"Jetzt sind wir an der Reihe" lautet das aktuelle Motto für elf Auszubildende des Discounters Norma. Drei Wochen lang übernehmen die Azubis die Volkacher Filiale komplett in Eigenverantwortung. Das erste Fazit nach gut einer Woche hört sich mehr als positiv an. "Das macht uns allen richtig Spaß", sagt Sina Dietrich und schwärmt von dem tollen Miteinander unter den Auszubildenden.

Die 20-Jährige aus Wiesentheid findet es toll, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig Entscheidungen zu treffen. "Da kann man das Erlernte in die Tat umsetzen", sagt sie und findet das Norma-Projekt "Azubi-Power 2013" einfach Spitze.

Viele lachende Gesichter mit roten T-Shirts sind derzeit in dem Betrieb im neuen Einkaufspark am alten Bahnhof zu sehen. Die jungen Leute verbreiten ein freundliches und angenehmes Klima. In zwei Schichten sind sie am Werkeln. Die erste Schicht beginnt in der Früh und endet am Nachmittag. Die zweite Gruppe fängt nachmittags an und sorgt für einen gelungenen Ladenschluss um 20 Uhr.

Die Dienstpläne werden nicht von höherer Stelle gemacht. Dominik Zinnheimer ist im dritten Ausbildungsjahr und er durfte in die Rolle des Azubi-Chefs schlüpfen. Die Einteilung seiner jungen Arbeitskollegen ist neben den Abrechnungen, den Bestellungen und jeder Menge Büroarbeit eine seiner Haupttätigkeiten. Der 20-jährige Einzelhandelskaufmann in spe arbeitet normalerweise in der Filiale in Schlüsselfeld. Täglich fährt der Reupelsdorfer die Strecke in das oberfränkische Städtchen. Das Norma-Projekt für Azubis in Volkach ist für ihn eine willkommene Abwechslung. Und finanziell kommt er in den drei Wochen auch noch besser weg. "Wir bekommen Spritgeld in dieser Zeit", freut er sich über die Tankunterstützung.

Die meisten werden übernommen

Weil das Benzin so teuer geworden ist, sieht Ausbildungsbeauftragter Günther Ehler das Spritgeld als selbstverständlich an. Er ist für insgesamt 150 Auszubildende zuständig. "Die meisten unserer Azubis werden nach der Ausbildung übernommen", sagt Ehler. Er ist ständig auf der Suche nach neuen Auszubildenden, was sich häufig gar nicht so einfach darstellt. Grundsätzlich schaut er vor allem darauf, dass die jungen Leute in Warenkunde und Büroarbeiten fit werden.

Bei dem aktuellen Azubi-Power Projekt müssen die Azubis die Volkacher Filiale in Eigenregie führen, ohne Unterstützung des Filialleiters oder der "normalen" Einsatzkräfte. Ehler greift den Auszubildenden dabei gerne unter die Arme, wenn sie Fragen haben. "Oft geht es sehr lustig zu, vor allem, weil die Mitarbeiter ziemlich im gleichen Alter sind", schildert der Ausbildungsbeauftragte seine Eindrücke. "Sie motivieren sich gegenseitig und arbeiten gut Hand in Hand." Ehler ist die ganze Zeit mit im Betrieb, ebenso wie Bereichsleiterin Regina Geier. Der Bambergerin gefällt das gute Klima unter den jungen Leuten ganz besonders.

Zum Team geworden

"Anfangs haben wir schon zwei Tage gebraucht, bis wir ein eingespieltes Team geworden sind", erzählt Kurzzeit-Chef Dominik Zinnheimer. Seine Azubi-Kollegen hätten ihn sofort als vorübergehenden Filialleiter akzeptiert. "Man muss sich halt durchsetzen und mal auf den Tisch hauen, wenn etwas nicht passt", nennt er sein Autoritätsrezept. Dass ihm mit Ehler und Geier zwei erfahrene Mitarbeiter im Büro über die Schulter schauen, ist ihm ganz recht. "Da bekomme ich gleich die entsprechenden Antworten auf meine offenen Fragen."

Zinnheimers Vorliebe gehört dem Erstellen der Dienstpläne und dem innerbetrieblichen Management. "Nach der kurzen Eingewöhnungsphase lief dann alles wie geschmiert", erzählt er. Kein Wunder, denn die jungen Kollegen wie Sina Dietrich sind hochmotiviert an das Projekt herangegangen. Sina ist im dritten Ausbildungsjahr und sie ist begeistert: "Ich bekomme hier viel Übung und lerne, wie es in einer Filiale abläuft." Besonders gefällt es ihr, dass "nicht immer Jemand hinten dran steht, sondern man selbst auf Vieles achten muss". Auch wenn es bei der Arbeit manchmal etwas hektisch zugeht, der Spaß am Job ist bislang für sie noch nicht verloren gegangen. In die Rolle des eigenen Chefs zu schlüpfen, sei ein Supergefühl. "Da habe ich viel Eigenverantwortung, und ich werde gefordert." Am liebsten geht sie zur Frühschicht und begründet das mit mehr Freizeit: "Weil man da am Nachmittag bald fertig ist und noch etwas vom Tag hat." Drei Projektwochen sind ihr fast zu kurz. "Das könnte von mir aus viel länger dauern."

Sina geht gerne mit Freunden aus. Sportlich läuft in ihrer Freizeit wenig: "Ich bin genug bei Norma auf den Beinen." Azubi Martin Koos treibt dagegen nach Feierabend gerne einmal Sport. In der Arbeit sitzt er häufig an der Kasse. "Da hat man mit vielen Menschen Kontakt", erklärt der 18-Jährige aus Abtswind, der wie Sina normalerweise in der Wiesentheider Filiale arbeitet.

Sina Dietrich, die gerade eine neue Lieferung auspackt, hofft nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau darauf, dass sie von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wird. Die Prüfung hat sie schon hinter sich. Sie wartet nur noch auf das Ergebnis. Ihre Chancen auf den Verbleib bei Norma stehen gut, glaubt man ihrem Ausbildungsleiter. Und wer in der vergangenen Woche in die freundlichen jungen Gesichter der Norma-Leute geschaut hat, der hegt keinen Zweifel daran, dass das die Mitarbeiter der Zukunft sind. Noch eine Woche lang halten Sina und ihre Kollegen in Volkach das Zepter fest in ihrer Hand.