"Einfach mal ausprobieren", damit ist der Gnödstädter schon immer gut gefahren. Der Belastung mit Mehlstaub etwa rückte er in seiner Backstube unkonventionell mit einer ausgeklügelten Belüftungstechnik zu Leibe. Tüftler und Artenerhalter – irgendwie mussten die Kellers bei den Geberts landen. Zumal es hier die perfekte Kette von der Produktion bis zum Verkauf gab: Landwirt, Müller und Bäcker. Denn Hans Gebert betreibt neben seiner Landwirtschaft und auch eine eigene Mühle für sein Getreide.
Um genügend Saatgut für den alten Landweizen zu bekommen, bedurfte es einiger Kraftanstrengung: Los ging es mit fünf Gramm, daraus wurden nach einem Jahr 75 Gramm. Nach zwei Jahren stand ein Kilo zur Verfügung, nach drei Jahren 16 Kilo und schließlich nach vier Jahren 200 Kilo. Als genug zusammen war, um auf einem dreiviertel Hektar aussäen zu können, konnte das eigentliche Experiment im vergangenen Jahr starten.
Im Herbst wurde ein Sack „Grells Unterfränkischer Landweizen“ zusammen mit einem Sack Champagner-Roggen, ebenfalls eine alte Sorte aus Süddeutschland, nach Gnodstadt geliefert und wenig später ausgesät. Im Oktober streckten die ersten Körner ihre Wurzeln in die Gnodstädter Erde.
"Einfach mal ausprobieren!"
Hans Gebert, Bio-Bäcker, lässt alte Weizensorten wieder aufleben
Derzeit wächst der Weizen heran, der laut Fachliteratur so daher kommt: "Relativ standfest und hoch, die langen Grannen sind wie die ganze Pflanze bei Erntereife leuchtend gelb." Oder, um es mit Hans Gebert zu sagen: "Der sieht einfach herrlich aus auf dem Acker!" Vergangenes Jahr hatte er schon ein wenig von dem alten Weizen probeweise auf seinem Feld stehen - mit einer überraschenden Erkenntnis: Trotz der Trockenheit entwickelte sich der Weizen bestens - was in Zeiten von zunehmender Trockenheit und Klimawandel durchaus eine wichtige Nachricht ist.
Bis Ende Mai wird der Weizen um die 1,60 Meter hoch sein, im Juli kann dann die Ernte starten, dann wird gemahlen - danach kann auch schon das erste Grells-Brot gebacken werden. Das wird übrigens gebührend gefeiert: Zusammen mit der Volkshochschule wird "open house" eine Ausstellung zum Thema Weizen und Vorträge samt Verkostung in der Alten Synagoge in Kitzingen anbieten. Auch Hans Gebert wird dann anwesend sein und von seinen Erfahrungen im Anbau und in der Backstube berichten - und das voller Leidenschaft.
Die Ausstellung zum Projekt
Ausstellung und Vorträge zu "Einkorn, Emmer, Dinkel und Weizen - Die Weizenarten, ihre Entwicklung und ihre Bedeutung" in der Alten Synagoge von Mittwoch, 24. Juli, ab 18 Uhr, bis Sonntag, 28. Juli.
Die Ausstellung zeigt die wichtigste Nahrungspflanze der Menschen und die damit verbundene Kulturgeschichte. Weizen prägt maßgeblich das menschliche Leben - was wären wir ohne unser täglich Brot, Nudeln, Mehl und Pizza? Es wurden sogar Schlachten geschlagen um Getreidevorräte, auch in Franken: Mühlen waren kriegsentscheidende Infrastruktur.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des Weizens vom Wildgras über frühe Kultursorten wie Einkorn, Emmer, Weizen und Dinkel zur heutigen Hochertragspflanze.