Mindestens zwölf Tote, Dutzende zum Teil schwer Verletzte: Was sich am Montagabend wenige Tage vor Weihnachten in Berlin ereignet hat, erschüttert die Menschen im Land (und darüber hinaus) zutiefst. Ein Lastwagen fährt mit voller Wucht in einen belebten Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, die Ermittler gehen von einem Terroranschlag aus. Viele Dinge sind noch ungeklärt.

Klar ist nur: Diese Tat löst bei vielen Menschen Angst aus, was vor allem in den sozialen Medien wie Facebook oder Twitter deutlich wird, in denen zahlreiche Nutzer ihre Trauer, Wut oder Ratlosigkeit kundtun. Gerade weil sie wissen, dass Terror so unberechenbar, so heimtückisch und so schockierend brutal sein kann. Berlin als Hauptstadt ist in den Augen von potenziellen Attentätern vermutlich ein Prestigeobjekt. Aber ist man deswegen im ländlichen Raum vor derlei Attacken sicher? Nein, sagt Norbert Mohr, Leiter der Polizeiinspektion Haßfurt.


Vorbereitet auf viele Situationen

"Im Prinzip sind wir überall abstrakt gefährdet." Abstrakt ist das entscheidende Wort, denn es bedeutet, dass theoretisch Vieles denkbar ist, aber nichts davon auch tatsächlich eintreffen muss. Falls aber doch... Ein ungutes Gefühl freilich bleibt, es ist aber auch kein Grund, sich nicht mehr auf die Straße zu trauen, wie Mohr erklärt: Die Polizei und andere staatliche Einrichtungen hätten sich nicht erst seit Berlin mit der allgemeinen Terrorgefahr auseinandergesetzt; seit Jahren "haben wir uns konzeptionell auf verschiedene Situationen eingestellt", erklärt er.

Nach dem Anschlag im französischen Nizza etwa, wo im Juli dieses Jahres nach dem gleichen Muster wie in Berlin ein Lastwagen fast 90 Menschen in den Tod riss, hatten die Sicherheitsbehörden verstärkt das Augenmerk auf diese Art des Terror gerichtet. Die Haßfurter Polizei etwa erarbeitete gemeinsam mit der Stadt Zeil ein Sicherheitskonzept zum Zeiler Weinfest im August. Hier wurden unter anderem Feuerwehrfahrzeuge als Rammschutz eingesetzt, sie versperrten an mehreren Stellen die Zugangsbereiche zum Festbereich in der Innenstadt.

Wie Mohr vermutet, werden solche vorsorglichen Sicherheitsmaßnahmen "wohl eher Standard werden als die Ausnahme. Bei jeder größeren Veranstaltung wird man das mit berücksichtigen müssen." So geht der Polizeichef auch davon aus, dass etwa bei den kommenden Faschingsumzügen in Sand und Zeil vergleichbare Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Nicht weil es konkrete Anhaltspunkte für einen Anschlag gebe, sondern weil man damit sowohl das Sicherheitsgefühl als auch die tatsächliche Sicherheit der Besucher erhöhen könne.


Stadelmann: Keine Absagen

Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann verfolgt die Nachrichten aus Berlin intensiv, unvermeidlich sei es da, dass man auch in Hinblick auf die eigenen Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt (bereits vorbei) oder den in wenigen Wochen stattfindenden Faschingsumzug ins Grübeln gerät. "Du hast bei jeder Veranstaltung diese Problematik, wie man Sicherheit schaffen kann, sobald sich mehrere Leute auf einer Fläche befinden", sagt er. Man erkenne unweigerlich, dass man keine "100 Prozent Sicherheit" haben, aber man sich durch gute Konzepte klar besser schützen könne. Größere Veranstaltungen aus Angst vor möglichen Vorfällen abzusagen, hält er für nicht sinnvoll. "Dann könnte man das öffentliche Leben einstellen."

Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei beschreibt er als sehr sinnvoll, er habe bereits beim vergangenen Weinfest festgestellt, dass Besucher das Sicherheitskonzept als positiv bewerteten und auch unterstützten. Denn nur weil man im ländlichen geprägten Raum lebe, "heißt das nicht, dass hier nichts passieren kann", erklärt er und verweist auf den Bombenanschlag von Ansbach und die Axt-Attacke in einem Regionalzug bei Würzburg, bei denen jeweils die Attentäter ums Leben kamen und mehrere Menschen teils schwer verletzt wurden.
Nach Auskunft des Polizeipräsidiums Unterfranken in Würzburg wird seit vielen Monaten die Sicherheitslage fortlaufend analysiert. "Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge liegen derzeit nicht vor", erklärt Polizeihauptkommissar und Pressesprecher Michael Zimmer in einer Mitteilung. "Wir haben allerdings auch größtes Verständnis dafür, dass die Menschen sich Sorgen machen und können dies sehr gut nachvollziehen." In Bezug auf Weihnachtsmärkte und ähnliche Veranstaltungen in der Region heißt es: "Wir als unterfränkische Polizei können Ihnen versichern, dass wir gut und professionell auch für derartige Einsatzlagen aufgestellt sind."


Polizei bittet um Wachsamkeit

Konkret werde die Polizei an Orten und bei Veranstaltungen mit großen Menschenansammlungen die Überwachungs- und Streifentätigkeit - sowohl uniformiert als auch zivil - "lageorientiert anpassen". Besonders wichtig sei, "dass die Bürgerinnen und Bürger keine Scheu haben, sich jederzeit und sofort über Notruf 110 an uns zu wenden. Dabei sind uns Mitteilungen, zum Beispiel über verdächtige Personen oder Fahrzeuge sowie verdächtige Gegenstände, besonders wichtig." Bei einer Beeinträchtigung der Sicherheit "werden wir unverzüglich" die Öffentlichkeit "fortlaufend" informieren, "auch über soziale Netzwerke wie zum Beispiel unseren Twitter-Account".