Kirchweih in Ebern vor einem Jahr: Mit 17 Punkten aus neun Spielen hatte sich der TV Ebern auf den zweiten Platz der Fußball-Bezirksliga Oberfranken West vorgearbeitet und schloss die Saison im darauf folgenden Mai als Fünfter ab. Kirchweih in Ebern 2016: Da war nicht nur das Wetter trüb, sondern auch die sportliche Situation des TVE. Null Siege nach neun Partien, nur drei Punkte, 16. und damit letzter Tabellenplatz - es ist ein tiefer Sturz, den die Eberner Fußballer verarbeiten müssen.

Warum es nicht läuft, das verdeutlicht ein Blick auf die Aufstellungen vor einem Jahr beim 6:0 gegen den TSV Weißenbrunn und die zuletzt beim 1:3 gegen die SpVgg Stegaurach.
Diesmal fehlten aus dem "Team 2015" Aumüller, Heidenreich und Sven Kapell (alle verletzt), Simon Fischer (gesperrt), Ludewig (berufliche Gründe), Steinert, Geuß und Zürl (private Gründe) sowie Musik, der den TVE nach Saisonende verlassen hat - also mehr als die halbe Mannschaft. Zudem verletzt ist Leistner, Kollmer steht wegen eines halbjährigen Studienaufenthalts in den USA nicht zur Verfügung. "Manchmal kann man sich da tatsächlich fragen, was wir verbrochen haben, dass es uns so knüppeldick erwischt", sagt Spielertrainer Johannes Fischer, der selbst angeschlagen ist, "sich aber für die Mannschaft zur Verfügung stellt, auch wenn es für seine Gesundheit wahrscheinlich nicht das Beste ist", wie Spielleiter Michael Schnitzer erklärt.

Sechs Niederlagen und drei Unentschieden haben die Eberner bisher verbucht und zuletzt mit dem FSV Unterleiterbach und der SpVgg Stegaurach gegen zwei Konkurrenten im Abstiegskampf den Kürzeren gezogen. Trotz aller Ausfälle: "Die Mannschaft, die am Samstag auf dem Platz gestanden hat, hätte gegen Stegaurach gewinnen können", urteilt der Trainer. "Aber in unserer Situation ist natürlich die Verunsicherung groß. Das ist wie ein Strudel." Der Spielleiter sagt dazu: "In Unterleiterbach hätten wir in Führung gehen müssen, und dann geben wir das Spiel noch völlig aus der Hand. Aber so ist das eben: In der Vorsaison hätten wir solche Chancen mit links verwertet." Da sind die TVler auch fast ohne Ausfälle über die Runden gekommen.

Aufgeben kommt für die Eberner jedoch nicht in Frage, "und wir haben ja in der vergangenen Saison bewiesen, dass wir Qualität haben, wenn wir halbwegs komplett besetzt sind", sagt Johannes Fischer. Wichtig sei, dass die verbliebenen Spieler die Situation erkennen und annehmen. "Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir nichts mehr zu verlieren haben. Schlechter als Letzter kann es nicht mehr werden."

So bleiben soll es aber auch nicht. "Wir müssen jetzt alles versuchen, um den Karren bis zur Winterpause einigermaßen aus dem Dreck zu ziehen", sagt Spielleiter Schnitzer. Erstes Ziel sei, die beiden direkten Abstiegsplätze hinter sich zu lassen und einen Relegationsplatz zu erreichen. Vier Punkte ist der TVE davon entfernt, acht Zähler sind es zu Rang 11, der am Ende den direkten Klassenerhalt garantieren würde.

"Auf gar keinen Fall" werde der TV Ebern versuchen, durch einen Trainerwechsel eine Besserung herbeizuführen. "An ihm liegt es sicher nicht, das Verhältnis von Johannes Fischer zur Mannschaft ist intakt", weiß Schnitzer. Durchblicken lässt der Spielleiter dagegen, dass er mit dem Engagement des einen oder anderen Spielers angesichts der kritischen Lage nicht ganz einverstanden ist.

Den Kampf annehmen und versuchen, sich Punkt für Punkt nach vorne zu arbeiten, das ist die Marschroute, die der Spielertrainer für die kommenden Wochen ausgibt. Nächster Gegner ist mit Bosporus Coburg ein Team, das nach oben schaut. "Ich habe mir ihr Spiel gegen den TSV Ebensfeld angeschaut. Die Ebensfelder sind voll drauf gegangen, und das wollen wir auch tun", sagt der Trainer. Immerhin hat der TSV ein 0:0 gegen den Aufstiegsanwärter erreicht. Auch Fischer wird seine Aufstellung defensiver ausrichten. "Wir gehen zurück zu unserem 4-4-2-System, das uns schon oft geholfen hat, wenn es nicht so gelaufen ist", sagt er. Erst einmal hinten dichtmachen, so lautet die Vorgabe, "und vorne haben wir im nächsten Spiel andere Möglichkeiten, wenn mein Bruder Simon nach seiner Sperre und auch Jonas Ludewig wieder dabei sind."

Bis andere Stützen der Mannschaft wieder mitmischen können, wird es länger dauern, aber es zeichnet sich zumindest ein Silberstreif am Horizont ab. Aumüller werde, so kündigt Fischer an, in der kommenden Woche das Lauftraining wieder aufnehmen, er hoffe, dass der Abwehrspieler in drei bis vier Wochen wieder auflaufen könne. In zwei bis drei Wochen rechnet er wieder mit Heidenreich und Leistner.

In den noch ausstehenden zehn Begegnungen bis zur Winterpause "irgendwie auf eine zweistellige Punktausbeute" kommen und im neuen Jahr mit dann kompletter Mannschaft voll angreifen, so sieht das Eberner Konzept für die weitere Saison aus, die wohl bis zum Ende im Zeichen des Abstiegskampf stehen dürfte.

Spektakuläre und damit teure Spielerwechsel sind auch angesichts der schwierigen Lage nicht der Eberner Weg, wie Spielleiter Schnitzer klar macht. Er gewinnt der Lage, wenn auch eher ironisch gemeint, sogar noch etwas Positives ab: "Die Zuschauer wollen doch, dass es um etwas geht, ob nun oben oder unten in der Tabelle. Es ist doch langweilig, wenn man schon ab März nur noch um die goldene Ananas spielt. Die Gefahr besteht bei uns diesmal bestimmt nicht."