Hasan Cobanli erzählt in seinem Roman „Der halbe Mond“ gemeinsam mit dem Drehbuchautor und Adolf-Grimme-Preisträger Stephan Reichenberger die Geschichte seiner Familie.
(car/zis) Hasan Cobanli, geboren 1952, hatte viele Berufe. Jetzt ist er Buchautor. In seinem Roman „Der halbe Mond“ erzählt Cobanli, halb Deutscher, halb Türke, und Enkel von Kemal Atatürks Weggefährten Cevat Pascha, gemeinsam mit dem Drehbuchautor und Adolf-Grimme-Preisträger Stephan Reichenberger auf 444 Seiten die Geschichte seiner Familie und seiner beiden Heimatländer von 1915-2013.
Hauptfiguren in seinem autobiografischen Roman sind sein Vater Feridun Cobanli, geboren 1899, ein türkischer Diplomat sowie seine Mutter Benita, geborene v. Roon. Hasan Cobanli selbst verbrachte Kindheit und frühe Jugend in seiner Geburtsstadt Istanbul, in die er seitdem regelmäßig zurückkehrt – früher als Pilot, dann als Filmemacher, 2013 als aktiver Demonstrant am Gezi-Park und immer wieder, um für seine 100 Jahre umspannende Familienchronik zu recherchieren. Als Autor, TV-Journalist und Moderator hat er über 30 zum Teil preisgekrönte Reisedokumentationen gedreht.
Am 16. April liest Hasan Cobanli im Rüdenhauser Weinkeller am Schloss. Gastgeber Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen hat mit ihm gesprochen. Hier ein Auszug aus dem Interview:
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Frage: Sie haben die unterschiedlichsten Lebensphasen hinter sich – beruflich und privat.
Hasan Cobanli: Ja, Kindheit am Bosporus, Jobs auf vier Kontinenten, zwei mal verheiratet, eine für mein Alter verhältnismäßig junge Tochter. Antonia ist 12.
Der halbe Mond" ist ein (auto)biografischer Roman über Ihre eigene deutsche und türkische Familie vor der Kulisse von 100 Jahren deutsch-türkischer Geschichte und Abenteuer. Was hat Sie denn dazu bewegt, ein Buch über Ihre Familie zu schreiben?
Es ist ja nicht nur ein Buch über meine Herkunft, die Eltern und Großeltern. Es ist ein Buch über vieles, was mich interessiert. Mein Glück ist, dass in den Biografien meiner beiden Familien, also sowohl in den Familien Roon und Bassewitz, als auch in der osmanisch-türkischen Familie, alles enthalten ist: Drama, Politik, Mann- und Frau-Geschichten, Väter- und Söhne-Geschichten, Krieg und Frieden, und ein Haufen interessante Persönlichkeiten, die die jüngere europäische Historie mitgestaltet haben.
Ihr Buch wird sowohl von Kritikern als auch vom Publikum begeistert aufgenommen. Es soll in mehrere Sprachen übersetzt werden und sogar ein Filmangebot lag Ihnen schon vor.
Das habe ich vor allem meinem Co-Autor Stephan Reichenberger zu verdanken. Er hat mich überhaupt erst darauf gebracht, dieses Buch zu schreiben, er hat es vor-lektoriert, mitgeschrieben, viel Historisches recherchiert, Lebenswege quer durch Europa rekonstruiert, die Kapitel so montiert, dass sie jetzt fast wie ein Drehbuch einer Fernsehserie wirken. Erst so wurde ein Roman draus. Ohne Stephan Reichenberger gäbe es mein Buch nicht. Und „Roman“ nennen wir es nur, weil Stephan einige Begebenheiten, von denen aus Familien-Anekdoten nur Fragmente verbürgt sind, romanhaft ergänzt und nachempfunden hat. Er ist übrigens ein waschechter Franke, er stammt aus Kulmbach und hat alle meine fränkischen Passagen im Buch noch mal überprüft.
Apropos Film – kürzlich standen Sie als Schauspieler in einem Kinofilm von Regisseur Giuseppe Tornatore vor der Kamera, immerhin ein Oscar Gewinner...
Er hat mich für eine kleine Rolle ausgewählt, in der ich neben der schönen Olga Kurlyenko auftrete. Nur im Gegensatz zu Jeremy Irons und vor ihm Daniel Craig darf ich sie leider nicht küssen, sondern nur anknurren und dann prüfen – ich spiele ihren Physik-Professor. In einer Drehpause sprach ich kurz mit Regisseur Tornatore über „Der halbe Mond“ und er meinte, wenn er das verfilmen würde, hätte er schon eine Rolle für mich.