubelschreien feierten sie die Tore zum 8:0 Endstand. Die St.-Martin-Schule bestach nicht nur mit tollen Einzelkönnern, sondern als geschlossene Einheit. Ein Umstand, der Schulleiter Norbert Zinsmeister ganz besonders freute. „Über den Sport lernen unsere Kinder, gemeinsam zu spielen“, sagt er und betont das Wort gemeinsam. Ähnlich wie bei einem Chorprojekt müssen sie sich auch beim Fußball beim Üben anstrengen und finden ihre Anerkennung. „Und wenn es mal nicht so klappt, lernen sie, mit Niederlagen umzugehen.“

Die Mannschaft von Jürgen Bayer hat allerdings schon länger nicht mehr verloren. In Würzburg hat sie die unterfränkische Meisterschaft der insgesamt elf Schulen mit speziellem Förderbedarf gewonnen. „Das war phänomenal“, erinnert sich Bayer. Nicht nur wegen des Sieges, sondern auch wegen der Anfeuerung. Ein ganzer Bus mit Schülern und Lehrkräften aus St. Martin war nach Würzburg gefahren.

Früher war die unterfränkische Meisterschaft nicht nur Höhepunkt, sondern gleichzeitig die Endstation. In diesem Jahr geht es für die Siegermannschaften zum ersten Mal weiter. Bis zum Finalturnier der besten Mannschaften nach Berlin. Das klingt wunderbar, hat allerdings einen Haken. Die Bayerische Landesstelle für Schulsport organisiert die Wettkämpfe auf Landesebene. Und orientiert sich bei den Regularien an den Regelschulen. Nur Spieler der Jahrgänge 1995 bis 1999 dürfen mitwirken. „Für kleinere Förderzentren ist das schwierig“, sagt Bayer.

Er hat gerade so eine Mannschaft mit sechs Spielern plus Torwart zusammenbekommen. Normalerweise lässt er alle Schüler spielen, die wollen und können. Auch jüngere. „Unser jüngster Spieler ist Jahrgang 2002.“ Auch andere Schulen in Bayern haben ihre Probleme mit der Regelung. Am Freitag kam lediglich die Schule aus Amberg zum nordbayerischen Finale. Die Vertreter aus Mittelfranken (Nürnberg) und Oberfranken (Forchheim) haben abgesagt – zu wenige Spieler. Bayers Wunsch ist deshalb nachvollziehbar: Das Regelsystem muss sich ändern. Schließlich sollen möglichst viele Schulen am Wettbewerb teilnehmen können.