Auf zahlreiche Erfolge und denkwürdige Spiele vor großer Kulisse in den 100 Jahren seines Bestehens blickt der 1. FC Haßfurt zurück. 12 000 Zuschauer kamen beispielsweise am 19. März 1961 und sahen ein 4:1 über den 1. FC Bamberg. In den Monaten danach gewann der FCH die Bayernliga-Meisterschaft und den süddeutschen Amateurtitel, entschied die Aufstiegsrunde zur damaligen 2. Liga Süd für sich und schaffte nach langem Hick-Hack um die Lizenz den Aufstieg in die damals, zwei Jahre vor der Einführung der Bundesliga, zweithöchste deutsche Fußballklasse.

Ein paar Nummern kleiner, aber dennoch beachtlich war der bisher letzte Aufstieg des Traditionsclubs: Durch ein 1:0 über den damaligen DVV Coburg schaffte sie die Rückkehr in die damalige Landesliga Nord. Der damalige Kapitän Maxi Pottler erinnert sich.


Die Anspannung war groß

"Es war ganz schön strapazierend, denn wegen eines Gewitters verzögerte sich der Anstoß, und die Anspannung war groß", fällt ihm als erstes dazu ein. "Wir hatten eine intensive Rückrunde gespielt und uns an die Spitze herangekämpft, ehe wir durch eine Heimniederlage gegen den Würzburger FV II den direkten Aufstieg verpasst haben." Die Coburger seien zu Beginn vielleicht etwas besser organisiert gewesen und hätten auch etwas mehr Erfahrung gehabt, "aber wir hatten diesen Lauf in der Rückrunde, und wir waren auch überzeugt davon, dass wir den Aufstieg verdient hatten. Und wir waren mit unserer damaligen Mannschaft ja auch fast zum Aufstieg verdammt." Eine Gelb-Rote Karte gegen den Coburger Stalla "hat uns sicher geholfen", sagt Pottler. Dennoch dauerte es bis zur 89. Minute, ehe Hassan Alremeithi, nun Spielertrainer beim Bezirksligisten FC Geesdorf, der entscheidende Treffer gelang. 1200 Zuschauer sahen die Partie in Maroldsweisach.

In besonders guter Erinnerung hat Pottler, mittlerweile 33 Jahre alt, noch die Feierlichkeiten nach dem Aufstieg: "Nach der Rückkehr nach Haßfurt sind wir auf so eine Art Tieflader durch die Stadt und die Stadtteile gefahren. So etwas habe ich in den 20 Jahren beim 1. FC Haßfurt nur dieses eine Mal erlebt."

Zwei Jahre spielte der FCH danach in der Landesliga. "Wir haben gut angefangen, aber schon in der Rückrunde nach dem Aufstieg war irgendwie der Wurm drin", sagt er. "Das war jammerschade, denn der Aufstieg war wie ein Magnet, sodass starke Spieler wie Roland Hau zu uns kamen." Einmal reichte es noch zum Klassenerhalt, "aber im zweiten Jahr sind wir völlig eingeknickt und hatten kein tragfähiges Gerüst für die Landesliga mehr". Zahlreiche Verletzungen, auch bei ihm selbst, hätten ein Übriges dazu getan, dass der 1. FC Haßfurt 2009 aus der Landesliga abstieg und seitdem überregional nicht mehr in Erscheinung getreten ist. Der FCH, wo er als Sechsjähriger begonnen hat, liege ihm aber nach wie vor am Herzen, sagt Pottler, und er wünsche sich, dass es bald wieder aufwärts geht.


Start ins "zweite Leben"

Nach zwei Jahrzehnten Fußball in Haßfurt begann nach dem Landesligaabstieg sozusagen das "zweite Leben" des Maximilian Pottler. Er beendete sein Studium der Soziologie in Bamberg mit einem Diplomabschluss und ist beruflich seitdem im Ausland tätig. Die Schweiz, Bangladesh, Kambodscha und Vietnam, wo er auch derzeit lebt, waren seine bisherigen Stationen. Zu Gast bei den Eltern und Freunden in Haßfurt und Umgebung ist er seitdem praktisch nur in seinem Urlaub, "so zweieinhalb bis vier Wochen im Sommer und über Weihnachten". Dennoch habe er schon noch Kontakt zu einigen früheren Mannschaftskameraden, etwa Johannes Albert, Stefan Greb oder Johannes Goschenhofer. Neben der Familie und dem "fränkischen Essen" schätzt er an seiner Heimat nach seinen Erfahrungen im Ausland besonders "die Stabilität, und dass wir ein gesichertes Rechtssystem haben".


Der Fußball hilft

Im Dienste der Internationalen Organisation für Menschenrechte (IOM) und unter dem Dach der Vereinten Nationen kümmert sich Pottler von Hanoi aus um die Arbeits- und rechtlichen Bedingungen der einheimischen Arbeiter im Dienste ausländischer Firmen, die in Vietnam produzieren lassen. "Migration war schon immer mein Thema, und es ist ja jetzt auch in Europa topaktuell", sagt der Soziologe, "aber die meisten hier sehen nicht, dass es in Asien viel mehr Migranten gibt als hier." Seine Tätigkeit im Ausland wolle er auch noch einige Jahre fortsetzen.

Der Fußball ist eine Sache, die Maximilian Pottler hilft, sich in der Fremde zurechtzufinden, "Fußball wird ja überall gespielt", erklärt er. Er habe sich überall an seinen Einsatzorten Teams gesucht, in denen er mitkicken kann, "meistens sind das Freizeitmannschaften. Aber ich achte schon darauf, dass es da ein gewisses Spielverständnis gibt." Momentan läuft er für die Hanoi Capitals auf. Das sei ein international besetztes Team in einer Freizeitliga. Allerdings: Maxi, wie er in Haßfurt gerufen wurde, nenne ihn dort niemand mehr, sagt er nach kurzem Nachdenken. Diesen Spitznamen hat er mit dem Ende seiner Karriere in Haßfurt abgelegt.