Das ist es also, das Ende. Vergessen und verloren am Straßenrand. Keinen Menschen interessiert's. Ein Elend. Den Eindruck jedenfalls machte der dunkelblaue Mercedes A-Klasse, der bis vorgestern am Straßenrand zwischen dem Kreisverkehr zum A70-Zubringer und dem Zeiler Göller-Kreisel stand. Ohne Kennzeichen und offenbar verlassen.

Natürlich zog der Wagen Aufmerksamkeit auf sich. Vor Kurzem erst hielt eine Mutter aus Wonfurt an, die ihren Sohn und dessen Kumpel aus der Shisha-Bar in Zeil abholte. Ob da jemand mitten in der Nacht verunglückt ist? Die Drei hielten an und sahen nach. Ihre Bilanz: "Warum kann man so ein Auto denn nicht wegräumen?!", entrüstete sich die Frau. So etwas lenke ab und sorge womöglich für Gefahrenmomente im Straßenverkehr!

Eine Mutter steigt aus - und ist entrüstet

Ganz Unrecht hat sie nicht. Das Landratsamt, die Polizeiinspektion Haßfurt, die Straßenmeisterei Zeil und die Stadt Zeil - sie alle haben in der Tat schon einige Anrufe von Bürgern wegen dieses Fahrzeugs erhalten.

Das Sachgebiet Umwelt und Natur im Landratsamt, zuständig für Bodenschutz/Altlasten und (illegale) Abfallbeseitigung, wurde zum 1. Oktober zumindest weithin sichtbar tätig, indem es einen leuchtend roten runden Aufkleber anbrachte: Der "Verfügungsberechtigte" möge das Fahrzeug entfernen. Wie aus dem Sachgebiet verlautete, wird der Fahrzeughalter oder Eigentümer mit dem "roten Punkt" rechtlich bindend darauf hingewiesen, "dass sein abgemeldetes Fahrzeug auf öffentlicher Verkehrsfläche verbotswidrig abgestellt ist.

Gleichzeitig wird erläutert, dass dies eine Ordnungswidrigkeit nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz darstellt und das Fahrzeug kostenpflichtig sichergestellt und verwertet werden kann. Das Fahrzeug ist dann als Abfall einzustufen, wenn es die Voraussetzungen des Paragrafen 20,3 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes erfüllt und nicht innerhalb eines Monats nach Anbringen des ,roten Punktes‘ entfernt wird. Bei Fristablauf tritt sozusagen die ,Abfallfiktion‘ ein, das heißt, die Behörde kann das Fahrzeug auf Kosten des Pflichtigen beseitigen lassen".

Einfach entsorgt: Menschliche Hinterlassenschaft

In der Polizeiinspektion Haßfurt kennt Jürgen Baum diese eher seltenen Fälle ebenfalls aus dem polizeilichen Alltag: "Ab und zu gibt es das schon mal". Fahrzeughalter "vergessen" ein Auto, das nicht mehr kann und will, auf öffentlicher Fläche.

Meistens sind schlussendlich die Kommunen zuständig. So durfte sich im Zeiler Bauamt Stephan Kopf intensiver mit der Geschichte befassen. "Es ist verzwickt", antwortete er auf unsere Anfrage. Tatsächlich kann ein Pkw ohne Nummernschilder auf öffentlichem Grund (Gemarkung Stadt Zeil) eine Verkehrsbehinderung sein, wenn er eine Straße blockiert.

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Dann muss er wegen der Verkehrssicherheit sofort entfernt werden. Hier aber stand der Wagen nicht auf der Staatsstraße 2447, sondern nur am Rand des parallelen Flurwegs. Würde er auf einem privaten Parkplatz stehen, müsste sich der Privateigentümer damit herumärgern. So richtet sich das weitere Vorgehen entweder nach dem Abfallrecht (der Wagen ist Schrott), dann tritt der Kreis-Abfallwirtschaftsbetrieb auf den Plan. Oder, falls der Wagen fahrtüchtig war (bevor ihn Jugendliche entdeckten: ja) nach dem Bayerischen Straßen- und Wegerecht. Es handelt sich um eine "unerlaubte Sondernutzung".

In jedem Fall muss erst einmal der Halter ausfindig gemacht werden. Weder wollen Kreis und Kommune später verklagt werden, weil sie einen "wertvollen" Pkw entfernen ließen, noch wollen sie auf den Kosten für Abtransport und Entsorgung sitzen bleiben. "Man muss dem Verursacher ja auch eine Chance geben", unterstreicht Stephan Kopf. Die Polizei in Haßfurt ermittelte - und machte tatsächlich den Halter ausfindig. Es ist ein "polizeibekannter Spezialist" - ohne einen Cent in der Tasche. Die Zeiler ließen jetzt den Wagen abholen, und bleiben aller Voraussicht nach wohl auf den Kosten sitzen. Aber wenigstens ist jetzt Ruhe. Ende der Geschichte.