Groß war der Aufschrei bei Badefreunden im Juni, als eine Bretterwand den Zutritt zum großen Badesteg des "Gossi-Sees" verbarrikadierte. "Zur Vermeidung von Haftungs- und strafrechtlichen Konsequenzen" sei man dazu gezwungen, ließ Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) wissen.

Doch viele Badegäste wollten sich mit dem Badeverbot am Goßmannsdorfer See nicht abfinden. Sie haben ihrerseits Zettel an der Wand befestigt, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Die Bretterwand mutierte zur "Klagemauer". "Freiheit für unseren Gossi-See", forderte Thomas Beyer. "Gegen den Regulierungswahn! Für mehr Selbstbestimmung! Sagt Nein zum Badeverbot!", forderte ein anderer Badegast. "Was müssen die Menschen in diesem Staat noch alles hinnehmen?", schrieb ein anderer. "Seit 30 Jahren gehe ich mit meinen Kindern und Enkeln zum Baden an diesen wundervollen See... und werde es weiterhin tun", zeigte sich ein anderer Badegast trotzig. "Wie soll das nur weitergehen? Heute der See und morgen? Stoppt den Wahnsinn! Lasst uns den See!", forderte ein anderer Badegast.

Auch Michaela Schnepel ist über das Badeverbot verärgert. Seit 30 Jahren badet sie im Goßmannsdorfer See. Ihrem Ärger hat sie in einem Leserbrief Luft gemacht. "Wieder einmal hat der Bürokratenhengst sich vergaloppiert und ein Urteil vom Bundesgerichtshof von 2017 aus der Schublade gezogen, welches entstand, als jemand in irgendeinem Gewässer in Deutschland einen schwerwiegenden Unfall mit bleibendem Schaden hatte und die zuständige Gemeinde herangezogen wurde zu zahlen (...) Pack die Badehose ein und ab zum ,Gossi-See'. So soll es bleiben", schrieb sie.

Schnell gründete sich ein "Freundeskreis Goßmannsdorfer See", der inzwischen fast 1000 Unterschriften für den Erhalt der Bademöglichkeit gesammelt hat - mit Erfolg. Denn die Stadt Hofheim hat nun beschlossen, Maßnahmen umzusetzen, um den Badebetrieb weiterhin zu ermöglichen.

Der "Gossi-See" ist kein Natursee, sondern ein Löschweiher, der in den 1960er Jahren gebaut wurde. Die Krux dabei ist, dass Löschteiche steile Ufer haben. Ihnen fehlen die natürlichen Flachwasserbereiche, in denen sich auch Nichtschwimmer aufhalten können. Daher gibt der Gesetzgeber vor, dass Löschteiche mit einem 1,25 Meter hohen und schwer zu überwindenden Zaun umgeben sein müssen.

So einen Zaun will die Stadt Hofheim nun da errichten, wo das Ufer steil abfällt. Nur ein Teil des östlichen Ufers soll nicht eingezäunt werden. Dort will Borst nach Ablassen des Wassers voraussichtlich im September dieses Jahres mit Wasserbausteinen und Kies auf zehn Meter Breite eine Nichtschwimmerzone schaffen, wahrscheinlich dort, wo der von Osten herkommende Längenbach in den See eintritt.

Rund 20 000 Euro plant der Rathauschef für die Maßnahme ein, die das Baden im kommenden Jahr wieder ermöglichen soll. Borst ist sich bewusst, dass er auch dann noch - bei einem Badeunfall - Schwierigkeiten bekommen kann. Doch dies könne er dann guten Gewissens vor Gericht verantworten. "Denn niemand kann mir oder der Stadt dann vorwerfen, dass wir nichts getan haben", so Borst. Vielleicht spiele Hofheim sogar eine Vorreiterrolle in dieser mittlerweile bundesweit diskutierten Thematik und könne ein Beispiel sein, wie Kommunen mit ihrer Verantwortung für derartige Gewässer umgehen können, denkt er.

Die Badefreunde sind vom Konzept überzeugt und freuen sich jetzt schon auf eine ungestörte Badesaison 2021.