Würzburg
Wasserrahmenrichtlinie

Ein Fluss von mäßiger Qualität

Bis 2015 sollen alle unterfränkischen "Flusswasserkörper" in einem guten ökologischen Zustand sein. "Das ist nicht zu schaffen", sagen Fachleute. Von den 82 betroffenen Gewässern erfüllen derzeit nur fünf die von der EU geforderten Voraussetzungen.
Der Main hat derzeit nur mäßige Qualität, bis 2015 soll er wie alle Fließgewässer in Europa einen ,,guten ökologischen Zustand'' aufweisen. Foto: Streit
Der Main hat derzeit nur mäßige Qualität, bis 2015 soll er wie alle Fließgewässer in Europa einen ,,guten ökologischen Zustand'' aufweisen. Foto: Streit
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Die ersten Maßnahmen wurden 2010 eingeleitet. Seither starteten überall in Unterfranken Projekte zur ökologischen und chemischen Verbesserung der Fließgewässer in der Region. Anlass für die Aktivitäten ist die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der Europäischen Union. "Wobei wir nicht erst seit der Richtlinie bestrebt sind, unsere Gewässer in einen guten ökologische Zustand zu bringen", betont Stefan Thums, Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft bei der Regierung von Unterfranken.
Die Erwartungen sind hoch gesteckt: Bis 2015 sollen die Fließgewässer in Europa der Richtlinie zufolge einen "guten ökologischen Zustand" aufweisen. "Doch das wird bei uns nicht zu schaffen sein", so Thums. Von den 82 unterfränkischen "Flusswasserkörpern", sprich Flüssen mit Nebengewässern, sind derzeit nur fünf mit "gut" zu beurteilen. 40 haben eine mäßige Qualität - so auch der Main.

29 Mal unbefriedigend

Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff tragen dazu bei, dass der Zustand bei 29 Fließgewässern unbefriedigend, bei drei sogar schlecht ist. Nur fünf Flusswasserkörper werden nach derzeitigen Erkenntnissen bis 2015 in einem guten Zustand sein. "Andere erreichen dies erst 2021, einige auch erst in 15 Jahren", sagt Thums.
Geldknappheit ist dem Baudirektor zufolge nicht der Grund, warum es in Unterfranken eine Fristverlängerungen braucht: "Bisher musste noch keine Maßnahme wegen unzureichender Mittel zurückgestellt werden." Thums Mitarbeiter Christian Guschker hat genaue Zahlen über die finanzielle Seite der WRRL-Umsetzung. Demnach wurden seit Beginn der Planungen 2010 insgesamt 1,7 Millionen Euro ausgegeben, um die staatlichen Fließgewässer in Unterfranken ökologisch auszubauen. Weitere 1,4 Millionen Euro flossen in Unterhaltsmaßnahmen. Für kommunale Investitionen zur Umsetzung der WRRL gab der Staat 700 000 Euro aus.
Der guten Zustand der Gewässer ist laut Thums eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht nur die einzelnen Bereiche der Verwaltung fordert. Vor allem die Landwirtschaft müsse mit am Strang ziehen, geht es doch nicht zuletzt auch um den Grundwasserschutz. In Unterfranken gibt es drei, seit Juli im Fachzentrum Agrarökologie des Landwirtschaftsamtes in Karlstadt angesiedelte Wasserberater, die Bauern helfen, den Nitratgehalt des Grundwassers zu senken. Einem Monitoring von 2009 zufolge sind drei Grundwasserkörper in Unterfranken mit Nitrat belastet. Dies kann sich nur durch eine gewässerschonende Produktionsweise ändern.
Auch im Landkreis Kitzingen gab es dazu ein Projekt des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Im August 2011 wurde auf Feuerbacher Gemarkung ein Anbauversuch mit Zwischenfrüchten gestartet. Die Zwischenfrüchte nehmen Stickstoff auf und speichern in in ihrer Blattmasse, so dass er nicht ausgewaschen werden kann.

Eine Frage der Zeit

Die Wasserrahmenrichtlinie hat auch die Beteiligung der Öffentlichkeit zum Inhalt. In Kooperation mit öffentlichen Akteuren sollen die Umsetzungspläne für die einzelnen Fließgewässer erarbeitet werden. Für fünf Gewässer werden derzeit solche Pläne erarbeitet. Das betriff zum Beispiel die Lohr mit dem Flörsbach und dem Laubersbach. Aber auch bei den Odenwaldbäche im Kreis Miltenberg muss etwas getan werden. Hierzu gehören unter anderem die Mud, der Weilbach und der Waldbach. WRRL-Umsetzungspläne werden heuer auch für die Tauber im Kreis Würzburg sowie für die Elsava im Kreis Aschaffenburg in Kooperation mit öffentlichen Akteuren auf den Weg gebracht. Der fünfte Flusskörper, der bis 2015 ökologisch gut sein soll, ist die Aschaff.
Es macht keinen Sinn, Projekte übers Knie zu brechen, nur um das ehrgeizige Ziel der Richtlinie zu erreichen. Denn die Gewässer verbessern sich ökologisch nach ihrem ureigenem Tempo, erklärt Christian Guschker. Genau untersucht wurde dies bei der Renaturierung der Wern bei Geldersheim im Kreis Schweinfurt. Effekte der Renaturierung aus dem Jahr 2003 zeigten sich erst sieben Jahre später. Guschker: "Die Organismen und die Fische brauchen Zeit." Von daher sei es realistisch, anzunehmen, dass jetzt gestartete Projekte an ,,mäßig oder stark belasteten Fließgewässern frühestens 2021 zum Resultat "guter ökologischer Zustand führen.

Die Richtlinie

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie vereinheitlicht den Gewässerschutz in Europa. Die Richtlinie hat zum Ziel, Flüsse, Bäche und Quellen in einem ökologisch guten, natürlichen Zustand zu erhalten oder die Gewässer bis 2015 in einen guten Zustand zu versetzen. Gelingt dies nicht, können zweimal Fristverlängerung um je sechs Jahre beantragt werden. In Unterfranken sind knapp 3200 Kilometer Fließgewässer für die Wasserrahmenrichtlinie relevant. Bei einem Drittel handelt es sich um große Gewässer in staatlicher Verantwortung, für zwei Drittel sind Kommunen zuständig, Der ökologische Zustand wird an 83 Messstellen überwacht. Daneben gibt es 93 Grundwassermessstellen.