Nachdem die Corona-Pandemie der Albertshöfer Kerm im vergangenen Jahr komplett den Garaus gemacht hatte, sind die Kirchweihburschen froh, heuer zumindest eine Freiluft-Kerm durchziehen können. "Wir organisieren alle Veranstaltungen im Freien, die Kern unseres Brauchtums sind", sagt Oberbursch Patrick Uhl. Ein erster Höhepunkt war der Kirchweihumzug am Sonntag, bei dem die lausigen Temperaturen den Teilnehmern die Freude nicht vermiesen konnte.

Angeführt von Vorreiter Martin Kraft, schlängelte sich der Umzug mit vielen Festwagen und Fußgruppen durch den Ort, die traditionell seit jeher mit Gemüse und Kohlköpfen garniert sind. Eine Besonderheit bildete der Pressewagen, auf dem einige junge Frauen die Kerwazeitung thematisierten, die es schon seit über 70 Jahren im Gärtnerdorf gibt.

Freilich sehen Redaktionen anders aus als die altmodischen Schreibmaschinen auf dem Wagen und auch andere Arbeitsmaterialien rochen eher nach anno dazumal. Weinprinzessin Emmi Wendemuth grüßte hoch von ihrem Gemüsewagen und mehrere Mädchen gaben mit Kohl- und Baumblättern verzierten Schirmen ein schönes Bild ab.

Drittgrößter Sportverein im Landkreis

Nicht zu beneiden waren die Geometer, die mit ihrem Agria-Rafting auf den Hund gekommen waren. "In unserem Sportverein rostest du nicht ein", prangte es in großen Lettern am Wagen der Sportverein-Jungs. Denn mit über 1000 weiblichen und männlichen Mitgliedern ist der TSV Albertshofen der drittgrößte Sportverein im Landkreis und bietet ein sehr breit gefächertes Programm an Sport und Bewegung an.

Die Kerm stellte die Burschenschaft unter das Motto "Wir leben Tradition". Der Vorsitzende des Brauchtumsvereins, Philipp Wenkheimer, äußerte seine Freude darüber, dass sämtliche Freiluftveranstaltungen – die schließlich im Wesentlichen die Höpper-Kerm ausmachen – heuer wieder stattfinden können nach dem Totalausfall im vergangenen Jahr.

Als Kirchweihprediger erzählte Wenkheimer, dass es mehr Wahlkrampf als Wahlkampf vor der letzten Kommunalwahl gewesen sei. Er verriet, dass ein Gärtner Bohnen beim Großmarkt abladen wollte, doch vor lauter Smartphone mit vollem Hänger wieder heimgefahren sei.

Zwei andere Dorfbewohner hätten um zwei Kisten Bier gewettet, wie breit denn der Main sei. Mit Schnorchel und Flossen hätten sie sich in die Fluten gestürzt und mit einer Leine den Fluss abmessen wollen – doch leider war die Leine zu kurz und Richtung Mainstockheimer Ufer hätten sie dumm aus der Wäsche geschaut. Wer die Wette gewonnen hatte, das konnte der Prediger nicht erkunden, "doch eins ist gewiss, der Mee ghört uns". Etwas blöd sei derweil ein Kerwabursch dagestanden, der im Kaufland einkaufen wollte, doch vor lauter Tratsch mit einem Kumpel mit leeren Einkaufstaschen heimgekommen sei.

Mehr Schneid als die Etwashäuser

In der Kerwazeitung nahmen die Albertshöfer für sich in Anspruch, mehr Schneid als die Kollegen in Etwashausen zu haben. Den Nachbarn in Kitzingen schenkten die Verfasser der Kerwazeitung ordentlichen einen ein, denn weil Kitzingen nicht wirklich tätig geworden sei, sehen die Burschen den Radweg ab der Kitzinger Gemarkung als "ganz schlechten Witz".