Wenn Elisabeth Fenn ein Buch liest, dann kann sie komplett abschalten. "Da bekomme ich nicht einmal mit, wenn mein Mann ruft, dass er Hunger hat", scherzt die 60-Jährige. In den letzten acht Jahren hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und leitete Volkachs städtische Bibliothek im Schelfenhaus mit viel Leidenschaft und großem Erfolg. Am Mittwoch wurde Fenn in den verdienten Ruhestand verabschiedet und mit Claudia Binzenhöfer ihre Nachfolgerin ins Amt eingeführt. Die scheidende Büchereileiterin versprach, ihrer Nachfolgerin tatkräftig unter die Arme zu greifen und ihr in nächster Zeit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

"Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir drei Mal überlegen musste, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen", erinnert sich die angehende Ruheständlerin an viele schöne Stunden in der Bibliothek und unzählige nette Begegnungen. Herzerfrischend seien die Besuche der jüngsten Leseratten gewesen. Dem Nachwuchs aus den Schulklassen und den Kindergärten las sie vor und bastelte mit ihm.

Ein Multitalent

Fenn stammt von einem Bauernhof und war eigentlich dort als Hof-Erbin vorgesehen. "Ich hätte gerne studiert und durfte nicht", blickt sie ein wenig wehmütig zurück an die Jahre nach ihrer Schulzeit. "Dann wäre ich Berufsbibliothekarin geworden." Weil ihr Wunschtraum nicht in Erfüllung ging, kam die gebürtige Heidenfelderin 1969 als Verwaltungsangestellte an das städtische Krankenhaus in Schweinfurt. 1992 wechselte sie zur Verwaltungsgemeinschaft Volkach. Dort wurde das "Multitalent" als Kassenverwalterin, im Einwohnermeldeamt, im Bauamt und ab 2005 in der städtischen Bücherei eingesetzt. Bürgermeister Peter Kornell (FWG) bescheinigte ihr großes Engagement. "Wir haben häufig positive Rückmeldungen von den Besuchern der Bücherei bekommen", betonte das Stadtoberhaupt und lobte die gute Beratung in der Bibliothek.

Sie liest quer Beet

Weil Elisabeth Fenn selbst eine Leseratte ist, wird sie in den nächsten Jahren noch häufig ihren ehemaligen Arbeitsplatz aufsuchen. Sie hat keinen besonderen Lesestoff. "Ich lese quer Beet", sagt sie. Einen Top-Favoriten unter der Lektüre-Masse hat sie dennoch. "Die Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll ist ihr Lieblingsbuch, das sie sich immer wieder aus dem Bücherregal herauszieht. "Ich habe dieses Buch mindestens hundert Mal gelesen."