Probleme, die belasten und an die Psyche gehen, gibt es in vielen Berufen. Dann ist es hilfreich, wenn sich Betroffene an jemanden wenden und sich austauschen können, auf Verständnis stoßen, Ratschläge und Hilfsangebote zur Bewältigung ihrer Probleme erhalten. Bedienstete im Gesundheitswesen, wie zum Beispiel in Kliniken, sehen sich häufig mit belastenden Situationen und mit Menschen im Ausnahmezustand konfrontiert.

Die Haßberg-Kliniken mit ihren Häusern in Haßfurt und Ebern haben mit der examinierten Krankenschwester Katja Kaspar eine Mitarbeiterin in ihren Reihen, die als Deeskalationstrainerin für Gewaltvermeidung und Selbstverteidigung ansprechbar ist. Für ihre Arbeit ist sie an drei Tagen im Monat freigestellt. Sie betont, dass sie keine Psychologin oder Therapeutin ist und ihre Arbeit als Hilfestellung und Ergänzung gedacht ist.

"Ich bin Krankenschwester und arbeite im Haus Ebern auf der Chirurgie 1", schildert die Mutter von zwei Kindern. Sie hat im September 2018 eine einjährige Weiterbildung zur Deeskalationstrainerin für Gewaltvermeidung und Selbstverteidigung nach Absprache mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck, absolviert. "Nun kann ich Schulungen zum genannten Thema anbieten. Meine Kurse sind für Pflege-, ärztliches Personal und alle Fachbereiche in unseren Kliniken ausgelegt", sagt Katja Kaspar.

In ihrer Sonderaufgabe will die 42-Jährige vermitteln, wie Gewalt vermieden werden kann oder wie man sich bei übergriffigem Verhalten zur Wehr setzen kann. "Die Hemmschwelle für Gewalt ist in den letzten Jahren ziemlich gesunken, was leider auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Haßberg-Kliniken miterleben müssen. Um dem entgegenzuwirken, möchte ich Mitarbeitern Werkzeuge und Hilfe zur Selbsthilfe bieten", so Katja Kaspar. Sie hat die Möglichkeit, von Übergriffen oder anderen Belastungen betroffenen Mitarbeitern schnell helfen zu können, und sie freut sich, dass die Haßberg-Kliniken auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle einnehmen.

Auch von der neuen Chefin der Haßberg-Kliniken, Vera Antonia Büchner, wird Katja Kaspar bei ihrer Arbeit unterstützt. "Diese Aufgabe ist uns sehr wichtig. Viele Probleme in diesem Bereich können durch das Erlernen von Handlungsmustern schon im Vorfeld entschärft werden", sagt die Vorstandsvorsitzende.

Katja Kaspar engagiert sich auch bei der Opferhilfsorganisation Weißen Ring, was sie als wertvolle Ergänzung zu ihren dienstlichen Tätigkeiten an den Haßberg-Kliniken sieht. Der Weiße Ring ist die bundesweit einzige Organisation, die Opfer von Gewalt und Kriminalität unterstützt. Ihre sportliche Freizeitaktivität - sie gehört der Kampfsportschule Rögner in Ebern an - befähigt die Krankenschwester außerdem, in ihren Kursen auch Selbstverteidigung anzubieten, was den Teilnehmern in gewissen Situationen Handlungssicherheit bringt.

Tanja Kiesinger-Meyer ist im Haus Ebern der Haßberg-Kliniken Stationsleiterin auf der Inneren und hat die Hilfe von Tanja Kaspar gesucht. "In unserem Berufsalltag erleben wir manches, was nicht so nach außen bekannt wird", sagt die 47-Jährige, die seit vielen Jahren Krankenschwester ist und seit einigen Jahren die Stationsleitung innehat. "Als ich von der Arbeit meiner Kollegin Katja hörte, war ich am Anfang etwas skeptisch", gesteht die Stationsleiterin. Aber sie hat schnell gemerkt, dass es gut tat, mit ihr über Probleme sprechen zu können. Von ihr kämen Vorschläge, wie man mit solchen Situationen umgehen kann. "Katja beleuchtet alles in verschiedenen Richtungen, gibt Präventionsvorschläge für mögliche Übergriffe und Situationen unseres Berufsalltages, das finde ich gut und sehr wichtig", sagt Tanja Kiesinger-Meyer. "Auch das Deeskalationstraining mit dem Angebot der Selbstverteidigung finde ich gut. Ich jedenfalls bin von ihrer Arbeit überzeugt, auch weil sie alles, wie ich es erlebt habe, überzeugend rüberbringt, und ich stehe deshalb hinter ihrer Tätigkeit", unterstreicht Tanja Kiesinger-Meyer.

Katja Kaspar ruft ihre Kollegen, die Übergriffe, Gewalt oder andere belastende Ereignisse im Dienst erleben, dazu auf, sich vertrauensvoll an sie zu wenden. "Wir werden gemeinsam nach Wegen der Verbesserung suchen", sagt sie. Ihre Kurse, die sie anbietet, beinhalten ein weites Handlungsfeld, um sich bei Übergriffen zu schützen und im Umgang mit Patienten oder anderen Personen im beruflichen Alltag gewappnet zu sein oder Erlebtes besser aufarbeiten zu können. Sie bereitet in ihren Kursangeboten die Teilnehmer auch darauf vor, was im Fall von Straftaten gegen sie auf die Betroffenen, seien sie Opfer oder Zeugen, zukommen kann.