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Die Gesichter des David Schneeberger


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Mittwoch, 16. Dezember 2015

Der Sonntagvormittag gehört gemeinhin zu den schönsten Zeiten der Woche. Ausspannen, wohlfühlen, regenerieren. Bei David Schneeberger ist das nicht anders. Nur dass er den Sonntagvormittag für einen ganz besonderen Ausflug nutzt.
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Der Sonntagvormittag gehört gemeinhin zu den schönsten Zeiten der Woche. Ausspannen, wohlfühlen, regenerieren. Bei David Schneeberger ist das nicht anders. Nur dass er den Sonntagvormittag für einen ganz besonderen Ausflug nutzt.

Schneeberger wohnt ganz in der Nähe des Kitzinger Golfplatzes. Hier ist er aufgewachsen, hier kennt er sich aus. Er weiß, wo er das Rohmaterial für seine außergewöhnliche Kunst findet. Die Stellen, an denen die Golfspieler ihre Bälle liegen lassen. Zehn Golfbälle findet er mindestens auf seinem rund zweistündigen Spaziergang. Je nach Witterung und Belegung des Platzes unter der Woche können es auch mehr sein. „70 waren bislang mein Rekord“, sagt der 38-Jährige. Die eingesammelten Bälle landen in seiner Werkstatt. Und verwandeln sich dort in kleine Monster, in Feen, Hasen oder neuerdings auch in Weihnachtsmänner. Im Internet ist der gelernte Industriemechaniker auf die Idee gekommen. Als begeisterter Hobbyhandwerker und Schnitzer hat er sie gleich in die Tat umgesetzt. Seit etwa zwei Jahren schnitzt er aus Golfbällen fantasievolle Figuren. „Etwa 150 habe ich schon fertig.“ Die Motive gehen ihm nicht aus. Königin, Nikolaus, King-Kong.

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Auf Wunsch fertigt er auch Porträts von Freunden. Ein Golfball besteht in der Regel aus einer harten Kunststoffschale. Der Kern kann unterschiedlich sein. Mal findet Schneeberger eine Schicht Hartgummi vor, mal mehrere Schichten aus Kunstharz. „Manche haben innen auch ein Gummigeflecht“, berichtet er. Seinen Lieblingsball hat die amerikanische Sportfirma Nike hergestellt. „Der lässt sich am leichtesten bearbeiten.“

Die äußere Schale knackt Schneeberger entweder mit einer Zange und halbiert den Ball – oder er sägt die Schale auf und setzt dann eines seiner filigranen Schnitzmesser an. Ganz vorsichtig muss Schneeberger dabei vorgehen, schließlich ist seine Arbeitsfläche extrem klein: gerade einmal dreieinhalb auf zwei Zentimeter Platz hat er, um seine Figuren aus dem Kunststoff zu erschaffen. Manche Gesichtspartien schleift er nach, andere malt er mit Acrylfarben an, manchmal versiegelt er sie auch mit Klarlack. „Ich bin noch in der Ausprobierphase“, sagt er. Eine Stunde braucht er mindestens für ein neues Kunstwerk. „Manchmal dauert es auch eine ganze Woche bis zur Fertigstellung.“ Seine eigentliche Arbeit will ja auch getan sein.

Jetzt will Schneeberger seine „drunken Santas“ (zu deutsch: betrunkene Weihnachtsmänner) für einen guten Zweck unters Volk bringen. Den Verkaufserlös will er für die Flüchtlingsarbeit spenden.