Die „Norma“ im Schwalbenhof ist von der Schließung bedroht. Die Bewohner wollen für ihre Nahversorgung kämpfen. Gleichzeitig beruhigen die Eigentümer.
(ldk/noh) Die Gerüchte gibt's schon lange. Jetzt ist es sicher: Die „Norma“ im Schwalbenhof – das letzte größere Geschäft für Lebensmittel und Haushaltsbedarf in der Kitzinger Altstadt – ist von der Schließung bedroht. Zwar sagt es keiner der Beteiligten offen, aber auf Nachfrage dementiert auch niemand, dass der Pachtvertrag ausläuft und im Moment noch kein neuer Vertrag unterschrieben worden ist.
Das hat Innenstadt-Bewohner mobilisiert: Sie wollen für ihre Nahversorgung kämpfen. Deshalb versammelten sie sich dieser Tage vor der „Stadt-Norma“ und verschafften ihren Belangen Gehör.
Ein Armutszeugnis
Sie sehen die Stadtverwaltung in der Pflicht. Wolfgang Haupt würde die Thematik gern im Stadtrat besprochen haben – und erhält für diesen Gedanken Applaus von allen Seiten Ein Argument: Man könne nicht einerseits auf eine schicke Innenstadt setzen und schöne neue Wohnungen bauen lassen – wie beispielsweise die „Kitzinger Brauhöfe“ –, ohne die zentrale Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln und Haushaltsbedarf sicherzustellen.
1#googleAds#100x100
„Ich bin auch deshalb in die Altstadt gezogen, weil ich hier alles zu Fuß erreichen kann und nicht immer das Auto nehmen muss“, betont Renate Dörr. Zwei- bis dreimal pro Woche kauft die 46-Jährige eigenen Angaben zufolge bei „Norma“ Grundnahrungsmittel. Wenn – nach dem Kupsch am Marktplatz – nun auch noch diese Einkaufsmöglichkeit wegfallen würde, wäre das ein Armutszeugnis für die Stadt, findet sie.
Ältere Bürger ohne Mobilität
Besonders schlimm träfe es ältere Bürger, deren Mobilität eingeschränkt ist. „Für uns sind die anderen Geschäfte zu weit weg, auch der frühere Comet auf der anderen B8-Seite“, sagt Elisabeth Guckenberger, die mit einem Rollator unterwegs ist. Gisela Schulz-Röser empfindet das ähnlich. Ihr Mann ist nicht mehr mobil und sie will ihn nicht allzu lange daheim allein lassen. Sie selbst fährt aus gesundheitlichen Gründen auch nicht mehr mit dem Auto. „Ich bin darauf angewiesen, dass ich in der Nähe einkaufen kann. Aber Kitzingen macht es unserer Generation ganz schön schwer.“
Das empfindet Brigitta Brückner ähnlich. Auch die 77-Jährige ist regelmäßige Kundin der „Stadt-Norma“. Ebenso wie Adelheid Haneberg: „Da heißt es immer, man soll den Kitzinger Einzelhandel unterstützen; aber wie, wenn alles zumacht?“ Hüsne Temiz fragt sich ebenfalls, wo sie im Fall des Falles alles Nötige für ihre Familie kaufen soll. Sie meint, die kleinen türkischen Läden könnten ein Geschäft wie „Norma“, wo es vom Spülmittel bis zur Butter alles gibt, höchstens teilweise ersetzen.
Multikulturer Flair
Wolfgang Haupt würde gerne wissen, was überhaupt hinter der Schließung der „Norma“ steckt. Vielleicht sei diese jetzt aktuell, weil auf der anderen Mainseite eine weitere Filiale eröffnet hat? Die allerdings ziehe keine Kaufkraft aus der Stadt ab, ist Haupt sicher. Er mutmaßt: „Vielleicht ist das eine Entscheidung, die ohne Ortskenntnis gefällt wird? In der 'Stadt-Norma' sind jedenfalls immer Leute, egal, wann man einkauft.“