Hof: Mega-Prozess zu Diesel-Betrug beginnt - über 200 Millionen Euro Schaden
Autor: Agentur dpa, Stefan Lutter
Hof an der Saale, Freitag, 16. Januar 2026
Im Hof beginnt ein Mammutprozess: Ein kriminelles Netzwerk soll Millionen durch unversteuerten Dieselbetrug verdient haben. Kunden wurden geschädigt.
Steuerbetrug in Millionenhöhe, unversteuerter Diesel und ein komplexes Netzwerk: Der Raum Hof ist Schauplatz eines der größten Betrugsfälle, die Oberfranken je gesehen hat.
Während die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift mit über 100 Seiten präsentiert, offenbaren europaweite Ermittlungen der EPPO ein System aus Manipulation, kriminellen Strukturen und internationaler Zusammenarbeit. Kunden und Steuerzahler sind die Leidtragenden in diesem Fall, der die Region nachhaltig erschüttert.
Prozessauftakt in Hof: Illegale Dieselgeschäfte in Millionenhöhe
Vor dem Landgericht Hof hat am Freitag, 16. Januar 2026, ein umfangreicher Prozess gegen einen Mineralölhändler aus dem Landkreis Hof begonnen, dem vorgeworfen wird, unversteuerten Kraftstoff in Millionenhöhe gekauft und verkauft zu haben. Die Anklageschrift umfasst über 100 Seiten und listet zahlreiche verdächtige Zahlungsvorgänge und Transaktionen auf, wie das Landgericht Hof bereits im vergangenen Dezember erklärte. Neben dem Hauptangeklagten, einem 63-jährigen Unternehmer, stehen sieben weitere Personen vor Gericht, die in verschiedenen Rollen Teil eines mutmaßlich organisierten Betrugsnetzwerks gewesen sein sollen.
Die Vorwürfe sind gravierend: Zwischen November 2023 und November 2024 soll der Angeklagte insgesamt rund 90,5 Millionen Liter unversteuerten Kraftstoff eingekauft zu haben. Er soll demnach gewusst haben, dass die Lieferanten Energiesteuer von rund 44 Millionen Euro hinterzogen haben sollen. Analysen ergaben nach der Gerichtsmitteilung vom Dezember zudem, dass es sich in den untersuchten Fällen gar nicht um Dieselkraftstoff handelte, sondern um anderes Schweröl oder Gasöl.
Besonders brisant ist, dass der Kraftstoff nicht den gesetzlichen Normen entsprach und Kunden dadurch geschädigt wurden. Die Anklage umfasst zudem 27 Betrugsfälle, die sich auf Schäden an Fahrzeugen und unrechtmäßige Verkäufe beziehen, wie das Landgericht Hof in seiner Pressemitteilung betont.
Codename "Water into Wine" - über 200 Millionen Euro Schaden
Für den Tatkomplex interessiert sich auch die Europäische Staatsanwaltschaft (deutsche Abkürzung: EUStA, European Public Prosecutor's Office, kurz EPPO). Im vergangenen August gab es eine Untersuchung bei der betroffenen Firma unter Regie der EU-Behörde mit Sitz in Luxemburg. Seitdem sitzt auch der Sohn des nun angeklagten Mineralölhändlers in U-Haft. Die Ermittlungen wurden unter dem Codenamen "Water into Wine" maßgeblich vorangetrieben. Laut EUStA umfasst der Fall ein europaweites Netzwerk, das durch Steuerbetrug massive Schäden verursachte. Im August 2025 konnten Vermögenswerte im Wert von 11 Millionen Euro beschlagnahmt werden, darunter 13 Tanklastwagen.
Die illegalen Aktivitäten des Netzwerks sollen seit 2023 einen Schaden von über 66 Millionen Euro durch nicht gezahlte Mehrwertsteuer und mehr als 137 Millionen Euro durch hinterzogene Energiesteuern verursacht haben, erklärt die EUStA. Die Ermittlungen umfassen mehrere europäische Länder, wobei Deutschland und insbesondere Bayern und Sachsen im Fokus stehen. Unterstützt wurden die Maßnahmen von Steuerfahndern aus Bayreuth und München sowie von Zollfahndungsbehörden. Die Europäische Staatsanwaltschaft verfolgt Straftaten, die zulasten des EU-Haushalts gehen.