Eine Könnerin zwischen Küche und Kostenplan
Autor: Harald Meyer
Kitzingen, Mittwoch, 23. November 2016
Elfriede Bold aus Marktbreit ist Bayerns beste Hauswirtschaftsmeisterin. Ein Prädikat, das sie auf Umwegen erwarb, nach 15 Jahren Familie und nicht gechillt.
Es begann mit einem lässigen Satz ihres ältesten Sohnes: „Da gehst du mal ganz gechillt hin.“ Ganz so entspannt war's dann doch nicht. 750 Stunden Unterricht in zwei Jahren, neben dem Job, haben Elfriede Bold aus Marktbreit gefordert. Aber das Ergebnis stimmt. Notendurchschnitt 1,24. Damit ist die 54-Jährige die beste Hauswirtschaftsmeisterin ihres Jahrgangs (2016) – in ganz Bayern.
Berufliche Kehrtwende
Der Sprung in die Management-Qualifikation für Haushalte aller Art – von der Familie über Kantinen bis hin zum eigenen Unternehmen – war Elfriede Bold nicht gerade vorgezeichnet. Die Marktbreiterin war gelernte Industriekauffrau, arbeitete, bis ihre vier Kinder kamen. 1988 ging sie in Mutterschutz, war 15 Jahre lang für die Familie im Einsatz, bis sie eine Teilzeitstelle in einem Elektrobetrieb übernahm.
1#googleAds#100x100Die berufliche Neuorientierung kommt 2011. Gemeinsam mit 15 Mitstreiterinnen macht sie die Ausbildung zur Hauswirtschafterin. In Kitzingen im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). 660 Stunden und 20 Monate später ist Elfriede Bold gelernte Hauswirtschafterin und fit in allen Bereichen rund um das Management von Haushalt, Küche und Familie.
„Die beste Kantine im Landkreis“
Die 54-Jährige ist schon damals top. Notendurchschnitt 1,55. Beste des Jahrgangs. Und weil sie beruflich in Schwung ist und durch die Beschäftigung in der Küche der Kitzinger Geflügelzucht – laut AELF-Experten „die beste Kantine im Landkreis“ – tief in der Praxis steckt, startet die begeisterte Köchin erneut durch, macht in Würzburg – vor allem am Landwirtschaftsamt – die Ausbildung zur Meisterin.
Mit höchstmöglichem Erfolg: beste in Bayern, Führungskraft mit einer ganz breiten Palette von möglichen Jobs. „Am besten gefällt mir, dass ich flexibel bin“, sagt Bold: „Ich könnte mich auch selbstständig machen“. Beispielsweise mit einem Catering-Betrieb. Ansonsten passt eine Hauswirtschaftsmeisterin in viele Führungs-Profile: vom bäuerlichen Unternehmer-Haushalt, über die schulische Mittagsbetreuung, das Alten- und Pflegeheim bis zur Leitung einer Unternehmenskantine.
Ein Job für alle Situationen
Der Beruf der Hauswirtschafterin wird gerne unterschätzt, hat Gabi Schenk festgestellt, die als Fachlehrerin die Ausbildung beim Amt für Landwirtschaft mitgestaltet. Dabei gehe das Ganze stark in die Tiefe. Das Thema Betreuung – vom Baby bis zum pflegebedürftigen Senior – sei ebenfalls wichtig. „Man lernt bei der Ausbildung, sich auf alle Situationen auszurichten“. Und dabei wird die Pflege laut Schenk ein immer wichtigerer Bildungsinhalt.
Dass sich bei einer Hauswirtschafterin viel rund um Küche und Ernährung abspielt, ist für den Normalbürger eigentlich klar. Dass betriebswirtschaftliches Denken ein Muss ist, eher weniger. Und bei einer Meisterin ist nach Bolds Worten „viel kaufmännische Arbeit dabei“. Schließlich müsse bei einer Kantine beispielsweise nach Kostenplan gearbeitet werden. Da werde mit Lieferanten verhandelt, Preise verglichen und Produktqualität untersucht.