Mit Geschenken ist das oft so eine Sache. Mitunter kommen sie nicht an - emotional oder wegen eines Lieferproblems. Es gibt aber auch noch anders gelagerte Schwierigkeiten: Beispielsweise, wenn man ein Präsent gar nicht losbekommt. So geht's den Verantwortlichen der Volkshochschule, die den Flügel, der seit Jahrzehnten im Dachgeschoss-Saal der vor 25 Jahren erbauten Raiffeisen-Volksbank stand, der Musikschule überlassen möchten. Doch der Umzug ins Schumacherhaus, dem Domizil der Musikschule, wird zum logistischen Großeinsatz.

Denn das gute Musikstück, das mindestens acht Zentner wiegt und für so manches Konzert genutzt worden war, klingt zwar noch gut, passt aber nicht mehr durch die Treppenhäuser des Geldinstituts, das vor einem halben Jahr generalsaniert wurde. Die dabei eingebaute Sicherheitsschranke stellt nun ein unüberwindbares Hindernis dar: Ein Abtransport auf dem einfachen Weg durchs Treppenhaus ist nicht mehr möglich. Dies haben sowohl die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes wie auch ein professionelles Klavier-Transportunternehmen aus Erlangen festgestellt. Was tun?

Dr. Karin Meyer-Jungclaussen sucht für die Musikschule "händeringend", wie sie selbst sagt, nach einem Instrument für den Klavierunterricht, da die Möglichkeiten im Friedrich-Rückert-Gymnasium eingeschränkt sind. "Außerdem ist es ein Jammer, dass so ein schönes Instrument kaum mehr genutzt wird", klagte die Vollblutmusikerin nach den ersten Takten auf der Tastatur und in Erinnerung an die früheren Veranstaltungen, die zum VHS-Semesterauftakt oder mit Liederabenden im Raiba-Saal stattfanden. Auf rund 10 000 Euro schätzen Gutachter den Wert des Flügels aus Münchner Fertigung.

Der nun gefundene Transportweg kostet über 1500 Euro. Allein der Kran, der dem Flügel Flügel verleihen muss, um ihn von einer Dachterrasse hinter dem Atrium übers Dach in Richtung Klein Nürnberg zu hieven, ist gut zwei Stunden im Einsatz.

Die zugesagte Spende für den Abtransport des Instruments hat Bankdirektor Norbert Knorr kurzerhand auf 1000 Euro aufgestockt. Karin Meyer-Jungclaussen hofft noch auf Unterstützung der Stadt, Eigenmittel der Musikschule sowie Spenden, für die bei der Musikschule ein eigenes Förderkonto eingerichtet wird. "Die Aktion klappt definitiv nicht mehr in diesem Jahr, sondern erst im Januar", steht der Zeitplan für die Initiatorin bereit fest. "Dann muss der Flügel kein Schattendasein mehr fristen."