Sonja Bauer aus Haßfurt leidet an Adipositas - eine Operation rettet ihr Leben
Autor: Teresa Hirschberg
Haßfurt, Samstag, 07. Dezember 2019
Hätte sie keine Hilfe angenommen, wäre sie heute tot. Da sind sich Sonja Bauers Ärzte sicher. Die 48-jährige Haßfurterin leidet seit ihrer Kindheit an starkem Übergewicht. Bis eine Operation alles veränderte.
Wenn Sonja Bauer sich auf alten Klassenfotos sucht, hält sie immer Ausschau nach dem rundesten Gesicht. Meist irgendwo in der hinteren Reihe. "Fürchterlich", kommentiert sie, als sie sich schließlich entdeckt, und blättert zur nächsten Seite. Sonja mit kneifendem Hosenbund, Sonja beim Naschen vor dem Kühlschrank. Essen hatte für die 48-Jährige schon immer einen besonderen Stellenwert. Bis es sie fast umgebracht hätte.
224 Kilogramm wog Bauer zu ihrer schwersten Zeit. 96 davon sind schon runter, doch ganz am Ziel ist die Haßfurterin noch nicht. Seit ihrer Magenverkleinerung im Erlangener Universitätsklinikum geht es abwärts - aber nur auf der Waage. Bauer befreit sich von einer Last, die sie schon seit Kindheitstagen mit sich herumschleppt. "Ich bin vier Wochen zu spät auf die Welt gekommen und habe fast elf Pfund gewogen", erzählt die 48-Jährige. "Aber man bleibt ja nicht von alleine dick, das muss irgendwie gefördert werden."
Als Kinder "gemästet" worden - mit zehn Jahren an Diabetes erkrankt
Bauers Großeltern hatten zwei Weltkriege, Hunger und Not miterlebt. Ein Gefühl, vor dem sie ihre Enkelin bewahren wollten. "Meine Oma hat gesagt, Kinder müssen dick sein. Natürlich sind wir nicht von diesem Gewicht ausgegangen." Zehn Tafeln Schokolade und dazu Butterhörnchen, das stand regelmäßig auf der Einkaufsliste ihres Opas, wenn Bauer mit ihren drei Geschwistern zu Besuch kam. Sie erkrankt an Diabetes, da ist sie gerade mal zehn Jahre alt. "Wir sind als Kinder richtig gemästet worden", erinnert sich Bauer. "Ich habe mir immer gedacht: Wenn ich älter bin und das selber kontrolliere, mache ich alles anders. Pustekuchen!"
Liebeskummer, Langeweile, Einsamkeit: Auch als Bauer zuhause auszieht und für sich selbst sorgt, gelingt das Abnehmen nicht. Als ihr älterer Bruder Elmar schwer krank wird, kündigt die gelernte Altenpflegerin ihren Job, um sich um ihn zu kümmern. Unterdessen steigt ihr Gewicht immer weiter an. Traut sich Bauer für Einkäufe mal vor die Haustür, muss sie mit Beschimpfungen und verächtlichen Blicken rechnen. "Ich bin angeschaut worden, als hätte ich drei Köpfe", erzählt sie. "Also am besten daheim bleiben und Tür zu!"
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Kein selbstständiges Leben
Alleine einkaufen, putzen oder duschen wird für Bauer irgendwann unmöglich. Lange Zeit aufrecht stehen kann sie nicht mehr. Selbst um in ihr Bett zu kommen, ist sie nun auf fremde Hilfe angewiesen. "Ich saß nur noch im Bett, hinlegen konnte ich mich gar nicht", beschreibt Bauer. Bei Kleidergröße 62 kapituliert auch ihr kleiner Bruder, der bis dahin ihre Einkäufe erledigt hatte. "Er hat gesagt: Wenn du noch ein Gramm zunimmst, müssen wir dich in einen Sack stecken. Denn ich weiß nicht mehr, wo ich für dich was zum Anziehen finden soll." Bauers Hausärztin entscheidet schließlich, dass es so nicht weitergehen kann und wendet sich ans Uniklinikum Erlangen.