"Schon als ich noch klein war, habe ich viele Sportarten betrieben", erzählt Miriam Piechaczek. Vor allem Schwimmen und Tennis. "Aber schießen wollte ich eigentlich nie." Und das, obwohl "meine ganze Familie" für die Schützengesellschaft Königsberg startet. Ein Geschenk hat dann den Sinneswandel der heute 17-Jährigen eingeleitet. "Als mein Bruder in die Junioren-Nationalmannschaft gekommen ist und eine neue Pistole bekommen hat, hat er mit seine alte geschenkt. Und weil ich sie dann ja hatte, habe ich sie auch ausprobiert" , schildert die Schülerin. Ziemlich schnell habe sie gemerkt, dass sie beim Schießsport bleiben will. Nach ihrem deutschen Juniorenmeistertitel 2016 mit der Luftpistole hat sich die Königsbergerin nun für die Europameisterschaften vom 6. bis 12. März in Maribor (Slowenien) qualifiziert.

"Es macht einfach Spaß", antwortet die Schülerin der 11. Klasse an der Fachoberschule Schweinfurt auf die Frage, was sie am Schießsport fasziniert. Und: "Ich habe schnell gemerkt, dass mir das liegt, und ich bin auch ehrgeizig. Meine Motivation ist, dass ich immer besser werden will."


Vier bis sechsmal pro Woche Training

Diese Einstellung und ihr Trainingsfleiß - vier- bis sechsmal pro Woche, je nachdem, ob ein wichtiger Wettkampf ansteht oder nicht - haben Miriam Piechaczek in die nationale Spitze ihrer Altersklasse geführt. Das Talent dafür liegt in der Familie. Vater Dieter Piechaczek ist Sportleiter bei der Schützengesellschaft Königsberg, ihr Bruder Tobias, der jüngst erst mit der Mannschaft aus Kelheim wieder deutscher Meister wurde, gewann 2009 die Bronzemedaille mit der Mannschaft bei der Junioren-EM im kroatischen Osijek. "Es hat mich aber aus der Familie nie einer zum Schießen gedrängt", sagt die 17-Jährige. "Das ist etwas, was ich von mir aus machen wollte."

Mittlerweile hat sie sich auch mit der Sportpistole versucht, doch die Luftpistole bleibt ihre Hauptdisziplin.
Im Vorfeld der Europameisterschaften trainiert Miriam Piechaczek nicht nur zu Hause, sondern auch zusammen mit ihren Mannschaftskameraden aus den Auswahlteams. "Da ich im bayerischen und im Nationalkader bin, habe ich fast jede zweite Woche einen Lehrgang", erzählt sie. Die Anleitung durch die Trainer dort sei sehr hilfreich, vor allem, wenn es um die technische Seite des Schießens geht.

Leistungsschützen trainieren nicht nur auf dem Schießstand, sondern auch mal zu Hause, quasi im eigenen Wohnzimmer. Haltetraining wird die Übung genannt, bei der es darum geht, die Pistole über längere Zeit ganz ruhig im Anschlag zu halten. Die dadurch erworbene so genannte Halteruhe zählt die junge Königsbergerin zu ihren Stärken. Dabei komme ihr auch ihre körperliche Fitness zugute, die sie sich beim Schwimmen und Tennis erworben hat.

"Ich kann mich gut konzentrieren und habe Siegeswillen", antwortet sie auf die Frage nach den weiteren Grundlagen ihres Erfolges. Und sie könne im Wettkampf aufkommende Anspannung und ihren Pulsschlag relativ gut kontrollieren. Ab und zu werden die Kaderschützen dabei auch von Psychologen unterstützt.
Vor der EM trainiert Miriam Piechaczek vor allem die so genannte Druckverstärkung. Dabei geht es darum, ruckartige Bewegungen beim Abdrücken zu vermeiden und statt dessen den Abzug in einer fließenden Bewegung auszulösen. Dass dies der Treffergenauigkeit dient, liegt auf der Hand.


Olympia ist "ein Traum"

376 Ringe beträgt die Wettkampfbestleistung der Königsbergerin, erzielt im Vorjahr bei den deutschen Juniorenmeisterschaften, als sie den Titel gewann. 383 hat sie im Training bereits erreicht. Irgendwo dazwischen werde ihr Ergebnis in Maribor wohl liegen müssen, um sich für das Finale zu qualifizieren, meint sie: "Ich habe zwar keine eigenen Erfahrungen, weil das meine erste EM ist, aber in der Vergangenheit waren meist 377 oder 378 Ringe nötig." Die besten acht Schützinnen kämpfen nach den vier Serien zu je zehn Schuss, die jede EM-Teilnehmerin abgibt, anschließend um die Medaillen. Natürlich ist es das Ziel jeder Teilnehmerin, dann noch dabei zu sein, auch das von Miriam Piechaczek.

Apropos Ziele: Die Teilnahme an Olympischen Spielen könnte in Zukunft durchaus ein Thema werden, meint sie, "das wäre natürlich ein Traum, den jeder Sportler anstrebt". Dennoch: Ihre anderen Sportarten Schwimmen und Tennis möchte sie nicht aufgeben. "Mit der Schule gibt es da keine Probleme, das kriege ich hin", sagt sie. Bis zur 13. Klasse will sie noch an der Fachoberschule bleiben, um das allgemeine Abitur zu erreichen. Danach möchte sie studieren, "was genau, weiß ich aber noch nicht", sagt sie. "Ein Studium ist schon ein großer Aufwand", weiß die Königsbergerin. "Aber mit dem Schießen möchte ich auf jeden Fall auch weitermachen."