Warum nochmals alles geben? Der Titelgewinn stand schon vorher fest, der Gegner hatte einen guten Tag erwischt, einen 0:2-Rückstand ausgeglichen und führte im Tiebreak mit 5:2. Die Meisterehrung war nur noch ein paar Minuten entfernt, und auch ein 2:3 hätte das Gesamtbild einer glänzenden Saison kaum getrübt. Warum also noch einmal alles geben? "Weil die Mannschaft immer gewinnen will", sagt Manager Rolf Werner. Und so rissen die Oshino Volleys des VC Eschenbacher Eltmann die Partie noch aus dem Feuer. Sie unterstrichen mit einem 15:13-Sieg im Tiebreak beim GSVE Delitzsch ein letztes Mal vor der Sommerpause, wer die Nummer 1 in der 2. Volleyball-Liga Süd ist.

20 ihrer 24 Saisonspiele haben die Eltmanner für sich entschieden und damit 58 Punkte geholt, sieben mehr als der schärfste Verfolger, der fränkische Rivale SV Schwaig. "Wir waren im Vorfeld einer von zwei Favoriten zusammen mit dem SV Fellbach. Die Fellbacher hatten in der Vorrunde unglaubliches Verletzungspech, deswegen waren bald wir die einzigen Gejagten", erklärt Werner. "Das hat es noch schwerer gemacht, aber die Mannschaft hat eine überragende Saison gespielt." Die Zweitliga-Meisterschaft sei zweifellos der größte Erfolg des 2010 gegründeten Vereins, und sie ist eine Premiere für den Eltmanner Volleyball. Denn der Vorgängerverein SG Eltmann hat den Erstliga-Aufstieg nicht als Meister geschafft, sondern über die Relegation.


Ausgeglichener Kader als Trumpf

"In der 2. Liga arbeiten alle Mannschaften gut, und ich denke nicht, dass wir so viel besser arbeiten als andere", sagt der Manager. "Unser Vorteil war der homogene und ausgeglichen besetzte große Kader." Zudem sei der VCE von größeren Verletzungen weitgehend verschont geblieben. Rudi Dedic fiel wegen einer schweren Schulterverletzung schon vor Saisonbeginn aus dem Aufgebot, darüber hinaus fehlte nur Mittelblocker Nicola Poluga längerfristig, "aber das hat Christian Nowak mit seiner großen Routine ausgeglichen", sagt Werner. Und kleinere Wehwehchen habe das Team aufgrund seiner breiten Besetzung wegstecken können, "das konnten andere Mannschaften wie eben Fellbach oder auch Hammelburg nicht".

So geschlossen die Oshino Volleys hinsichtlich ihrer Leistung auf dem Feld auftraten, so geschlossen hatten sie auch vor der Saison ihr Ziel formuliert. "Wir haben erstmalig in einem Workshop alle zusammen, auch mit unseren Sponsoren, unser Saisonziel erarbeitet, das hieß Meisterschaft." Und daran habe das gesamte Team und das Umfeld zu jeder Zeit festgehalten. "Es hat ein, zwei Phasen gegeben, als ich der Meinung war, ich sollte das noch einmal vorsichtig in Erinnerung rufen", räumt Werner ein. Aber das will er nur als kleinen Fingerzeig verstanden wissen und verweist auf die enorm hohe Eigenmotivation der Spieler.


Das 0:3 in Schwaig hat wehgetan

Von Rückschlägen blieben die Eltmanner dennoch nicht verschont, so die 0:3-Pleite zum Auftakt nach der Weihnachtspause in Schwaig. "Das hat schon wehgetan, war andererseits jedoch vielleicht auch ganz gut, um nachzudenken, ob wir noch in der Spur sind", erklärt der Manager. "Aber das hat die Mannschaft ja sofort korrigiert." Allgemein sei die Rückrunde schwerer gewesen als die erste Saisonhälfte: "Da wurden wir noch mehr gejagt, alle Mannschaften hatten schon einmal gegen uns gespielt und haben vielleicht ein paar Sachen erkannt, wie sie uns packen könnten. Deswegen war unsere Dominanz auch nicht mehr ganz so groß." Was aber die Partie beim Tabellenzweiten betrifft, "da hat Schwaig wirklich überragend gespielt, und es wäre auch in Normalform schwer gewesen, das Spiel knapper zu gestalten".

Dafür, dass die Mannschaft so konstant ein Top-Niveau gehalten hat, zeichnete Milan Maric verantwortlich. Dem Trainer-Routinier, seit Saisonbeginn wieder in Eltmann tätig, nachdem er die damalige SGE schon in die Bundesliga geführt hatte, schreibt Werner "einen hohen Anteil" am Erfolg zu. "Er ist ja sozusagen der Dompteur der wilden Löwen, er formt eine Mannschaft und ihren Spielstil, er gibt die Philosophie vor. Er muss auch mal die Zügel locker lassen, aber auch wieder anziehen, wenn nötig." Der große und leistungsstarke Kader habe Marics Aufgabe auf der einen Seite erleichtert, andererseits habe er auch darauf achten müssen, dass bei keinem Spieler Unzufriedenheit wegen vermeintlich zu geringer Einsatzzeit entsteht. Der Manager dazu: "Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen, dass er das hervorragend gemacht hat."


Viele Helfer brachten sich ein

Doch nicht nur für Trainer und Mannschaft, auch für das Umfeld hat Werner viel Lob parat. "Nach einer Saison gehört es einfach dazu, dass wir mal Danke sagen an alle, die sich eingebracht haben, ob Sponsoren, Fanclub oder die vielen Helfer, auch aus der Zweiten Mannschaft, die beim Aufbau vor den Heimspielen nach Kräften mitgeholfen haben. Da kann man nur den Hut ziehen." Und der Manager freut sich auch darüber, dass sich die Ü41-Mannschaft für die deutsche Meisterschaft in Minden qualifiziert hat und das Ü35-Team noch die Chance besitzt, es den älteren Kollegen gleichzutun. Noch ist also die Volleyball-Saison in Eltmann nicht ganz beendet, und doch erklärte Werner, er freue sich darauf, in den kommenden Wochen ein wenig durchschnaufen zu können. Denn die Vorbereitungen auf die Zweitligarunde 2017/18 beginnen frühzeitig.


Wohl nur wenige Änderungen

Erneut soll dann Milan Maric beim VCE auf der Kommandobrücke stehen, und Werner ist zuversichtlich, dass die Mannschaft nicht sehr verändert in die neue Saison gehen wird. "Ich habe schon viele positive Signale erhalten", sagt er. Bewusst haben die Eltmanner Verantwortlichen aber bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Personalgespräche geführt. "Ich hasse es, schon während der Saison über die nächste zu verhandeln, und wir stehen da auch nicht unter Druck", macht der Manager deutlich. Dass das ehrgeizige Team versuchen wird, im kommenden Spieljahr erneut einen der ersten drei Plätze zu belegen, steht für Werner fest. Abzuwarten bleibt, was die Konkurrenz macht: "Fellbach hat in der Rückrunde, als die Verletzten zurückkamen, seine Klasse gezeigt. Und bei den Unterhachingern muss man abwarten, ob sie eine Wild Card für die Bundesliga erhalten." Wenn nicht, erwarten die Eltmanner, dass der Drittliga-Meister mit einer starken Mannschaft in der 2. Liga den Aufstieg anpeilt.

Der Sprung in die 1. Liga war für die Eltmanner aus finanziellen Gründen (noch) nicht möglich. Enttäuscht sei er darüber nicht, sagt Werner, dazu sei er zu sehr Realist. Vielmehr sehe er es positiv, dass "wir erstmals einen Prozess angestoßen haben, in dem alle, auch die Sponsoren, einbezogen waren, und dass viele Sponsoren bereit waren, sich für die 1. Liga weit aus dem Fenster zu lehnen". 50 Prozent der Haushaltslücke, die zwischen ihrem aktuellen Etat und dem in der 1. Liga notwendigen Betrag besteht, hätten geschlossen werden können, "jetzt ist es unser Anreiz, die anderen 50 Prozent auch noch zu schaffen".


Die Lücke zwischen 1. und 2. Liga ist größer geworden

Dass das schwer wird, ist Werner klar. Die Tatsache, dass in dieser Saison kein einziger Zweitligist eine Erstliga-Lizenz beantragt hat, "ist sicher keine zufällige Erscheinung. Der Fortschritt der Professionalisierung in der Bundesliga ist schneller geworden und der Abstand zur 2. Liga größer."

Es bleibt also schwierig für die Volleyballer aus der Kleinstadt, dennoch lässt der Manager auch nach nun schon jahrzehntelanger Tätigkeit für "seine" Volleyballer keine Amtsmüdigkeit erkennen. Ihn motiviere "der Spaß daran, genau mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten. Es ist natürlich eine Belastung, aber wir sind wirklich wie eine Familie. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das nicht machen werde."
Den Gedanken, dass die Motivation der Oshino Volleys in der kommenden Runde angesichts des zweimaligen Aufstiegsverzichts leiden könnte, weist Werner weit von sich: "Für den Charakter der Spieler lege ich meine Hand ins Feuer." Denn er weiß: Diese Mannschaft will immer gewinnen.