Echter an allen Ecken und Enden
Autor: Norbert Finster
, Dienstag, 25. April 2017
Fürstbischof Julius Echter hat der Gerolzhöfer Innenstadt das Gepräge mitgegeben. Eine Führung zu den markantesten Bauten.
Alle paar Meter blieb Stadtführerin Heike Bauer stehen und wusste etwas zu noch sichtbaren Spuren von Fürstbischof Julius Echter zu berichten.
Den zwölf Teilnehmern einer auf Echter bezogenen Stadtführung mit der Überschrift „Wappen – Schnecken – Echter-Helme, eine renaissancezeitliche Spurensuche“ wurde schnell klar, dass der kirchliche und weltliche Herrscher aus der Renaissance das Bild der Altstadt auch heute noch prägt.
Wuchtige Wappen an den Hauswänden
Dem eiligen Passanteen fällt es kaum auf. Doch wer am Donnerstagabend dabei war, hat gesehen, dass an allen Ecken und Enden der Innenstadt wuchtige Echter-Wappen an den Hauswänden prangen. Der Fürstbischof legte nämlich großen Wert darauf, auch die Nachwelt auf seine baulichen Leistungen hinzuweisen.
Echter scheidet die Geister. Er fasziniert und irritiert. Die Heutigen müssen ihm keinen roten Teppich ausrollen, sich aber auch nicht für ihn schämen, zitierte Heike Bauer zunächst Professor Wolfgang Weiß, der in Gerolzhofen bereits seine neuen Erkenntnisse zu Echter vorgetragen hat.
Echter und diee Renaissance
Echter lebte in der Renaissance, einer Epoche, die das einfache Gedankengut des Mittelalters beiseite schob und sich dafür der Denkweise der Antike annäherte. Julius Echter passte in die Renaissance. Er war für die damalige Zeit ungewöhnlich weitgereist und hatte einen entsprechend weiten Horizont. Schon mit 28 war er Fürstbischof von Würzburg, obwohl die Untergrenze für den Amtsantritt eigentlich bei 30 Jahren lag.
Das Bistum glich einem Scherbenhaufen, als Echter antrat. Er baute wieder die Zentgerichte auf und sorgte dafür, dass jeder an Abgaben zahlte, was er zu zahlen hatte.
Konkret wurde es dann an der ersten Station, dem Anwesen Bahnhofstraße 3. Dieses Haus beherbergte wohl die Zolleinnahmestation. Zahlen mussten alle, die durch das Centtor und vorbei an der zweiten Verteidigungsbastion, dem Türmersturm, in die Stadt wollten.
Gerolzhofen war dem Fürstbischof wichtig
An den starken Befestigungen zeigt sich, dass Gerolzhofen für Echter eine – auch wirtschaftlich – wichtige Stadt war. Wie alle anderen Stadttore wurde auch das Centtor abgebrochen. „Hätten wir diese Tore heute noch, hätte Gerolzhofen ein Stadtbild wie Rothenburg“, bedauerte Heike Bauer den Verlust.