Eine 30-Liter-Dusche und die Hitze-Spitze
Autor: Harald Meyer
Kitzingen, Mittwoch, 07. Juni 2017
Er hat seinen Job ganz gut gemacht, der Mai: genug Sonnenstunden und auch noch Regen satt. Trotzdem bekommt er nur die Note befriedigend.
Er hätte auch eine Karriere als April machen können, der Mai. Am 10. sackte der angebliche Wonnemonat ganz tief auf kalt-regnerische 0,7 Grad ab, um dann im Endspurt (29. Mai) mit 32,3 Grad die Hitzespitze abzuliefern. Was ganz positiv war aus Sicht von Thomas Karl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen, ist der Nässefaktor: Es hat ausnahmsweise mal wieder ausreichend geregnet.
Ein Test für die Schweißdrüsen
Trotzdem: Der Klimawandel bleibt ein Dauerbrenner. Auch wenn das Thermometer mal kurzzeitig in den Keller fiel, war es laut Pflanzenbauberater Karl insgesamt zu warm. Um satte 1,8 Grad lag der Monat über dem langjährigen Mittel. Dem Trend Richtung Erwärmung stellte sich in diesem Jahr eigentlich nur der Januar richtig in den Weg. Unterm Strich sind die ersten fünf Monate durchschnittlich um ein Grad zu warm.
Was – ganz klar – natürlich auch an der Sonne liegt. Die bescherte dem Mai acht sommerliche Tage über 25 Grad, heizte aber auch an zwei Tagen den Schweißdrüsen ordentlich ein, mit mehr als 30 Grad plus im Schatten.
Ein paar Güsse mehr
Für Abkühlung sorgten ein paar Güsse mehr als zuletzt gewohnt. Der Mai ließ es regnen, „mehr als erwartet“, wie Karl betont. Mit 85 Litern lieferte der Monat 21 Liter mehr, als er normalerweise im langjährigen Mittel vom Himmel fallen lässt. Richtig heftig war's am 2. Mai, als 30 Liter pro Quadratmeter das trockene Erdreich satt durchfeuchteten.
Die Mai-Duschen waren zwar recht ergiebig, machen allerdings die Kräuter im Landkreis noch nicht fett. Gerade mal 174 Liter (ohne Juni) sind seit Jahresbeginn an Regen gefallen – gleich minus 50 Liter pro Quadratmeter im Minus im Vergleich zum Durchschnittsjahr.
Jetzt muss Regen her
Weil der Winter sich sowohl den Schnee als auch andere Feuchtigkeit sparte, ist die Situation in Gärten und Äckern schwierig: „Wir haben keine Reserven in den Böden“, betont Karl. Regen werde jetzt dringend gebraucht. Der Juni habe zwar schon zehn bis 15 Liter geliefert, müsse aber noch kräftig nachlegen, denn: „Wenn jetzt noch trockene Monate kommen, haben wir ein Problem mit den Erträgen“, sagt der Pflanzenbauberater.
Hitze macht Pflanze schlapp
Der bleibt Optimist: Wenn es im Juni noch ausreichend regne, sei eine „vernünftige Ernte“ möglich. Allerdings müsse sich die Wärme jetzt in Grenzen halten, um den Feldfrüchten gute Chancen zu geben. Die Wintergerste („Sie sieht gut aus“) brauche keinen Schub mehr – aber der Rest. Und der könne jetzt keine Hitze brauchen. Ab 30 Grad plus macht nicht nur der Mensch schlapp, sondern auch die Pflanze: „Die wächst dann nicht mehr.“