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Der immer wieder wankende Baumwipfelpfad


Autor: Norbert Vollmann

Gerolzhofen, Mittwoch, 20. August 2014

Noch im März hatte die als privater Investor vorgesehene Erlebnis Akademie AG in Bad Kötzting dieser Zeitung gegenüber Befürchtungen als völlig unbegründet zurückgewiesen, wonach der Baumwipfelpfad Steigerwald zugunsten eines Baumwipfelpfades im attraktiveren Schwarzwald auf der Strecke bleiben könnte. Im Mai folgte dann auf das klare Dementi der Ausstieg aus dem Projekt.


Noch im März hatte die als privater Investor vorgesehene Erlebnis Akademie AG in Bad Kötzting dieser Zeitung gegenüber Befürchtungen als völlig unbegründet zurückgewiesen, wonach der Baumwipfelpfad Steigerwald zugunsten eines Baumwipfelpfades im attraktiveren Schwarzwald auf der Strecke bleiben könnte. Im Mai folgte dann auf das klare Dementi der Ausstieg aus dem Projekt.

Die von Anfang an wackelnde Finanzierung war endgültig gescheitert. Alle zwischen den vorgesehenen Partnern geschlossenen Kooperationsverträge waren mit einem Mal Makulatur. Daraufhin ist die Bayerische Staatsregierung über ihre Staatsforsten selbst ins Baumwipfelgeschäft eingestiegen.

Währenddessen wird das Unternehmen aus dem Bayerischen Wald schon in wenigen Wochen nach rekordverdächtiger Bauzeit von nur 3,5 Monaten am 19. September über den Wipfeln von Bad Wildbad am Sommerberg seinen dritten Baumkronenpfad in Deutschland einweihen. Hier ist es also im frisch gebackenen Nationalpark Schwarzwald sehr flott mit der Beschaffung der Finanzmittel und dem Bau gegangen.

Im Herbst 2015 soll er fertig sein

Im Steigerwald hingegen wird jetzt von den Bayerischen Staatforsten der Herbst 2015 als frühester Zeitpunkt für die Eröffnung des Baumwipfelpfades am Radstein bei Ebrach ausgegeben. Ursprünglich sollte alles bereits zum Sommer 2014 fertig sein. So sah es der Plan der Erlebnis Akademie vor.

Die Bayerischen Staatsforsten werden sechs Millionen Euro in die Hand nehmen, um bei Ebrach den Baumwipfelpfad nun selbst auf Staatskosten zu errichten und zu betreiben. Der Grund liegt auf der Hand. Der Baumwipfelpfad im oberfränkischen Ebrach und das über dem Radstein im unterfränkischen Handthal entstehende Steigerwaldzentrum für nachhaltige Forstwirtschaft sind konzeptionell eng miteinander verzahnt.

Verzahnt mit Steigerwaldzentrum

Der kombinierte Besuch wird eine Voraussetzung dafür sein, dass beide Einrichtungen dauerhaft zu einem Erfolg und damit zu den erhofften Leuchtturmprojekten im strukturschwachen Steigerwald werden. Der Freistaat bezuschusst den Bau des Baumwipfelpfades mit 90 Prozent, den Rest übernehmen die Staatsforsten selbst. Dies hatten das Bayerische Kabinett und der Aufsichtsrat der Staatsforsten im Mai in Sondersitzungen beschlossen, nachdem sich der Investor verabschiedet hatte.

In Regensburg und auch im Steigerwald ist man allerdings offenbar nicht wirklich traurig, dass es nun so gekommen ist, wie es manche von Anfang an vorhatten, nämlich dass man den Baumwipfelpfad selbst baut. Im Gegenteil: Es herrsche allenthalben Erleichterung, dass die Zitter- und Hängepartie zu Ende ist und klare Verhältnisse herrschen, ist hinter vorgehaltener Hand zu hören.

Ebrachs Bürgermeister erklärt, dass sich die Entwicklung bei der Erlebnis Akademie schon vor Ostern abgezeichnet habe. Der Ausstieg sei deshalb, als es so weit war, nicht wirklich überraschend gekommen.

Max-Dieter Schneider sieht die neue Situation ebenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So habe sich die Gemeinde einerseits „genug bemüht“ und alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Vorgaben zu erfüllen.

Genehmigung im Eiltempo

Von der kleinen Verwaltung und dem Gemeinderat war bekanntlich die rechtskräftige Bauleitplanung als Voraussetzung für die Genehmigung des Bauantrags im Eiltempo „durchgepeitscht“ worden. Sogar die Sitzungsferien des Gemeinderats wurden für die erforderlichen Sondersitzungen im Sommer 2013 gestrichen.

Die Ausschreibungsunterlagen für den Bau des Großparkplatzes am Radstein samt Linksabbiegespur sowie zur Erschließung des Baumwipfelpfades mit Wasser und Abwasser lagen ebenfalls schon fix und fertig in der Schublade. Am Ende hatte man sich, wie man weiß, umsonst gestresst.

Ein trotz alledem nicht unglücklich wirkender Bürgermeister betont: „Der Staat ist zwar nicht der schnellste Partner, aber der Verlässlichste.“ Schneider stellt weiterhin nüchtern fest: „Wenn die Herrschaften meinen, woanders mehr Geld verdienen zu können, soll es so sein.“

Der Ausstieg der Baumwipfelpfadbetreiber aus Bad Kötzting war allerdings nicht der erste Rückschlag auf dem Weg zum Baumwipfelpfad. Ursprünglich gab es einen zweiten Interessenten, und zwar aus Unterfranken. Der erhielt auch den Vorzug, nachdem er die Verantwortlichen mit seinem innovativen, auf die Region zugeschnittenen Konzept überzeugt hatte. Die Erlebnis Akademie, die sich im Wesentlichen mit einer „Kopie“ ihrer Anlage im Bayerischen Wald bewarb, musste sich zunächst mit dem zweiten Platz begnügen.

Die Verhandlungen mit dem favorisierten Betreiber aus Unterfranken waren auch schon weit gediehen, als dieser eines Morgens im August 2012 per E-Mail wissen ließ, dass er das Projekt nicht weiter verfolgen werde. Ein konkreter Grund für den Rückzieher wurde nie genannt.

So wurden erneut die Verhandlungen mit dem in Sachen Baumwipfelpfad erfahrenen Interessenten aus Bad Kötzting aufgenommen. Der überarbeitete daraufhin sein Konzept, um es auf den Standort im Steigerwald zuzuschneiden. Nachdem die Finanzierung gescheitert war, warf nun mit der Erlebnis-Akademie der zweite Investor das Handtuch.

Eröffnung im Schwarzwald

Unterdessen feiern die Bad Kötztinger nicht nur am 19. September die Eröffnung des Baumwipfelpfades im Schwarzwald, sondern bereits zuvor am Dienstag, 9. September, das fünfjährige Bestehen des Baumwipfelpfades vor ihrer Haustür in Neuschönau. Mit 1,75 Millionen Besuchern seit der Eröffnung gilt er als einer der Besuchermagneten.