Erster Auftritt beendet die Postkutschenzeit
Autor: Siegfried Sebelka
Kitzingen, Freitag, 24. Januar 2014
Der neue Kitzinger Stadtheimatpfleger Harald Knobling hat einen mit viel Beifall bedachten Start im Kitzinger Stadtrat hingelegt und erste Zeichen gesetzt.
Der neue Kitzinger Stadtheimatpfleger Harald Knobling hat einen mit viel Beifall bedachten Start im Kitzinger Stadtrat hingelegt und erste Zeichen gesetzt.
Gleich nach seiner Vorstellung hat der Nachfolger von Dieter Bilz der Diskussion um Erinnerungstafeln an Gebäuden und Plätzen der Stadt eine völlig neue Richtung gegeben: Weg vom Gusseisen oder Bronze mit Gravierung, hin zu Tafeln aus Plexiglas mit QR-Code und damit dem Zugang zu vielen Informationen im Internet.
„Wir sind im 21. Jahrhundert“, sagte der gelernte Kunstlehrer und: „Sie fahren ja auch nicht mehr mit der Postkutsche zur Stadtratssitzung, sondern im modernen Auto.“ Sein Vorschlag: Die bisher diskutierten Grauguss- oder Bronzeplatten mit Text und mit oder ohne Porträt seien keine echten Alternativen. „Wir sollten nicht auf Gestaltungselemente des 19. Jahrhunderts zurückgreifen, sondern die digitalen Medien nutzen.“
Das bedeutet im konkreten Fall vor allem den Einsatz des sogenannten QR-Codes. Der grafische Code wird inzwischen in der Werbung und in vielen Bereichen regelmäßig eingesetzt. Mit dem Smartphone abfotografiert, ermöglicht er den Zugriff auf Internetseiten, die viele Informationen bereithalten. Dieses System will Knobling nutzen, um den Kitzingern und Touristen interessante Stellen in Kitzingen näherzubringen. Die einfachen Tafeln, auf denen der Code aufgebracht ist, samt kurzem Text und Bild, könnten aus Aluminium oder auch aus Plexiglas sein, „ganz schlicht, ganz nüchtern“. Ein Vorschlag, der – wie der Beifall zeigte – gut angekommen ist. Für die Idee sprechen auch die Kosten. Während die Gussversion laut Hauptamtsleiter Ralph Hartner pro Tafel zwischen 2500 und 3000 Euro kosten würden, kommt die leichte Alternative mit einem Zehntel der Kosten aus. Gute Chancen also, dass das System Knobling auch umgesetzt wird. Bis dahin ist noch zu klären, wo solche Tafeln hängen und an wen oder was sie erinnern sollen.
Zu Beginn der Sitzung hatte sich der neuen Stadtheimatpfleger als Kunsterzieher und Künstler vorgestellt, der seit 30 Jahren am Armin-Knab-Gymnasium unterrichtet, Lehraufträge an der Uni Bamberg hatte und in Kunstgeschichte seinen Doktor gemacht hat. „Architektur war mir schon immer sehr nahe“, sagte Knobling. In seinem Buch über die Alte Synagoge und in Kirchenführern für die evangelische Stadtkirche und die Bergkirche in Hohenfeld gehe es um dieses Thema. Seit er sich entschlossen habe, die Aufgabe zu übernehmen, seien ihm die Augen aufgegangen, „welche Qualität in dieser Stadt steckt“. „Es gibt aber auch jede Menge Sünden“, sagte Knobling. Er sprach den Goldenen Löwen und die Umgebung des Marktcafés an, wo Kitzingen Gefahr laufe, Identität zu verlieren. Hier könne er sich eine radikale Lösung vorstellen, die Altes mit Neuem verbinde. Das gelte auch für das Eckhaus Schrannenstraße/Ritterstraße, wo – wenn schon abgerissen wird – qualitätsvoll gebaut werden müsse. Er versprach, konstruktiven Beitrag zu leisten. Das gelte auch für seinen Zuständigkeitsbereich Brauchtumspflege. Die Fränkische Weihnacht werde er weiterführen, so Knobling.