Polizei und Verkehrswacht Kitzingen informierten Radler an einem der Unfallschwerpunkte im Landkreis Kitzingen über die richte Ausrüstung. Das Wichtigste: ein Helm.
Mehrere Polizeifahrzeuge erregten am Wochenende am Bleichwasen in Kitzingen die Aufmerksamkeit der Spaziergänger. Am dortigen Radweg standen Beamte und diskutierten mit Radfahrern. Was zuerst aussah wie eine Kontrollaktion, stellte sich als eine Präventionsveranstaltung der Kitzinger Polizei und der Verkehrswacht Kitzingen dar.
Erster Polizeihauptkommissar Armin Fuchs erklärte, dass die zunehmend hohe Zahl an Fahrradunfällen ein Schwerpunktthema für das Jahr 2021 sei. "75 Radunfälle mit 66 Verletzten im Jahr 2020 sind einfach zu viel", sagte der stellvertretende Dienststellenleiter der Inspektion Kitzingen, "und was besonders bedenklich ist, ist die Tatsache, dass dabei nur wenige einen Helm trugen." Genau dagegen wolle man nun angehen – mit Aufklärung. Denn noch ist das Tragen von Helmen beim Fahrradfahren nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Ein Infobus des Polizeipräsidiums stand daher vor Ort. Er hatte neben verschiedenen Plakaten und Flyern auch eine Videoanlage, die aktuelle Verkehrssituationen und Sicherheitsaufklärungen zeigten. Weiter hatte die Verkehrswacht zusammen mit der Jugendverkehrsschule der Polizei verschiedene Parcours mit Hütchen aufgebaut, in denen Kinder und Erwachsene ihre Fähigkeiten beim Radfahren testen konnten.
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Bernhard Bätz, Vorsitzender der Verkehrswacht Kitzingen, erläuterte das neue Verkehrssicherheitskonzept des Innenministeriums, das im Monat Mai die Zweiradfahrer im Blick hat: "Wir sprechen die Radfahrer, die keine Helm tragen, an und versuchen, ihnen die Wichtigkeit eines Helmes verständlich zu machen. Das Tagen von Helmen verhindert zwar nicht die Unfälle, aber die verletzungsbedingten Folgen können extrem gemindert werden."
Ein Helm kann schlimme Unfallfolgen verhindern
Das bestätigte auch Armin Fuchs. Er berichtete eindrucksvoll von Radunfällen mit schlimmen Kopfverletzungen, bei denen die Fahrer keinen Helm getragen hatten. "Sie sind nicht von einem Auto angefahren worden. Sie sind einfach gestürzt", ergänzte er. Eine Polizeibeamtin zeigte in Gesprächen mit Radfahrern einen Fahrradhelm von einem vorausgegangenen Unfall, der an verschiedenen Stellen sichtbare Bruchstellen hatte: "Stellen Sie sich vor, der Fahrer hätte keinen Helm getragen. Diese Bruchstellen wären jetzt an seinem Kopf", erklärt die Beamtin.
Ihre Worte kamen an. Radfahrer, die keinen Helm trugen, wirkten betroffen. Und noch etwas zeigte die Polizistin aus ihrer "Präventionskiste": einen aus Styropor gefertigten Miniaturhelm, in den sie ein rohes Ei legte. Das Ei simulierte einen Kopf. Obwohl sie den Helm aus einem Meter Höhe fallen ließ, blieb das Ei unbeschadet. Das Ei allein, aus gleicher Höhe gefallen, zersprang.
Der 70-jährige Peter L. aus Kitzingen fand die Aktion am Bleichwasen ausgezeichnet. Der passionierte Radfahrer hatte sich von den Veranstaltern aufklären lassen. Am Ende befand er: "Unverständlich, dass es noch immer so viele Radfahrer gibt, die keinen Helm benutzen."
Und wieder die immer gleichen Suggestivtricks um das Fetischobjekt Fahrradhelm anzupreisen. Warum zeigt man das Eier- oder Melonenexperiment nicht mit einem dahinter angebrachte Kartoffelsack? Weil die angepriesene Schutzwirkung dann im wörtlichen Sinne zerplatzt! Das würde aber die Realität wesentlich besser abbilden, denn einen bereits vom Körper getrennen Kopf braucht man nicht mehr zu schützen.
Die Realität der Schutzwirkung des Fahrradhelms bildet noch besser das Geschehen in den Krankenhäusern ab, wo weit mehr Helmträger mit schweren Kopfverletzungen landen als dem Anteil der Helmträger im Straßenverkehr entspricht. Und nein, das liegt nicht daran, dass die Radfahrer ohne Helm gestorben sind, auch unter den Toten sind Helmträger überrepräsentiert.
Ob das jetzt daran liegt, dass der Helm zu riskanterem Fahren verleitet, oder dass er tatsächlich das Verletzungsrisiko erhöht, weiß ich nicht. Diese Aussage geben die Zahlen nicht her. Dass er nichts nützt zeigen sie aber deutlich.