Die Drei ist vielleicht die Zahl der Saison beim TV Ebern. Nur noch drei Spieler, die Ende Mai 2016 mit dem TVE als Tabellenfünfter die Saison in der Fußball-Bezirksliga Oberfranken West abgeschlossen hatten, standen auch beim Saisonfinale 2017 auf dem Feld: Torwart Jens Kapell, Simon Fischer und Julius Zettelmeier. Drei Siege haben die Eberner nach einem enormen personellen Aderlass während der Runde 2016/17 nur gefeiert - zusammen mit vier Unentschieden, also 13 Punkten, viel zu wenig, um die Klasse zu halten. Selbst wenn es doppelt so viele gewesen wären, hätte es noch nicht einmal zur Relegation gereicht. Und so muss der TVE nach zwölf Jahren Fußball auf Bezirksebene nach seiner Meisterschaft 2005 in der Kreisliga Coburg nun versuchen, dort wieder Fuß zu fassen.

"Eine Kombination aus mehreren Faktoren" hat nach Meinung von von Spielertrainer Johannes Fischer den Absturz ausgelöst, der nach Platz 5 in der Vorsaison nicht vorauszusehen war. "Es war schon in der Vorbereitung so, dass es einige Spieler haben schleifen lassen, auch Leistungsträger", erinnert er sich. Besonders aber traf die Ebener eine schier unglaubliche Serie von Ausfällen, beginnend mit der ersten Partie der Runde, als sich mit Manuel Aumüller eine Stütze der Abwehr verletzte. Dazu kam, dass Akteure wie Jonas Ludewig (berufliche Gründe) und Josef Weiß, der sich ganz auf Handball konzentrierte, nicht mehr zur Verfügung standen. In der Winterpause verließ dann auch noch Jonas Heidenreich, ein wichtiger Mann im Mannschaftsgefüge, der zuvor über ein halbes Jahr ebenfalls verletzt gefehlt hatte, den Verein in Richtung DJK Bamberg II.

"Wir hatten darauf gesetzt, dass wir nach dem Winter, wie in fast jedem Jahr, einen guten Start hinlegen und aufholen würden", sagt der scheidende Spielleiter Michael Schnitzer. Statt dessen setzte es gleich in der ersten Begegnung des neuen Kalenderjahres einen weiteren Tiefschlag, als die Eberner gegen den SV Merkendorf nach einer 3:0-Führung noch eine 3:4-Heimniederlage kassierten. Es folgten eine handvoll ordentlicher Leistungen, auch ein überraschendes 1:0 zu Hause gegen den späteren Tabellendritten TSV Ebensfeld oder eine gute erste Halbzeit beim Meister TSV Sonnefeld. Doch in Sonnefeld verloren die Eberner noch mit 1:6 und offenbarten eine Schwäche, die sie immer wieder heimsuchte: Wenn die Mannschaft ein Gegentor kassierte, folgte meist ein Einbruch, statt sich gegen die drohende Niederlage aufzubäumen. "Wir haben es auch so gut wie nie geschafft, ein dreckiges 1:0 über die Zeit zu bringen", sagt Schnitzer. "Meistens, wenn wir einmal in Führung gegangen sind, haben wir postwendend den Ausgleich kassiert." Für die jungen Spieler, die in dieser Situation das Eisen für die Eberner aus dem Feuer hätten holen sollen, sei die Situation zu schwierig gewesen, erklärt Schnitzer, "sie haben zweifelsohne Talent, aber wir müssen sie erst noch heranführen".


Zwölf Jahre auf Bezirksebene

So richtig Hoffnung, sich doch noch in die Relegation zu kämpfen, schöpften die Eberner auf diese Weise nach dem Jahreswechsel nicht mehr, und nach einem 0:4 in Schammelsdorf am viertletzten Saisonspieltag stand der Abstieg fest. "Wir haben jetzt zwölf Jahre lang auf Bezirksebene gespielt, ohne dass wir Geld bezahlt hätten. Das ist einmalig, und wir gehen mit erhobenem Haupt", versichert der Spielleiter. "Das ist kein Beinbruch, es ist nur Fußball."

Auch wenn die Eberner zahlreiche Akteure verlieren, ist der Umbruch in der "Ersten" nach dieser Runde nicht so krass wie nach der vorangegangenen, denn "ich habe bewusst nach der Winterpause fast nur noch Spieler eingesetzt, von denen ich wusste, dass ich auch weiter auf sie bauen kann", erklärt Johannes Fischer. Dass Manuel Aumüller "entgegen seiner Zusage" zum VfL Mürsbach wechselt, ärgert den Trainer ebenso wie seinen Spielleiter. Zum VfL geht zudem Mario Ress. Auch Alexander Holzwarth und Pascal Nembach (zum FC Rentweinsdorf), Jonas Ludewig, Josef Weiß, Nils Hohmann, Florian Koch, Dennis Derra, Philipp Ebert, Fabian Fuchs, Christian Griebel (zu den Spfr. Unterpreppach), Lorenz Mitterer und Sven Kapell (zum TSV Burgpreppach) sowie Simon Leistner (zur DJK Bamberg II) verlassen den TV Ebern. Vom "aktiven Abgrasen mancher Nachbarvereine" spricht Schnitzer in diesem Zusammenhang, "das macht mich traurig, und dafür habe ich auch null Verständnis".

Für seinen Nachfolger in der Spielleitung, Marco Pitterle, und Trainer Johannes Fischer stellt sich nun die Aufgabe, die Mannschaft in der Kreisliga wieder zu stabilisieren. Ob dazu auch Kapitän Christian Ammon beitragen kann, der sein Referendariat aufnimmt und bei dem noch nicht klar ist, wohin ihn dies führen wird, ist offen.
"Es wird bestimmt kein leichtes Jahr", weiß Schnitzer. Oberstes Ziel sei es, wieder Spaß am Fußball zu finden. Zur Mannschaft sollen hauptsächlich Spieler aus der eigenen A-Jugend stoßen, auch wenn der TVE "mit ein, zwei Spielern" von anderen Vereinen ebenfalls Gespräche führt. Trainingsauftakt ist am 25. Juni. Die Zweite Mannschaft wird in der Kreisklasse Itzgrund künftig mit dem ASC Eyrichshof in einer Spielgemeinschaft antreten.


Mittelfristig wieder nach oben

Vom sofortigen Wiederaufstieg reden die Eberner nicht, "wir wollen uns in der Kreisliga etablieren, wieder ein paar Erfolgserlebnisse feiern und eine stabile Saison spielen", sagt Johannes Fischer. "Vielleicht können wir uns in zwei bis vier Jahren wieder nach oben orientieren."