"Jedesmal", antwortet Trainer Jochen Full und lächelt dabei ein wenig gequält. Jedesmal, wenn der 1. FC Haßfurt in der vergangenen Saison ein Auswärtsspiel bestritten hat, sei aus irgendeiner Ecke eine Bemerkung zu der Tatsache gekommen, dass der einstmalige Fußball-Bayernligist, in der Saison 2008/09 noch in der Landesliga am Start, mittlerweile in der Kreisliga angekommen ist - mit seiner Ersten Mannschaft. Siebter wurden die Haßfurter da mit 39 Punkten aus 28 Begegnungen. "Wir haben einen weiteren Abstieg vermieden", sagt Vorstandsvorsitzender Manfred Stühler dazu. Das langjährige fußballerische Aushängeschild des Landkreises macht schwere Zeiten durch, und auch für den FCH gilt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Finanzielle Probleme, übernommen aus sportlich erfolgreicheren Zeiten, hatten den 1. FC Haßfurt an den Rand der Pleite geführt.
Fast genau drei Jahre ist es her, da trugen auf Vermittlung des Haßfurter Ex-Nationalspielers Luggi Müller auch Benefizspiele der Bundesligisten Eintracht Frankfurt und 1. FC Nürnberg dazu bei, dass diese abgewendet wurde. "Die Kassenlage ist geregelt", sagt Manfred Stühler heute zur finanziellen Situation. Das heißt: "Wir haben alle Rechnungen bezahlt. Aber wir haben keinerlei Rücklagen, die Sponsorengelder sind rar. Und wir können keinen Euro für Fußballer bezahlen."

Hohe Kosten, keine Reserven

Die laufenden Kosten sind hoch: "Wir haben ein Riesen-Areal, das wir unterhalten müssen", erzählt der Vorsitzende. "Strom, Wasser, Versicherungen fallen an, das alles bei sinkenden Mitgliederzahlen." Rund 380 Personen gehören derzeit dem FCH an. Vereinsheim und Sportanlagen wurden in den Jahren 1960 und 61 gebaut, "da gibt es natürlich ständig Reparaturen". Eine Generalsanierung wäre wohl das Beste - "aber das schaffen wir einfach nicht". Der Verein könne nur mit ehrenamtlicher Arbeit am Laufen gehalten werden, "und wenn wir bei einem Platz das Moos rausmachen müssen, sind 600 oder 700 Euro fällig."

Doch wie gesagt: Das Schlimmste, nämlich das Ende, hat der 1. FC Haßfurt vermieden, und für die sportliche Zukunft ist Trainer Jochen Full, der zusammen mit Manfred Fehlbaum die Verantwortung im Seniorenbereich trägt, durchaus zuversichtlich. Mit Christopher Ditterich (vom TV Obertheres) und Jan Janus (vom TV Königsberg) kehren zwei Spieler, die in der Jugend beim 1. FC Haßfurt ausgebildet worden sind, zum Verein zurück, "und dass uns nur ein Spieler verlässt, zeigt, dass wir manches gut gemacht haben", sagt Full. Philipp Eirich spielt in seinem Heimatort künftig für den FC Donnersdorf.

Die Nachwuchsspieler bleiben da

Was den Haßfurtern ebenfalls sehr weiterhilft: Von den jungen Spielern, die aus der Bezirksoberliga-A-Jugend von Trainer Alex Zösch zu den Herren wechseln, geht nach derzeitigem Stand keiner weg. Jahrelang hatten die Haßfurter viele ihrer ehemaligen Jugendspieler an Vereine aus dem Umkreis verloren. Künftig allerdings wird es von der D-Jugend aufwärts keine eigenständigen Nachwuchsmannschaften des 1. FC Haßfurt mehr geben, denn der FCH ist einer der Stammvereine der neu gegründeten Jugend-Fördergemeinschaft Haßfurt Maintal. Ein solches Projekt halte er schon seit Jahren für notwendig, sagt Stühler, "alleine schon die demografische Entwicklung" mache dies absolut notwendig.

Mit 34 Fußballern einschließlich dreier Torleute planen die Haßfurter für die kommende Saison bei den Herren. Das hat sie in die Lage versetzt, wieder eine Zweite Mannschaft zu melden, die in der B-Klasse beginnen wird, nachdem sie im Frühjahr ihre Reserve wegen Spielermangels aus der Kreisklasse zurückgezogen haben.

Oben mitmischen

"Wir wollen so weit wie möglich oben mitspielen", sagt Jochen Full. Manfred Stühler macht kein Hehl daraus, dass ihm am liebsten der Aufstieg in die Bezirksliga wäre. Das würde die Einnahmen des Vereins sicherlich steigern, und als Kreisligist könne der FC sein Vereinsgelände "auf Dauer bestimmt nicht" unterhalten", weiß der Vorstandsvorsitzende. "Wir wollen flexibler werden", hat sich Full im taktischer Hinsicht für das Kreisligateam vorgenommen. Mindestens zwei System-Varianten soll seine Mannschaft einstudieren, "damit können wir den einen oder anderen Gegner vielleicht überraschen." Der größere Kader sorgt für mehr Konkurrenz um die Stammplätze, und Manfred Stühler merkt auch an: "Wenn der Trainingsfleiß bei dem einen oder anderen Spieler zunimmt, bin ich überzeugt, dass er dann auch eine bessere Leistung abrufen kann." Vor allem die Heimbilanz aus der abgelaufenen Spielzeit hat ihn gestört. "Von 42 möglichen Punkten auf eigenem Platz haben wir nur 15 geholt. Auswärts waren es 23. Jeder kann sich ausrechnen, wie wir abgeschnitten hätten, wenn wir daheim genauso gepunktet hätten."

Zu Hause erfolgreicher auftreten

Vereinsboss und Trainer glauben fest daran, dass die Zuschauer - rund 120 im Schnitt in der vergangenen Saison - ab August erfolgreichere Spiele des 1. FC Haßfurt in ihrem Stadion an der Flutbrücke sehen werden. "Die Spieler haben gemerkt, bei uns geht was. Das hat man schon bei der Abschlussfeier gespürt, und alle sind heiß auf die neue Saison", erklärt Trainer Jochen Full.

Den einen oder anderen Spruch werden die Haßfurter wohl auch künftig bei ihren Auswärtsspielen einstecken müssen. Aber das werden sie verkraften, umso mehr, wenn die sportliche Bilanz stimmt.