Es geht gewalttätig zu bei diesem Krimi-Dinner. Wortgewaltig. Blümerant setzt Helmut Vorndran seine Charaktere in Szene. In seinen Romanen, bei seinen Lesungen ebenso. Über die Opfer lässt sich diesmal schmunzeln. Geköpfte Leichen im Baunachgrund, wie in seinem jüngsten Roman auftauchen, gemeuchelt von russischen Söldnern, passen nicht in dieses Ambiente, in diese "Folterkammer", wo Schweißtropfen rinnen, und schon gar nicht zum leckeren Menü, das an diesem Abend in der Südtiroler Stube im Restaurant "Bei Peppo" 60 Zuhörern kredenzt wird. Autorenlesung mit Beigeschmack auf Einladung der VHS und der "Leseinsel", wo Fans aus dem Maintal, aus Coburg und Ebern "gestrandet" sind.

Ein Multitalent


Kabarettist, Romanautor, Bootsverleiher, Mühlenbewohner - Vorndran hat viele Seiten, auch Talente darunter. Und viele Kontakte. Davon leben seine Krimis.
Er saugt auf, was er sieht und was er erzählt bekommt. So die Geschichte vom bürgermeisterlichen Verschwund-Hund aus Salmsdorf. "Als Hund hat man es nicht leicht im HAS-Kreis."
Als Autofahrer sowieso nicht. Immer wieder tauchen Fehlleistungen der HAS-Fahrer in Vorndrans Büchern auf. Diesmal sogar in Skandinavien, wo ein fehlgeleiteter und rückwärts düsender Wohnmobilfahrer mit HAS-Kennzeichen eine wilde Verfolgungsjagd jäh stoppt.
Auch in seinen Lesungen mag er so gar nicht auf diesen Spott verzichten. Erst recht nicht im "Feindesland". So auch in Ebern, obgleich er stets nur vom Landkreis Haßfurt spricht. Ein Rückzieher? Mitnichten. Feigheit ist ein Wesenszug, den der gebürtige Bad Neustadter, den es über Studium und eine "Lungenkrankheit" namens "Tbc" nach Rattelsdorf verschlagen hat, so gar nicht kennt.
In der neuen Heimat brach der Drang, dem kreativen Vulkan, der in ihm brodelte, als Druckwerk zur Eruption zu bringen, durch: In der Vereinszeitschrift der SpVgg Rattelsdorf veröffentlichte er Spielberichte der Alten Herren, deren Fußballer ihm "Exil" gewährt hatten.

Fußballer kugelten sich


Die einen schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, die anderen (meist die Auswechselspieler) kugelten sich vor Lachen. Beides Gefühlsregungen, die für Kicker ungewöhnlich und Erfolgen auf dem Fußballfeld eher wenig zuträglich sind.
Das sollte sich für Auswechselspieler Vorndran ändern. Nicht auf dem grünen Rasen, sondern mit der schwarzen Kunst: Bereits sein Erstlingswerk "Alabastergrab" geriet zum Bestseller unter den Franken-Krimis. Vorndrans bissiger Humor, der so manchen seiner Mitkicker noch grämte, begeisterte die Massen fränkischer Leser, die sich an gefesselten Anglern an der Kemmerner Mainbrücke, einem Fluten des Hausener Stauwehres, Tieffliegern über Mürsbach, Poppen- und Busendorf, oder einem Wiederaufbau der Stiefenburg durch den Baron von Rotenhenne ergötzten.

Kampf mit der Hochsprache


Womit wir schon bei den Hauptakteuren seiner Romane wären. Alle "frei erfunden?", mit Lebenden oder Verstorbenen rein zufällig vergleichbar. Falsch: Es gibt sie alle, seine Hauptpersonen: Und viele Leser kennen sie auch. Das ist eines der Vorndran'schen Erfolgsrezepte. Er beobachtet Leute und Situationen feinsinnig, überspitzt sie mit der ihm eigenen süffisanten Mixtur aus Vorstellungskraft und Sarkasmus.
Das ist aber nicht bei allen fränkischen Dickköpfen notwendig. Die allein stehen für Situationskomik und Unterhaltungswert. Sei's der tollpatschige, ebenso intelligente wie unbeholfene Kommissar Lagerfeld, der Leiter der Kripo in Bamberg, der die Relativitätstheorie erklären kann, sich aber in Coburgs Innenstadt allein und zu Fuß nicht zurechtfindet, wie bei der Lesung in Ebern sehr zur Freude der Coburgerinnen deutlich wurde.
Das trifft auch für die vielen Eberner Leser zu, die dem Rentweinsdorfer Baron den Wechsel vom arroganten Bösewicht zum stillen Retter kaum zugetraut hätten. Ein Chamäleon im Colibri-Prinzip. Durchaus vorstellbar, dass der Rentweinsdorfer Bürgermeister im nächsten Roman als "Wildschütz Jennerwein" auftaucht.

Kampf gegen die Hochsprache


"War's gruselig?", fragte die Bedienung "bei Peppo". Null Grusel, lustig war's. Die Todesopfer blieben begraben in den Romanen. Ansonsten gab Vorndran den Kabarettisten, den Spaßmacher mit schwarzem Humor.
Einen Kampf indes gab es dennoch: den zwischen dem fränkischen Dialekt und der deutschen Hochsprache. Ein Kapitel, das Helmut Vorndran den Lektorinnen seines Berliner Verlages widmete. Die "Frankierten" wurden dabei schnell abgestempelt, verloren den germanistischen Befreiungskampf gegen Kommasetzung, Konjunktiv (und Dativ), was Vorndran zum fränkischen Volkshelden "hochsterilisieren" dürfte. Der Ruf nach der Verfilmung eines Tatorts-Krimis aus Franken wird immer lauter.