Ausstellungen des Fördervereins ehemalige Synagoge sind selten leichte Kost. Das gilt auch für „erfasst, verfolgt, vernichtet“ - demnächst in der Rathaushalle.
Die Ausstellungen des Fördervereins ehemalige Synagoge sind selten leichte Kost. Im Herbst 2016 geht es nicht um das Auslöschen der Juden in der Stadt, deren Kultur und Geschichte der Verein bekannt machen will. Der Titel der Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ über den Umgang des Nazi-Regimes mit Behinderten zeigt aber, dass sich der Verein erneut schwere Kost vorgenommen hat.
Lebenshilfe und AKG
Für die Präsentation der Wanderausstellung der Gesellschaft mit dem etwas sperrigen Namen „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)“ hat sich der Förderverein die Lebenshilfe und das Armin-Knab-Gymnasium (AKG) mit ins Boot geholt.
Blick in die Zukunft
Der Hintergrund: Nicht nur die Grausamkeiten des Nazi-Regimes sollen zu sehen sein. Man will bewusst die heutige Situation der Menschen mit Behinderungen zeigen, zu der die Lebenshilfe mit ihren Wohn- und Bildungsangeboten seit über 60 Jahren entscheidend beiträgt. Dazu kommt am Beispiel des AKG-Projekts „Mission Gemeinschaft“ ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft.
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Ganz nahe dran
Die Organisatoren greifen in der Rasthaushalle ein Thema auf, das weit weg scheint, es aber nicht ist. Das machte Manfred Markert von der Lebenshilfe deutlich. „In einem unserer Wohnheime lebt mit Josef ein 80-Jähriger, der die NS-Zeit nur mit viel Glück in einem kleinen Dorf im Steigerwald überlebt hat.“ Was zeigt, dass die Fördervereinsvorsitzende Margret Löther Recht hat, wenn sie sagt: „Was die Ausstellung zeigt, hat es auch hier gegeben.“
200000 Tote
So viel Glück wie Josef hatten viele Menschen in den 30er- und 40er Jahren nicht. Ein paar Zahlen aus der Ausstellung zeigen die Dimensionen: Bis zu 400 000 Menschen sind zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert, mehr als 200 000 ermordet worden.
Was dahinter steckt, zeigt die Ausstellung in fünf Kapiteln. Dabei wird deutlich, was die Presseinformation so beschreibt: Bei der Selektion der Patienten wurde der vermeintliche Wert des Menschen zum leitenden Gesichtspunkt. Ärzte, Pflegende und Funktionäre urteilten nach Maßgabe von Heilbarkeit, Bildungsfähigkeit oder Arbeitsfähigkeit über die ihnen Anvertrauten. Dabei fand die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung auffälliger, störender und kranker Menschen innerhalb des damaligen Anstalts- und Krankenhauswesens statt.
Mehr Informationen Das gilt auch in und um Kitzingen. Wie Löther sagte, liefere die Ausstellung selbst dafür zwar keine Belege. Klar sei aber, dass der gefürchtete graue Bus auch Menschen aus dem Landkreis Kitzingen direkt in die Tötungsanstalten brachte. Mehr Informationen gibt es bei der Ausstellungseröffnung (21. Oktober, 19.30 Uhr), wenn unter anderem der Würzburger Professor Dr. Jürgen Deckert ins Thema einführen wird.