Wer eine Straftat begangen hat, landet nicht zwangsläufig hinter Gittern. Immer häufiger dürfen Straftäter gemeinnützig arbeiten. 810 Menschen aus den Landgerichtsbezirken Würzburg und Schweinfurt taten dies im vergangenen Jahr nach Vermittlung durch die Würzburger Aktionsgemeinschaft Sozialisation (AGS).
Verkehrssünder, Diebe, Stalker oder jugendliche Vandalen kommen zu Jutta Arens, Leiterin der vor elf Jahren eingerichteten Vermittlungsstelle, um zu "schwitzen" statt zu "sitzen". "Mit Abstand die meisten Klienten haben Eigentumsdelikte begangen", erläutert die Vermittlerin. Zu 80 Prozent sind es männliche Jugendliche und Männer, zu 20 Prozent Frauen, für die ein gemeinnütziger Job gesucht wird.
Einige der Verurteilten, die eine Geldstrafe nicht einmal ratenweise abbezahlen können oder aufgrund einer Bewährungsauflage gemeinnützig arbeiten müssen, sind schon im Seniorenalter.
Arens: "Unsere ältesten Klienten zählen inzwischen über 80 Jahre." Der demographische Wandel findet also auch bei dieser Stelle seinen Widerhall.
Laub harken, den Schulhof reinigen oder im Altersheim aushelfen: Das sind typische Jobs für die Klienten. Wer ein Gesundheitszeugnis hat, darf auch in der Küche eines Seniorenheims oder einer Klinik mithelfen. Hoch willkommen sind aktuell arbeitslose Altenpfleger, so Arens: "Die haben beste Chancen, danach fest übernommen zu werden." Was jemand genau tut, das wird gemeinsam entschieden: "Wir zwingen niemanden zu einer bestimmten Tätigkeit." Vorschläge seien stets willkommen.
Wer gerne im Stall und mit Tieren arbeitet, kann sich zum Beispiel wünschen, auf einem Gnadenhof eingesetzt zu werden. Menschen mit Interesse für Maschinen suchen sich oft den gemeindlichen Bauhof aus. Auch Pfarreien vor Ort bieten mitunter "Schwitzen statt Sitzen" an.
Natürlich gibt es auch die, die auf Dauer weder Lust haben, Müll aufzuklauben, noch im Tafelladen Bedürftigen Essen auszugeben. "Viele halten nicht durch", bedauert die Sozialpädagogin. Nur knapp über die Hälfte aller Verfahren werden wie geplant abgeschlossen. In 13 Prozent der Fälle liegt dies daran, dass die Klienten nach einer Weile doch im Stande sind, den geforderten Tagessatz zu zahlen. Doch mindestens jeder Dritte taucht irgendwann einfach nicht mehr bei der Einsatzstelle auf. Arens: "Dann schreiben wir sie an." Im besten Fall erscheinen sie irgendwann im AGS-Büro: "Mit irgendeiner Geschichte." Nicht selten vereitelt der Alkohol die Arbeitspläne.
Viele Klienten waren schon einmal im Gefängnis. Ein Großteil der Jugendlichen, die zu "Schwitzen statt Sitzen" kommen, saß schon einmal. Dass der Jugendrichter ihnen, nachdem sie neuerlich auf krummen Pfaden erwischt wurden, die Chance gab, gemeinnützig arbeiten zu gehen, nehmen sie zunächst mit großer Erleichterung auf.
Einen Job zu machen, erscheint ihnen spontan besser als einzusitzen. "Doch wenn dann die Arbeit beginnt, sind die Widerstände oft groß", erläutert Thomas Volpert, Geschäftsführer der AGS.
Nicht wenige dieser Jugendlichen stammen aus gestörten Familienverhältnissen. Regelmäßige Arbeit kennen sie nicht. Kaum einer von ihnen hat einen Beruf gelernt. Durch den gemeinnützigen Job würde sich ihnen die Chance eröffnen, endlich den Einstieg in ein geregeltes Leben zu schaffen. Doch beim ersten Mal gelingt dies meist nicht. Allerdings, so Arens: "Viele Klienten sehen wir wieder."

AGS Die Vermittlungsstelle der Aktionsgemeinschaft Sozialisation (AGS) kooperiert mit 770 Einsatzstellen in den Regionen Würzburg und Main-Rhön. Jugendliche leisten in einer dieser Einsatzstellen meist zwischen 50 und 100 Stunden, Erwachsene zwischen 100 und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit ab. Pro Tagessatz müssen sechs Stunden abgeleistet werden.

Delikte Etwa jeder vierte Klient erhielt 2012 wegen Diebstahl, jeweils knapp jeder achte wegen Körperverletzung oder Betrug entweder eine Geldstrafe, die er nicht zahlen konnte, oder eine Bewährungsauflage. Die Vermittlungsstelle verschafft nicht nur gemeinnützige Jobs, sondern berät auch in schwierigen Lebenssituationen.