Rückblende: 19 Tage ist es her, da stand der FC Sand auf dem Tiefpunkt in dieser Saison. Nicht unbedingt die 0:4-Niederlage beim Aufstiegsanwärter Viktoria Aschaffenburg, sondern die Art und Weise, wie seine Mannschaft dabei aufgetreten war, machte Trainer Uwe Ernst unzufrieden, der seinen Spielern die richtige Einstellung absprach. Die Sander standen auf einem Abstiegs-Relegationsplatz in der Fußball-Bayernliga Nord und hatten mit dem TSV Aubstadt einen weiteren Gegner aus dem Vorderfeld vor der Brust.
Doch das scheint lange zurückzuliegen. Mit 3:1 schlug der FC die Aubstadter in Unterzahl, legte am Tag der deutschen Einheit ein 3:0 bei der DJK Bamberg nach und zuletzt ein 2:0 gegen den FC Schweinfurt 05 II. Platz 11 ist der Lohn, und vier Punkte Vorsprung auf die "Schleuderplätze".
Was wie eine wundersame Genesung eines Problempatienten wirken könnte, hat seine Gründe. "Nach und nach sind die meisten unserer vielen Verletzten zurückgekommen, und damit bekommt die Mannschaft natürlich mehr Qualität", weiß Trainer Uwe Ernst. Dazu kommt eine konsequentere Chancenauswertung. "In einigen Spielen hatten wir zehn Großchancen und haben den Ball nicht über die Linie gebracht. Zuletzt sah es so aus, dass wir aus vier, fünf Chancen zwei, drei Tore machen", erläutert er. Ernst sieht sich bestärkt in der Linie, die die Sander auch während ihrer Misserfolgsphase beibehalten haben. "Wir haben immer die Ruhe bewahrt, wir wussten ja, dass die Personalsituation blöd ist", erklärt er. "Auch die Vereinsführung steht und stand zu jeder Zeit hinter uns."


Nachwuchsspieler halfen aus

Die Geschlossenheit und die Kameradschaft im Team, das in der Sommerpause weitgehend zusammengeblieben ist, hätten sich ausgezahlt, "und ich bin den Nachwuchsspielern aus der Zweiten Mannschaft dankbar, die ausgeholfen haben, als wir sie gebraucht haben", sagt der Trainer. Einer von ihnen, Linus Krug, werde nun zumindest bis zur Winterpause mit dem Bay-ernligateam trainieren, um ihn noch weiter an dieses Niveau heranzuführen, ein anderer, Oliver Gonnert, der in Erlangen arbeitet, trainiere unter der Woche beim Team des ehemaligen Sander Coachs Bernd Eigner in Eltersdorf mit. Ernst rechnet damit, dass in den nächsten Wochen auch Andre Schmitt, Kevin Steinmann und Christopher Gonnert, die teilweise schon mittrainieren, wieder zur Verfügung stehen. Dagegen kann Torwart Simon Mai angesichts der ab November auf 14 Uhr vorgezogenen Anstoßzeit dann wohl vorerst nicht dabei sein, weil er samstags von seiner Techniker-Schule anreist.
Bereits am kommenden Samstag schließen die Sander die Vorrunde mit dem Auswärtsspiel beim FSV Erlangen-Bruck ab. "Mit einem Punkt wäre ich zufrieden, mit drei glücklich", sagt Ernst vor dieser Partie. Sollten die Sander tatsächlich den vierten Dreier in Folge schaffen, winkt ihnen der Sprung auf einen einstelligen Tabellenrang. "Unsere Mannschaft hat die Qualität, einen Mittelfeldplatz zu schaffen", versichert der Coach.
Vor allem die Geschlossenheit in der Abwehr sei die Sander Stärke, "mit Joe Bechmann, Manuel Müller, Dominic Leim, Stefan Nöthling oder Florian Gundelsheimer, um nur einige zu nennen, sind wir da sehr gut besetzt." Die Tabelle, meint Ernst, bilde nach knapp einer Saisonhälfte die Leistungsstärke der Teams an der Spitze ziemlich genau ab. Er schätze den Würzburger FV und Viktoria Aschaffenburg besonders hoch ein.


Bald ein "Luxusproblem"?

Sieben Spiele insgesamt stehen den Sandern bis zur Winterpause noch bevor - eine Punktzahl, die sein Team bis dahin noch erreichen will, gibt der Trainer nicht vor. "Das ist schwer einzuschätzen, in der Liga kann fast jeder jeden schlagen." Ziel sei, den elften Tabellenplatz zumindest zu halten.
Auf eine Schwierigkeit weist Uwe Ernst allerdings hin, wenn auch nicht ganz ernst gemeint: "Bald ist es wohl soweit, dass wir uns im Trainerteam Gedanken machen müssen, wen wir aufstellen, weil wir ja alle Spieler bei guter Stimmung halten wollen." Nach der klammen Personalsituation im August und September nehmen die Sander dieses "Luxusproblem" aber bestimmt gerne in Kauf.