Ein Besuch im "Luftschloss" rentiert sich garantiert. Denn hier gibt es lauter interessante Sachen - und zwar ganz umsonst. Klamotten zum Beispiel und Bücher, Haushaltswaren, Geschirr und Elektrogeräte, die tatsächlich noch funktionieren.
Der Name "Luftschloss" entstammt einer Onlineabstimmung im Vorfeld der Gründung und verweist auf die Utopie, die dahinter steckt. Und an den Glauben daran, dass die Vision von einer Welt, in der die Menschen so leben, dass sie ihre Lebensgrundlagen nicht zerstören, Wirklichkeit werden kann.
"Derzeit konsumieren wir einfach zu exzessiv - zu Lasten unseres Planeten", sagt "Luftschloss"-Mitgestalterin Simone Kapp. Dies findet auch Initiator Peter Ostenrieder. Dem 29-jährigen Vermessungsstudenten treibt vor allem die Sorge ums Klima um.
Jeder Pullover, der im Umsonstladen mitgenommen wird, schone die Erdatmosphäre, sagt er.
Dass der Pullover noch in Ordnung und das abgegebene Essgeschirr nicht unschön angeschlagen ist, dafür sorgen ehrenamtliche Helfer. "Es gibt eine Kerngruppe von derzeit rund zehn Menschen, die das Luftschloss und das ganze Drumherum organisiert. Aktiv im Ladendienst sind momentan 25 Menschen", sagt Teammitglied Michaela Keupp.
Aber warum engagieren die sich unentgeltlich neben Job, Schule, Studium und Familie in einem "Luftschloss"? Eine Motivation ist Keupp zufolge der Kontakt zu Leuten, die ebenfalls naturverbunden, umweltfreundlich und konsumkritisch sind. "Hinzu kommt der Spaß am Welt verändern", so die 26-jährige Fachinformatikerin: "Und schließlich die Freude daran, Dinge zu schenken."
Viele Waren schauen picobello aus, ganz wie aus dem Geschäft. Das, was normalerweise weggeworfen würde, liegt auch nicht lieblos in den Regalen. Sondern wird, zum Beispiel von der Ehrenamtlichen Monika Wimböck, nach Größe sortiert. Die 56-Jährige ist "grün" eingestellt, mag den Umgang mit Textilien und liebt es, zu tauschen und zu schenken "Dabei geht einer das Herz auf!", sagt sie.
Was die evangelische Studentenpfarrerin Susanne Hötzel gut nachvollziehen kann: "Aus der Sicht einer christlichen diakonischen Sozialethik finde ich die Idee des freien Gebens und Nehmens in einer monetär ausgerichteten Gesellschaft reizvoll." Auf diese Weise erhielten auch Menschen ohne großes Einkommen die Chance, Güter ohne Geld zu erwerben - und zwar ohne dass zuvor, wie etwa bei den Tafeln, die Bedürftigkeit abgeprüft wird. Hötzel: "Somit leisten Umsonstläden einen Beitrag zu einer Solidargemeinschaft, in der sich Menschen wertschätzend begegnen."
Ein Jahr Umsonstladen beweist, dass ein "Luftschloss" keine Narrheit sein muss. Das Interesse an dem Projekt ist gerade bei jungen Menschen groß. "Wir versuchen auch immer mal wieder, Veranstaltungen gemeinsam mit dem Umsonstladen zu organisieren", sagt die Leiterin der Evangelischen Studentengemeinde Hötzel. So wird es im kommenden Sommersemester einen kooperativen Fahrradreparaturtag am "Luftschloss" geben.
Betreibern wie Nutzern des Umsonstladens ist es nicht egal, was aus der Umwelt wird und wie es den Menschen geht, die in Unmengen das herstellen, was immer schneller verbraucht wird. Begrüßt wird dieses Engagement von Hartfried Groksch, Leiter des Würzburger Sozialkaufhauses Brauchbar: "Das ist für uns absolut keine Konkurrenz." Schließlich sei das Konzept völlig anders. Was Michaela Keupp bestätigt: "Wir sehen den Laden nur als ein Projekt von vielen unseres Vereins an." Genauso wichtig seien die Info-Veranstaltungen: "Und bald das Projekt ‚Freirad'." Im Frühjahr will das Ladenteam Würzburgs Bevölkerung selbst reparierte Räder zur Verfügung stellen.
Erfreulich für Keupp und ihre Kollegen ist, dass kaum jemand versucht, Schrott über den Umsonstladen loszuwerden. "Unsere Kundinnen und Kunden bringen meist frisch gewaschene und gebügelte Kleidung und sauber verpacktes Geschirr".
Zurückgewiesen werden allzu zerfledderte Comics oder verschlissene Textilien: "Da gerade Kleidung sehr viel Platz wegnimmt, können wir hier keine großen Mengen annehmen und sortieren besonders gut." Das braucht ein wenig Zeit, was ein paar Kunden ungeduldig werden lässt: "Die stellen dann ihre Taschen einfach ab und gehen weiter in den Laden." Zum Glück passiert dies aber nicht allzu häufig.