Ein Bürgermeister geht Baden
Autor: Gerhard Krämer
Gnötzheim, Montag, 11. Juli 2016
Halb zogen und schoben sie ihn, halb sprang er selbst: Martinsheims Bürgermeister Rainer Ott ging baden – in fast voller Montur.
Halb zogen und schoben sie ihn, halb sprang er selbst: Martinsheims Bürgermeister Rainer Ott ging baden – in fast voller Montur.
Nach dem offiziellen Teil zur Feier „40 Jahre Freibad Gnötzheim“ ließen drei Gnötzheimerinnen den Bürgermeister seinen sonst üblichen Sprung ins Nass zur Eröffnung der Saison nachholen.
Da in diesem Jahr die Witterung beim geplanten Saisonstart nicht dazu angetan gewesen war, ins Wasser zu springen, war diese Prozedur heuer ins Wasser gefallen. Das fanden Petra Hahn, Gisela Kammleiter und Claudia Ott sehr schade. Fair hatten sie den Bürgermeister am Samstag noch vorgewarnt. Anscheinend hatte er dies aber nicht ganz ernst genommen.
Nach den Reden jedenfalls standen sie bei ihm, halfen ihm noch aus der Jacke, seine Krawatte und die Schuhe durfte er ausziehen, Handy und Geldbeutel blieben auch im Trockenen. Dann bugsierten die drei Damen den Bürgermeister zum Beckenrand des tieferen Wassers. Und Ott ergab sich seinem unausweichlichen Schicksal und sprang unter dem Beifall der vielen Gäste selbst. Nass geworden, wenigstens teilweise, war auch Pfarrer Uwe Stradtner geworden. Der jedoch hatte sich das Becken im seichteren Teil für seine Festpredigt bewusst ausgesucht.
In seinem Rückblick auf die 40-jährige Geschichte des Freibads, das aus einem Feuerlöschweiher entstanden ist, erinnerte Ott an die aus seiner heutigen Sicht richtige Entscheidung der Gemeinde, dieses Projekt umzusetzen. Er freute sich, dass auch die beiden früheren Gemeinderäte Erich Kammleiter und Helmut Nagler, die daran beteiligt waren, mitfeierten.
30 Prozent der Menschen könnten nach Schätzung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Schüler lernten es nicht mehr, weil Bäder geschlossen würden. In Gnötzheim dagegen wolle man das Bad behalten. „Das Bad ist aus unserer Gemeinde nicht mehr wegzudenken“, sagte Ott.
Den Erhalt lässt sich die Gemeinde einiges kosten. Die neue Misch- und Regeltechnik und die Abdichtung der Leitungen habe 25 000 Euro gekostet. Jeder verbinde sicherlich schöne Erinnerungen mit dem Schwimmbad. Seien es die vielen Tage, die in der Kindheit in den Sommerferien oder nach der Schule hier verbracht worden seien, oder die Erfrischungen abends nach der Arbeit. Es sei schön, wenn man „mal schnell nach Gnäitzi ins Schwimmbad gehen kann“ und nicht erst nach Uffenheim oder Ochsenfurt fahren müsse.
Während die einen hier ihre Freizeit genießen, müssten andere ihre dafür opfern, ging Ott auf die Arbeit der vielen Schwimmbadhelfer in den vergangenen 40 Jahren ein. Ohne den Dienst des Kassenpersonals oder der Wasserwacht, wäre es überhaupt nicht möglich, das Schwimmbad zu betreiben. Aber auch nach den Öffnungszeiten gingen die Arbeiten weiter, zum Beispiel müsse das Bad gereinigt werden.
In ihrem Grußwort erinnerte Landrätin Tamara Bischof an ihren Vor-Vorgänger Rolf Bauer, der von einer mutigen Entscheidung gesprochen habe. Vermutlich habe man noch schnell vor der Eingemeindung das vorhandene Geld in das eigene Dorf investieren wollen, scherzte sie.