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Eine Wiesentheider Liebesgeschichte im Schlosshof


Autor: Andreas Stöckinger

Wiesentheid, Dienstag, 10. Juli 2018

Ein Musical ist das Geschenk des Gymnasiums zum Festjahr 1100 Jahre Wiesentheid - am Donnerstag ist Uraufführung.
Sichtlich Spaß beim Proben auf der Bühne im Schlosshof hatten die Schüler des Wiesentheider Gymnasiums. Sie spielen mit „Eleonre” ein selbst verfasstes Musical über das Leben der Gräfin Eleonore aus der Zeit von 1696.


Ein Musical ist das Geschenk des Gymnasiums zum Festjahr 1100 Jahre Wiesentheid. Das Stück mit dem Titel „Eleonore“, welches in das Leben der jungen Gräfin Eleonore von Hatzfeld, spätere Schönborn, um das Jahr 1694 blicken lässt, wurde von Evi und Gerd Semle, zwei Lehrkräften der Schule, eigens geschrieben. Gespielt wird es am original Schauplatz, nämlich im Hof des Schönbornschen Schlosses. Diesen Donnerstag, 12. Juli findet die Uraufführung statt, zwei weitere Vorstellungen folgen.

Seit diesen Montag steht nicht nur die Bühne im Schlosshof, in den Tagen vor der Aufführung wird dort geprobt. Dabei ist ganz schön was los, schließlich sind insgesamt fast 100 Personen an dem ganzen Werk beteiligt, ob als Schauspieler, in der Band oder bei der Technik und dem Drumherum. Von der sechsten bis zur elften Klasse sind die Mitwirkenden. Auf der Bühne zu stehen, ist für sie nicht ganz neu.

Ob sie schon etwas Lampenfieber spüren? Nein, das werde wohl erst kurz davor kommen, wenn das Publikum da ist, meinen die Mädels, die zuvor als Chor auf der Bühne sangen. Theater haben sie ja schließlich schon in der Schule gespielt. „Eher aktuelle Themen, wie ein Stück über Flüchtlinge. Aber jetzt Open air, also draußen, das ist schon klasse, ganz was anderes“, finden Anna Götz und Leni Warta. Sie gehen zu den jüngeren Mitwirkenden aus der Musik-Klasse.

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Der Schlosshof beeindruckt sie alle. „Ich bin zum ersten Mal hier, das ist eine super Kulisse! Zu wissen, dass die je wirklich hier gelebt haben, macht es noch schöner“, findet Lilly Barnhart. Nahezu alle geben zu, dass sie durch das an die Historie angelehnte Musical mehr über die Geschichte Wiesentheids gelernt haben.

Anders, als bei ihren vorher aufgeführten Stücken ist vor allem die Sprache für die jungen Schülerinnen ungewöhnlich. Musical-Autorin Evi Semle hat versucht, das Ganze so zu schreiben, wie man in der Barock-Zeit sprach. „Sie haben so komplizierte Anreden, sie sprechen der dritten Person und so. Und die Wörter. Sie sagen ,attraktiv‘, dabei heißt das doch ,cool‘“, hat Leni Warta Unterschiede ausgemacht.

Die Sprache im Stück war auch für die beiden Schultheater-erprobten Hauptdarsteller Emilie Rehberger und Marius Lösch (17) eine Umstellung. Gerade als Adeliger müsse man vornehm reden, der Text müsse stimmen, man könne wenig improvisieren, meint Lösch. Der 17-jährige wird den Graf Johann Otto von Dernbach spielen, der die junge Eleonore zuerst heiratete, dann aber wenig später starb.

Gräfin Eleonore, alias Emilie Rehberger hat in ihrer Rolle einige Passagen, wo sie auf der Bühne Solo singen muss. „Das ist kein Problem, singen ist immer dabei“, hat die 16-Jährige davor kaum Respekt. Für sie wurde eigens ein Kostüm maßgeschneidert, auch die anderen Mitwirkenden sind nach den historischen Vorbild gekleidet.

Die ganze Story des Musicals in Text gefasst hat Evi Semle, Lehrerin für Deutsch und Geschichte am Wiesentheider Gymnasium. Als Vorlage diente unter anderem eine historische Schrift über Rudolf Franz Erwein von Schönborn, der die junge Gräfin als Witwe nach Dernbachs Tod heiratet. Nicht alles sei wortgetreu übernommen, manche Szenen und Figuren wurden hinzu gefügt, „aber die historische Grundlage stimmt“, so die Pädagogin. Ihr Mann Gerd war und ist als Musiklehrer für den musikalischen Teil zuständig.

Insgesamt 17 Szenen Text umfasst das Musical, dazu kommt die Musik. Entstanden ist das Ganze, als Gerd Semle von Wiesentheids Bürgermeister Werner Knaier angesprochen wurde, ob die Schule nicht einen Beitrag zur 1100-Jahr-Feier Wiesentheids machen wolle. Schließlich stieß Evi Semle in der Chronik auf die Geschichte mit Gräfin Eleonore, die ihr gefiel. Das Ganze biete doch „jede Menge Dramatik“, so die Pädagogin.

In der Geschichte heißt es, dass die junge Gräfin Eleonore bei ihrer zweiten Heirat einen Mann nehmen soll, zu dem sie Zuneigung empfindet, nicht nur aus Zweck, wie zuerst. Das gefiel auch den Schülern, als Semle es im Wahlfach Musiktheater vorstellte. „Da war gleich viel Mitgefühl und Identifikation bei der 300 Jahre alten Liebesgeschichte. Die beiden kriegen sich ja am Ende, das interessierte die Jugendlichen“, sagt Evi Semle.

Das Verkleiden mit den historischen Kostümen habe sein Übriges getan. Die Probe-Woche zum Ende des Schuljahres sei ideal, so die Pädagogin. „Eine tolle Erfahrung. Da wächst alles nochmal richtig zusammen.“ Auch die Technik und das meiste Drumherum wird von Schülern erledigt, das Orchester spielt live neben der Bühne, so dass fast 100 Personen im Einsatz sein werden.

Gespielt wird am Donnerstag und Freitag jeweils um 19.30 Uhr, sowie am Sonntag um 10.30 Uhr im Schlosshof. Der Eintritt ist frei.