Es war eine Wende um fast 180 Grad innerhalb kürzester Zeit. Mit 6:0 feierten die Fußballer des TV Ebern ihren bisher höchsten Saisonsieg in der Fußball-Bezirksliga Oberfranken West, eine Woche später, am 26. September, kassierten sie beim TSV Mönchröden mit 1:5 eine herbe Niederlage. 17 Punkte hatten die Eberner in ihren ersten neun Partien gesammelt und sich auf Platz 2 geschoben, gleichauf mit den Mönchrödenern, und dabei 27 Tore erzielt. Nur drei weitere Zähler kamen in den sieben Partien danach bis zur Winterpause dazu, beim 3:1 gegen die SpVgg Ebing am 17. Oktober.

"Das war natürlich schon enttäuschend", sagt der Spielleiter des TV Ebern, Michael Schnitzer. "Wir hatten einen furiosen Saisonstart, mit dem zweiten Platz konnten wir nie rechnen", erklärt er. Und als Siebter gehen die Eberner auf einem soliden Mittelfeldrang ins neue Jahr.
"Aber wir haben eine bessere Ausgangsposition leichtfertig vergeben", weiß der Spielleiter.

Ihren zweiten Platz Ende September hatten die Eberner auch dem Spielplan zu verdanken, "wir hatten am Anfang eher leichtere Gegner", sagt Schnitzer. Dafür kam es dann umso dicker für den TVE. Vom zehnten bis zum 16. Spieltag hatte er es mit allen sechs Teams zu tun, die nun in der Tabelle vor ihnen stehen, und verlor fünf dieser sechs Duelle. "Es war uns vorher schon klar, dass das eine ganz schwere Phase der Saison werden würde", erklärt der Spielleiter. Aber etwas mehr hatten sich Verantwortliche und Team dennoch ausgerechnet.


Der Kader ist klein

Gründe für die Misserfolgsserie lassen sich finden. Möglicherweise habe die Kraft in dieser Saisonphase gefehlt, "wir haben keinen so großen Kader, ungefähr 16 Mann, und von denen haben elf zwischen 14 und 16 Spiele gemacht", hat Schnitzer ausgerechnet. Ausfälle durch Verletzungen, wie bei Spielertrainer Johannes Fischer, Sven Kapell oder Timo Faßlrinner, sowie Sperren (Manuel Aumüller und Kapell) seien da schwer zu verkraften. "Vielleicht hat sich die Mannschaft auch ein bisschen zurückgelehnt" nach dem anfänglichen Höhenflug. "Wir hätten in Mönchröden locker antreten können, statt dessen sind wir in Ehrfurcht erstarrt", sagt der Spielleiter. Und die eine oder andere Partie ging im Herbst auch etwas unglücklich verloren, wie die gegen den Tabellenzweiten FC Lichtenfels. "Das Spiel hätten wir nicht verlieren müssen, das haben auch die Lichtenfelser hinterher gesagt", so Schnitzer.

Denn von den Qualitäten seiner Mannschaft zeigt er sich überzeugt. "Alle Mannschaftsteile funktionieren und harmonieren gut zusammen", sagt er. Die Mannschaft habe das Spielsystem von Trainer Johannes Fischer angenommen und umgesetzt. Fischer, der in seinem zweiten Jahr als Spielertrainer weiterhin vom erfahrenen Wolfgang Lachmann als Coach an der Seitenlinie unterstützt wird, hat sich weiter ins Mittelfeld zurückgezogen, als Torschützen zeichnen sich meist andere aus. Sein Bruder Simon, aber auch Jonas Ludewig seien immer torgefährlich, erklärt der Spielleiter, und würden aus dem Mittelfeld von Christian Ammon und Jonas Heidenreich als Torschützen gut unterstützt.

Und: "Der Zusammenhalt und die Stimmung waren sehr gut, auch, als es nicht so gut gelaufen ist", versichert der Spielleiter. Mannschaft und einzelne Spieler hätten sich zudem sichtlich weiterentwickelt. Und auch die Neuzugänge Moritz Musik und Peter Kollmer hätten die Erwartungen voll und ganz erfüllt. Was noch fehlt, sei in manchen Phasen mehr Konzentration, "da machen wir noch zu viele Fehler, die auch immer wieder zu wichtigen Gegentoren führen." Das abzustellen oder zumindest einzuschränken ist eine Aufgabe in der Vorbereitung auf die noch ausstehenden 14 Begegnungen. Am 30. Januar nehmen die Eberner das Training wieder auf, in einem Trainingslager vom 25. bis 28. Februar in Kroatien, wie im Vorjahr, wollen sie sich den "Feinschliff" holen für die erste Pflichtaufgabe des neuen Jahres, das Nachholspiel am 6. März beim SV Memmelsdorf II. "Da haben wir dann schon ein bisschen Druck, aber den braucht die Mannschaft offensichtlich", sagt der Spielleiter.


Trainer Fischer soll bleiben

Bis es im Frühjahr weitergeht, möchte der TVE die Trainerfrage für die Runde 2016/17 klären. "Von Vereinsseite steht es außer Frage, dass wir mit Johannes Fischer und Wolfgang Lachman weitermachen wollen", erklärt Schnitzer. "Wir werden sicher in den nächsten Wochen Gespräche führen, und ich denke, dass das kurze Gespräche werden."

Personelle Veränderungen dürfte es beim TV Ebern in der Winterpause nur eine geben: Marius Döhler verlässt den Verein aus Studiengründen in Richtung SpVgg Erlangen. Erklärtes Ziel der Eberner, die mit rund 200 Zuschauern bei ihren bisherigen Heimspielen im Schnitt zufrieden sind, ist es, möglichst schnell die Punkte zum sicheren Klassenerhalt zu holen. Große Sprünge in der Tabelle seien wohl nicht möglich, denkt der Spielleiter: "Vielleicht können wir noch einen Platz gut machen, aber die Mannschaften auf den ersten fünf Plätzen haben einfach ganz andere Möglichkeiten als wir."

Dem TVE sei wichtig, seiner Philosophie treu zu bleiben, nicht mit finanziellen Anreizen zu locken, sondern weiter Talente aus der A-Jugend an die "Erste" heranzuführen. "Der ältere A-Jugend-Jahrgang soll einmal pro Woche mittrainieren", sagt er. Nach dieser Saison rückten vier, fünf viel versprechende Nachwuchskicker nach, "das ist unser Kapital."