Bürger wollen weiter Lebensmittel-Einkauf im Zentrum

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Sie protestieren gegen die drohende Norma-Schließung und den damit verbundenen Nahversorgungs-Engpass in der Innenstadt: Peter Bahr, Margarete Baumeister, Elisabeth Porzelt, Waltraud Haupt, ...
Foto: Diana Fuchs

Die „Norma“ im Schwalbenhof ist von der Schließung bedroht. Die Bewohner wollen für ihre Nahversorgung kämpfen. Gleichzeitig beruhigen die Eigentümer.

(ldk/noh) Die Gerüchte gibt's schon lange. Jetzt ist es sicher: Die „Norma“ im Schwalbenhof – das letzte größere Geschäft für Lebensmittel und Haushaltsbedarf in der Kitzinger Altstadt – ist von der Schließung bedroht. Zwar sagt es keiner der Beteiligten offen, aber auf Nachfrage dementiert auch niemand, dass der Pachtvertrag ausläuft und im Moment noch kein neuer Vertrag unterschrieben worden ist.

Das hat Innenstadt-Bewohner mobilisiert: Sie wollen für ihre Nahversorgung kämpfen. Deshalb versammelten sie sich dieser Tage vor der „Stadt-Norma“ und verschafften ihren Belangen Gehör.

Ein Armutszeugnis

Sie sehen die Stadtverwaltung in der Pflicht. Wolfgang Haupt würde die Thematik gern im Stadtrat besprochen haben – und erhält für diesen Gedanken Applaus von allen Seiten Ein Argument: Man könne nicht einerseits auf eine schicke Innenstadt setzen und schöne neue Wohnungen bauen lassen – wie beispielsweise die „Kitzinger Brauhöfe“ –, ohne die zentrale Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln und Haushaltsbedarf sicherzustellen.

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„Ich bin auch deshalb in die Altstadt gezogen, weil ich hier alles zu Fuß erreichen kann und nicht immer das Auto nehmen muss“, betont Renate Dörr. Zwei- bis dreimal pro Woche kauft die 46-Jährige eigenen Angaben zufolge bei „Norma“ Grundnahrungsmittel. Wenn – nach dem Kupsch am Marktplatz – nun auch noch diese Einkaufsmöglichkeit wegfallen würde, wäre das ein Armutszeugnis für die Stadt, findet sie.

Ältere Bürger ohne Mobilität

Besonders schlimm träfe es ältere Bürger, deren Mobilität eingeschränkt ist. „Für uns sind die anderen Geschäfte zu weit weg, auch der frühere Comet auf der anderen B8-Seite“, sagt Elisabeth Guckenberger, die mit einem Rollator unterwegs ist. Gisela Schulz-Röser empfindet das ähnlich. Ihr Mann ist nicht mehr mobil und sie will ihn nicht allzu lange daheim allein lassen. Sie selbst fährt aus gesundheitlichen Gründen auch nicht mehr mit dem Auto. „Ich bin darauf angewiesen, dass ich in der Nähe einkaufen kann. Aber Kitzingen macht es unserer Generation ganz schön schwer.“

Das empfindet Brigitta Brückner ähnlich. Auch die 77-Jährige ist regelmäßige Kundin der „Stadt-Norma“. Ebenso wie Adelheid Haneberg: „Da heißt es immer, man soll den Kitzinger Einzelhandel unterstützen; aber wie, wenn alles zumacht?“ Hüsne Temiz fragt sich ebenfalls, wo sie im Fall des Falles alles Nötige für ihre Familie kaufen soll. Sie meint, die kleinen türkischen Läden könnten ein Geschäft wie „Norma“, wo es vom Spülmittel bis zur Butter alles gibt, höchstens teilweise ersetzen.

Multikulturer Flair

Wolfgang Haupt würde gerne wissen, was überhaupt hinter der Schließung der „Norma“ steckt. Vielleicht sei diese jetzt aktuell, weil auf der anderen Mainseite eine weitere Filiale eröffnet hat? Die allerdings ziehe keine Kaufkraft aus der Stadt ab, ist Haupt sicher. Er mutmaßt: „Vielleicht ist das eine Entscheidung, die ohne Ortskenntnis gefällt wird? In der 'Stadt-Norma' sind jedenfalls immer Leute, egal, wann man einkauft.“

Diese Erfahrung hat auch Renate Dörr gemacht. Zudem mag sie „den Charme und das multikulturelle Flair“ der „Stadt-Norma“: „Hier ist man nicht einfach eine Nummer, sondern da kennt man sich und da wird an der Kasse auch mal gelacht.“ Wenn die „Norma“ verschwinde, brauche man in der Altstadt auf jeden Fall wieder ein Geschäft mit einem breit gefächerten Angebot an Waren des täglichen Bedarfs, stellt Margarete Baumeister klar. „Ich könnte mir auch so etwas wie einen netten Dorf- beziehungsweise Altstadtladen vorstellen.“

Nicht nur Ärzte und Apotheken

Sie fragt: „Was erzählen die Verantwortlichen den Menschen, die in die neuen Brauhöfe-Wohnungen in der ehemaligen Bürgerbräu ziehen, über die Infrastruktur in der Innenstadt? Sie wollen alles vor Ort haben, brauchen nicht nur Ärzte und Apotheken, ein schönes Ambiente und Kleidergeschäfte, sondern auch Haushaltswaren und Nahrungsmittel.“

Mit Blick auf die Feste in der Stadt meint Margarete Baumeister: „Der Stadtmarketing-Verein sollte nicht nur Feiern organisieren, sondern auch mal an uns denken.“ Den Vorwurf will Geschäftsführerin Claudia Biebl so nicht stehen lassen. „Selbstverständlich kümmern wir uns um das Thema. Aber wir können nur begleiten und moderieren.“

Verhandlungen laufen

Das Sagen hat JS Immobilien, Gebäudeeigentümer in Würzburg. Eva Kuchenmeister von der Geschäftsleitung hat am Dienstag auf Anfrage schriftlich reagiert – und beruhigt. „Vorläufig ist nach wie vor die Norma Filiale im Schwalbenhof ansässig und somit die Nahversorgung gewährleistet“, schreibt sie. „Verhandlungen zur Nachfolge laufen. Es wird sichergestellt, dass eine qualitative Nahversorgung stattfindet“.

Klingt, als sei eine Lösung möglich und noch etwas Geduld gefragt.