"Die Arbeit hat schon mal mehr Spaß gemacht", umschreibt Peter-Michael Himmel, Chef der Marktstefter Privatbrauerei Kesselring, die Arbeit im ersten Halbjahr 2020. Denn die durch die Corona-Pandemie verursachte Schließung der Gastronomie und die bislang immer noch geltenden Beschränkungen und Veranstaltungsverbote trafen die Brauer schwer.

"Die Gastronomie macht ein Drittel unseres Umsatzes aus; dieser Wegfall für mehrere Monate war brutal", erklärt Karl-Heinz Pritzl, Seniorchef der Ochsenfurter Kauzen Bräu. Deswegen kann es insgesamt kein gutes Jahr für die Brauer werden. Jetzt geht es nur noch darum, bestmöglich die Kurve zu kriegen.

Feste-Laster und Kühlwagen im Stillstand

"Mit der Zwangsschließung der Gastronomie wurde uns förmlich der Stecker gezogen", sagt Peter-Michael Himmel und stuft 2020 schon jetzt als "gebrauchtes Jahr" ein. Wie seinen Kollegen von Kesselring und Kauzen Bräu blieb dem Chef der Ochsenfurter Brauerei Oechsner, Dietrich Oechsner, auch nicht anderes übrig, als für einige Mitarbeiter Kurzarbeit anzumelden. "Unser Feste-Lkw ist heuer noch keinen Meter gefahren", schildert Karl-Heinz Pritzl die Situation und Dietrich Oechsner spricht von seiner Kühlwagenflotte als "Dauerparker-Einheit".

Einzig die Umsätze der nichtalkoholischen Getränke stürzten bei den Brauereien nicht ganz so schlimm ab. So will auch Peter-Michael Himmel nicht zu viel klagen, da es langsam aufwärts gehe. "Besonders unser Naturradler ist gut gelaufen und der Sommer mit dem guten Wetter hat, geholfen, unsere Branche zu stabilisieren", meint Dietrich Oechsner. "Wir hoffen nur, dass wir keinen zweiten Lockdown erleben müssen", sagt Himmel und spricht damit seinen Kollegen aus der Seele. Daneben geistert noch die Befürchtung durchs Land, dass viele Betriebsschließungen oder Insolvenzen in der Gastronomie erst noch folgen könnten.

Im Handbetrieb durch die Krise

Dagegen haben die sieben Gesellschafter der Mainbernheimer Brauschmiede um Peter Winkler keine Absatzprobleme, denn weiterhin sind ihre monatlich gebrauten 750 Liter Bier rasch vergriffen. Die Hobby-Brauer, die erstmals zum Mainbernheimer Stadtfest Echt Berna im September 2018 ihren Gerstensaft ausschenkt hatten, haben normalerweise jeden ersten Samstag im Monat ihre Brauschmiede mit Verkauf geöffnet. Doch nach der Zwangsschließung der Schankwirtschaft ging erst einmal nichts mehr und die Nachfrage nach Bierfässern brach ein.

Deswegen sattelten die Hobbybrauer auf Flaschenbier um und ließen einen Sud bei Sebastian Rank in Gnodstadt in Flaschen abfüllen, um den Kundenwünschen gerecht zu werden. Ihr Kellerbier und das neue Landbier hell füllen die Bernemer aus logistischen Gründen mit einem eigens angeschafften Abfüller selbst ab. Denn dank der Sozialen Medien und der Mundpropaganda gilt die Brauschmiede als Geheimtipp und Michael Gebert und Norbert Ebner ist der Spaß an der Arbeit anzusehen, wenn sie ihre Freizeit opfern, um am neu angeschafften Flaschenfüller in Handarbeit die 1500 Flaschen abfüllen, die an einem Verkaufstag im Monat ruck, zuck vergriffen sind.

Weniger Bierabsatz und Mangel an Flaschen

Auch bei der anderen Kleinbrauerei, Sternbräu in Albertshofen, setzen die Kunden auf Regionalität. Erik Löschner und sein Partner Bastian Kiemer haben derzeit nur jede zweite Woche geöffnet und spüren ebenso wie die Kollegen den Ausfall aller Feste, weswegen sie seit Monaten kaum noch Bierfässer absetzen können.

Löschner gibt sich zwar insgesamt zufrieden mit den Verkaufszahlen, doch weist er auf ein anderes Problem hin: Erstens ist mehr Leergut als sonst im Umlauf und "uns es ist aktuell nicht leicht Neuglas zu bekommen, da die Hersteller im Lockdown ja auch ihre Produktion zurückgefahren hatten".