Hinter dem Gaibacher Schloss erstreckte sich einst ein schmucker barocker Garten, der mit einem Tritonenbrunnen, einer Grottenanlage, einem Orangeriegebäude und einem holländischen Lusthaus ausgestattet war. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Barockgarten aufgelöst, großflächig erweitert und in einen englischen Landschaftsgarten verwandelt. Am Mittwoch unternahmen Gästeführer aus der Region im Schloss und in dessen riesigen Garten einen kurzweiligen Spaziergang durch Zeit und Raum. Im Mittelpunkt der Fortbildung stand die Entwicklung des Schlossparks Gaibach zur Ornamented Farm und seine Einordnung in die Geschichte der Gartenkunst.

Für Gästeführerin Andrea Büttner war die Schulung eine willkommene Abwechslung, auch wenn sie als Einheimische schon vieles rund um den historischen Garten kannte.
Die Ast heimerin freute sich über neue Blickwinkel, die ihr und den anderen Seminarteilnehmern der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur Jochen Martz servierte.

Landwirtschaft ist integriert

"Wir wollen Ihre Kompetenz im Gartenbereich stärken", wandte sich der Referent an die angetretenen Gästeführer. Am Beispiel des Schlossparks Gaibach stellte er die Geschichte der heimischen Gartenkunst und die Entwicklung eines Landschaftsgartens in einen gesamteuropäischen Kontext.

Die berühmte Konstitutionssäule auf dem höchsten Punkt des Schlossparks mache diesen Garten zu etwas ganz besonderem. Der Schlosspark sei in der jetzigen Form als Sonderart eines Landschaftsgartens nicht für Jedermann erkennbar. Ornamented Farm werde er deshalb genannt, weil von vorneherein landwirtschaftliche Partien in den Garten integriert wurden.

In Gaibach machen die Flächen der Landwirtschaft den allergrößten Teil der Anlage aus. "Ein ungeübtes Auge würde sich deshalb fragen, wo ist denn hier überhaupt der Park." In Europa sei der Gaibacher Landschaftsgarten kein Einzelfall. Laut Martz gibt es zahlreiche "hochrangige Beispiele" in England oder in Deutschland mit dem berühmten Wörlitzer Park.

Romantischer Rundweg

Beim Rundgang durch den Schlosspark legte der Landschaftsarchitekt Wert darauf, seine "Schüler" auf Gestaltungsprinzipien bestimmter Epochen und Entwicklungen sowie verschiedener Gartenkünstler quer durch den Landschaftsgarten aufmerksam zu machen. Dass ein romantischer Rundweg durch den Schlosspark führt, war ihr natürlich bekannt. Dass aber beispielsweise ein breiter Gehölzgürtel zur Parkanlage gehört, war selbst Andrea Büttner neu.

Die Regenschirme konnten bei der Wandertour durch den Park geschlossen bleiben, was Landschaftsarchitektin Mechthild Engert besonders freute. "Ich habe extra trockenes Wetter bestellt", sagte die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege Kitzingen mit einem lachenden Gesicht. Zu Beginn der Schulung referierte sie unter dem Motto "Allen Beifall gewinnt, wer das Nützliche unter das Angenehme mischt" (Horaz) über die historischen Gärten als Teil des Kitzinger Gartenlandes. In enger Abstimmung mit Inge Thomaier von den Dorfschätzen sei die Idee entstanden, den Schwung der jüngsten Landesgartenschau nachhaltig zu nutzen. Die Gartenkultur im Landkreis erkläre sich aus dem Zusammenspiel naturräumlicher Gegebenheiten und aus der Kulturgeschichte dieses Landstrichs, so Engert.

Bei einer Führung durch seine Gärtnerei informierte Gärtnermeister Herbert Eichelmann über die Entwicklungen in seinem Traditionsbetrieb, der bereits zu Zeiten der Grafen von Schönborn gegründet wurde. Für Andrea Büttner stand am Ende fest, dass sie das erlernte Wissen rund um die Gartenkultur bei ihren künftigen Gästeführungen gut weiter vermitteln kann.