Es hatte starke Ähnlichkeit mit einem "Geisterspiel" - obwohl die Zuschauer bei der Eishockey-Landesliga-Partie des EHC Straubing gegen die Haßfurter "Hawks" nicht ausgeschlossen waren. Neben den Betreuern und den Helfern beider Mannschaften verloren sich am späten Sonntagabend gerade einmal sechs (!) zahlende Zuschauer im großen DEL-Eisstadion der Gäubodenstadt - allesamt aus dem Haßbergkreis. Und die ESC-Anhänger freuten sich verständlicherweise umso mehr, dass sich die weite Fahrt nach Niederbayern gelohnt hat.


Die sechs ESC-Fans feiern

Immerhin sahen die treuen Schlachtenbummler in einem erneut typischen Abstiegsspiel mit viel Kampf und vielen Strafzeiten eine Haßfurter Mannschaft, die mit 4:3 gewann und damit im dritten Auswärtsspiel zum dritten Mal die Oberhand behielt.
Dementsprechend groß war auch die Freude sowie der Stolz bei ESC-Trainer Martin Reichert, der deswegen sogar der langen Heimfahrt positive Aspekte abgewinnen konnte. "Die Nacht ist zwar genauso kurz, auch wenn man gewonnen hat. Aber dann erträgt man sie leichter", lachte er angesichts der Rückkehr in der Kreisstadt weit nach Mitternacht.
Die "Hawks", bei denen der am Tag zuvor beim Sieg in Nürnberg vorzeitig vom Eis geschickte Abwehrspieler Frederic Rambacher fehlte, legten in Straubing los wie die Feuerwehr. Neuzugang Petr Krepelka (3.) sowie Max Hildenbrand (4.) sorgten schnell für eine 2:0-Führung des Spitzenreiters der Abstiegsrundengruppe C. Schlusslicht EHC Straubing, das ja nur knapp an der Zwischenrunde-Teilnahme gescheitert war und nach zuvor drei Niederlagen am Tabellenende lag, ließ sich davon allerdings nur kurz beeindrucken. Bis zum Ende des ersten Abschnittes hatten die Gastgeber den Rückstand durch Überzahltreffer von Patrick Schemp und Fabian Hillmeier wettgemacht (11./12.).
Die beiden Torhüter, "Hexer" Martin Hildenbrand bei Haßfurt und sein Gegenüber Andreas Körber im Straubinger Gehäuse, ließen danach lange nichts mehr zu. Erst im Schlussabschnitt, als sie eine einminütige doppelte Unterzahlsituation schadlos überstanden hatten, übernahmen die Gäste mehr und mehr das Kommando. "Wir haben zuvor so viele Strafzeiten überlebt und waren deshalb eigentlich moralisch vorn. Dann musst du es einfach holen. Das haben die Jungs dann gemacht", lobte Reichert seine erneut kämpferisch überzeugende Mannschaft, die nochmals ihre letzten Reserven nach der kräftezehrenden Partie tags zuvor mobilisierte.
Mit Erfolg: Es gelang ihr der zweite Doppelschlag im Spiel. Binnen 24 Sekunden zogen die "Hawks" dank Jan Slivka und Georg Lang (47./48.) auf 4:2 davon. Die Weichen waren damit endgültig auf Sieg gestellt. Zwar gelang Straubings Sebastian Gaul 14 Sekunden vor der Schlusssirene, wieder einmal in Überzahl, der 3:4-Anschluss. Doch dieser kam letztlich zu spät, um den verdienten Haßfurter Drei-Punkte-Sieg noch in Gefahr zu bringen.


Anstrengung hat sich gelohnt

Martin Reichert räumte ein, dass die beiden Partien in Nürnberg und vor allem dann in Straubing "viel Kraft gekostet" haben. Der Aufwand habe sich nach einer Ausbeute von fünf weiteren Zählern für das Guthabenkonto letztlich aber gelohnt. Und die Ausgangslage hat sich für die immer noch ungeschlagenen "Hawks" nach diesem tollen Wochenende weiter verbessert. Fünf Punkte beträgt nunmehr der Vorsprung vor dem nächsten Heimgegner ESC Vilshofen, der jedoch zwei Partien weniger absolviert hat. Beim direkten Aufeinandertreffen am kommenden Sonntag könnten Topscorer David Franek und Co. jedenfalls einen weiteren großen Schritt zum direkten Klassenerhalt machen.
ESC Haßfurt: Martin Hildenbrand, Köhler - Max Hildenbrand, Marco Hildenbrand, Marx, Breyer, Vollert - Thebus, Krapf, Kinereisch, Potocky, Slivka, Lang, Krepelka, Franek, Dietrich / SR: Kaderabek/Dürnhöfer / Zuschauer: 6 (alle aus Haßfurt)
Tore für Haßfurt: 0:1 (3.) Krepelka (Marco Hildenbrand, Breyer), 0:2 (4.) Max Hildenbrand (Franek), 2:3 (47.) Slivka (Marx, Max Hildenbrand), 2:4 (48.) Lang (Krepelka, Marco Hildenbrand) / Strafzeiten: Straubing 19 plus Spieldauerstrafe gegen Holland / Haßfurt 24 plus Disziplinarstrafe gegen Petr Krepelka