Den "Oberlehrer" gab der Eberner Oberstudiendirektor Klauspeter Schmidt, der fast zwei Schulstunden lang die Vorteile des Systems pries, aber auch einige Schwächen auflistete. Dass dieser "Nachhilfeunterricht" vonnöten war, zeigte schon die Frage von Emil Däschner (SPD) vor Einstieg in den Tagesordnungspunkt: "Was ist eigentlich eine gebundene Ganztagesklasse?"

Die Wissenslücke wurde schnell geschlossen. Anschaulich erklärte Klauspeter Schmidt den Unterschied zwischen offener und gebundener Ganztagesbetreuung, die vorrangig von der jeweiligen Schule selbst organisiert wird und auch zu regulären Unterrichtsstunden am Nachmittag führt. Die offene Ganztagesbetreuung indes übernähmen andere Träger, die sich um Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung kümmern.

Dass "der Landkreis in Sachen Ganztagesbetreuung gut aufgestellt ist", so Klauspeter Schmidt, zeigte eine Liste von Oberregierungsrätin Carolin Mehringer-Räth für die Grundschulen (25 Klassen mit 519 Kindern) sowie die Mittelschulen (27 Klassen mit 567 Jugendlichen).

Soziale Vorteile

Hinzu kämen nun auch weiterführende Schulen: Bereits zwei Klassen werden am Eberner Friedrich-Rückert-Gymnasium geführt, einem von zwei Gymnasien in Unterfranken, sowie seit Beginn des Schuljahres die Jakob-Curio-Schule in Hofheim als eine von vier Realschulen in Unterfranken. Die Oberregierungsrätin: "Der Landkreis Haßberge ist Vorreiter."

Neben den pädagogischen Vorzügen stellte Oberstudiendirektor Klauspeter Schmidt den sozialen Wert einer ganztägigen Betreuung an der Schule heraus. "Wir unterstützen Eltern oder Alleinerziehende, die zur Arbeit gehen müssen, und bieten den Jugendlichen den Umgang mit Gleichaltrigen an, den sie sonst in so manchem Dorf gar nicht mehr hätten, weil gar keine Altersgenossen da sind."

Durch den auf den gesamten Tag verteilten Unterricht, so Schmidt, sei die individuelle Förderung durch gezielte Lern- und Übungsphasen leichter möglich, ebenso die Erziehung zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Damit sah der Schulleiter politische Zielsetzungen erreicht: "Chancengleichheit beim schulischen Angebot auch im ländlichen Raum." Somit werde auch Problemschülern eine gymnasiale Laufbahn möglich. "Das gilt aber nicht für Chaoten."

Lohnende Aufgabe

Schmidt kennt Fälle von Einzelkindern oder Kindern allein erziehender Elternteile, die in kleinen Dörfern aufwachsen, in denen Potenziale schlummern, die über eine Ganztagesklasse zu "prima Erfolgen auf dem Gebiet der Sozialarbeit führen". Schmidts Überzeugung: "Manche davon hätten ohne die Ganztagesbetreuung keine Chance. Einige unserer Schützlingen sehen ihre Lehrer schon als Teil der eigene Familie." Dies stelle ihn und seine Kollegen vor besondere pädagogische Herausforderungen. "Aber wenn wir einen durchbringen, hat sich das schon gelohnt."

So wolle man auch für das nächste Schuljahr wieder eine Einstiegs- als Ganztagesklasse anbieten.
Derzeit besuchen 24 die fünfte und 21 Schüler die sechste Klasse. "Wir rechnen sogar mit noch mehr Anmeldungen, weil jetzt die Kinder kommen, die die Ganztagesklasse schon von der Grundschule her kennen." Allerdings werde die Ganztagesbetreuung in der siebten Jahrgangsstufe nicht fortgesetzt.

Bei aller Euphorie über "das Pionierprojekt", so Landrats-Stellvertreter Siegmund Kerker (CSU), hielt der Gymnasialdirektor mit einigen Probleme nicht hinterm Berg: die Zuweisung von acht zusätzlichen Lehrerstunden pro Ganztagesklasse reiche bei weitem nicht aus.

Außer ziehe sich der Unterricht an manchen Nachmittagen zu lange hin (bis 17 Uhr), was mit (knappen) Belegungszeiten der Sporthalle und den Abfahrtszeiten der Schulbusse zusammenhänge, die von Ebern aus in drei Richtung starten. "Manche Kinder sind von 7 bis 18 Uhr unterwegs. Das ist zu lange. Wir müssen diese langen Nachmittage kappen." Von vielen Eltern werde deswegen auch beklagt, dass die Teilnahme an Vereinsangeboten kaum noch möglich sei.

Bessere Noten

Ähnlich positiv fiel das Urteil von Direktor Herbert Holzmann von der Hofheimer Realschule aus. "Die Ganztagesklasse ist leistungsfördernd und führt auch zu besseren Noten."
Holzmann freute sich auch über die "vielen Freiheiten, die man uns lässt, um ein eigenes Profil als kleinste Realschule in Unterfranken entwickeln".
Aber auch Holzmann beklagte, dass die acht zusätzlichen Lehrerstunden in der Woche nicht ausreichen.