Vor gut 100 Jahren herrschte in Kitzingen (wie in ganz Deutschland) ein Mangel an Gold- und Silbermünzen. Das  führte dazu, dass der Magistrat der Stadt Kitzingen in den Jahren von 1917 bis 1922  ein „Notgeld“ herstellte. Doris Badel, die Leiterin des Kitzinger Stadtarchivs, hat die Geschichte des Kitzinger Notgeldes recherchiert und eine Abhandlung verfasst, aus der zitiert wird.

Schon seit Kriegsbeginn 1914 herrschte im ganzen Land ein Mangel an Silber- und Goldmünzen im Nennwert von 50 Pfennig bis 5 Mark. Viele Menschen horteten die Münzen regelrecht, weil möglicherweise der Edelmetall-Anteil wertvoller als der Nennwert war. Die Reichskanzlei sprach damals von „gehamsterten“ 1,7 Milliarden Mark.  Zwar wurden staatliche Ersatzprägungen in Umlauf gebracht, doch uorden diese aufgrund ihres Metall- und Nickelgehaltes in immer stärkerem Maße für die Kriegswirtschaft eingezogen.

Auch die Stadt Kitzingen durfte so genanntes „Kriegsnotgeld“ herstellen, das erstmals im Jahr 1917 ausgeteilt wurde. Es handelte sich hierbei um einen Kleinmünzen-Ersatz aus leichtem, dünneren Nickelzinn. In Umlauf kamen je 50 000 silberne 5-Pfennig-Münzen, 10-Pfennig-Münzen sowie 50-Pfennig-Münzen. Sie trugen die Umschrift „Stadtgemeinde Kitzingen“. Auf der 50-Pfennig Münze war zusätzlich das bekrönte Stadtwappen Kitzingens angebracht.

Kitzinger Geldscheine

Da sich die Reichsbank weigerte, selbst Papiergeld als Ersatz auszugeben, erhielten zahlreiche Kommunen, Unternehmen und Einzelhändler das Recht, sich selbst ihr eigenes „Notgeld“ zu erschaffen. Auch die Stadt Kitzingen durfte ihre eigenen Scheine herstellen. Im Oktober 1918 gab der Stadtrat der Firma Horschig & Schubert den Auftrag zum Druck von 10 000 Mark als Papiergeld in 50-Pfennig-Scheinen, die drei Monate Gültigkeit hatten. Schon im November wurde neues Notgeld im Wert von 300 000 Mark gedruckt, geradezu inflationär.

Die Scheine wurden nämlich wie Briefmarken gesammelt. Das sieht man auch daran, dass es in einem Internet-Verkaufsportal heute noch Exemplare des 100 Jahre alten Kitzinger Notgeldes zu kaufen gibt. Der Druck des Stadtgeldes von 300 000 Mark wurde aufgeteilt im Umfang von 50 000 Mark 5-Mark-Scheine, für 100 000 Mark 10-Mark-Scheine und für 150 000 Mark 20 Mark-Scheine. Gestaltet wurden die Scheine von bekannten Fränkischen Künstlern wie Heinz Schiestl, Michael Heim und Richard Rother.