Update vom 25.01.2023, 12 Uhr: Häftling in Hof schwer misshandelt - Strafen stehen fest

Über mehrere Wochen misshandelten Häftlinge im Hofer Gefängnis ihren Zimmergenossen auf brutale Weise. Die beiden Männer standen nun vor Gericht, im Laufe des Prozesses wurden schlimme Details des Martyriums bekannt. Der 34-Jährige wurde getreten, geschlagen, mit heißem Wasser übergossen und zu einer harten Sportroutine gezwungen, die er täglich absolvieren musste, wie die Deutsche Presse-Agentur zuvor berichtete.

Als es zwischen Ende 2021 und Anfang 2022 zu den schweren Misshandlungen kam, mussten die Hofer Häftlinge aufgrund eines Corona-Ausbruches in ihren Zellen bleiben. Die 180 Insassen durften diese nur alle paar Tage zum Duschen verlassen. Durch die Türklappe gab es lediglich dreimal am Tag Kontakt zum Wachpersonal, wenn das Essen verteilt wurde, berichtet der Bayerische Rundfunk vom letzten Verhandlungstag des Prozesses.

Dies nutzten die 24 und 30 Jahre alten Männer aus, um ihren Zellengenossen unbemerkt zu misshandeln. Unter anderem musste der Mann nackt auf der Toilette schlafen und wurde mit Lederschuhen in den Intimbereich getreten. Die Folgen dieser Tritte sind schwer: Der 34-Jährige sei nun zeugungsunfähig. "Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, der solche Tritte freiwillig über sich ergehen lässt?", sagte sein Anwalt im Gerichtssaal. Erst als die Corona-Maßnahmen im Gefängnis wieder gelockert wurden, kam das Martyrium ans Licht.

Im Prozess schoben sich die beiden Angeklagten gegenseitig die Schuld zu. Der 30-Jährige wurde am Dienstag (24. Januar 2023) am Landgericht Hof wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung sowie versuchter schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sein 24-jähriger Komplize muss wegen Beihilfe zwei Jahre in Haft. Das Justizministerium gab an, das Opfer hätte das Gefängnispersonal schon früher um Hilfe bitten können, wie der BR berichtet.

Originalmeldung vom 10.01.2023, 18.15 Uhr: Häftlinge quälen Mann wochenlang im Hofer Gefängnis

Wegen Misshandlung eines Zellengenossen im Hofer Gefängnis müssen sich zwei Häftlinge seit Dienstag (10. Januar 2023) vor dem dortigen Landgericht verantworten. Die beiden jungen Männer sollen ihren Mitgefangenen laut Anklage über einen Zeitraum von mehreren Wochen unter anderem mit Fäusten geschlagen, mit Füßen getreten und mit heißem Wasser übergossen haben.

Zu den Attacken kam es demnach im Dezember 2021 und Januar 2022, als die Inhaftierten wegen eines größeren Corona-Ausbruchs ihre Zellen nicht verlassen durften. Weder Hofgang noch ein gemeinsames Essen in der Kantine waren zu dieser Zeit möglich. Auch duschen konnten die Häftlinge nur alle drei bis vier Tage.

Misshandlung hinter Gittern: schwere Vorwürfe gegen Häftlinge

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wollten die 24 und 30 Jahre alten mutmaßlichen Täter ihren Mitgefangenen bestrafen. Unter anderem hätten sie dem 34-Jährigen Lügen, mangelnde Körperhygiene und schlechte Leistungen bei sportlichen Übungen vorgeworfen, die sie täglich in ihrer gemeinsamen Zelle durchführten.

Diese Sportroutine sei einem militärischen Drill ähnlich gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Das Landgericht Hof hat fünf Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil ist nach derzeitigem Stand Ende Januar zu rechnen.

red/dpa

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