Von "Endspielen" wird viel gesprochen, wenn in der Schlussphase der Saison wichtige Begegnungen für Auf- und Abstieg anstehen. Selten aber ist die Bezeichnung so passend wie für die Partie der A-Klasse Schweinfurt 5 am letzten Rundenspieltag zwischen dem VfR Hermannsberg-Breitbrunn und dem SC Stettfeld. Wer am Sonntag (Anstoß 15 Uhr) gewinnt, ist Meister, wer verliert, verpasst den Aufstieg.

Ein Unterschied zu einem wirklichen Endspiel wie im DFB-Pokal oder der Champions League besteht aber doch: Auch bei einem Unentschieden nach 90 Minuten ist eine Entscheidung gefallen. Dass die Partie, zumal bei der erwarteten guten Witterung, Fußballfreunde aus der ganzen Region anlocken dürfte, ist klar. Besonders aufmerksam werden wohl Spieler, Verantwortliche und Fans der DJK Oberschwappach das Geschehen verfolgen.
Die Oberschwappacher sind der dritte Anwärter auf den Aufstieg in die Kreisklasse, beim Saisonfinale aber spielfrei.

Beide Trainer sind erst seit Kurzem dabei

"Das ist eine tolle Spielansetzung, das haben sie gut gemacht", lobt der Spielertrainer des VfR Hermannsberg-Breitbrunn, Thomas Zettelmeier, die Terminplaner im Fußballkreis. "Und dass wir ein Heimspiel haben, ist cool." Sein Stettfelder Kollege Tobias Burger weiß: "Wenn ich jetzt sagen würde, das ist ein Spiel wie jedes andere, würde ich mich ja lächerlich machen. Normalerweise brauche ich da vorher gar nichts zu sagen, nur: Geht raus und spielt Fußball." Beide Coaches sind erst relativ kurz im Amt. Zettelmeier übernahm in der Winterpause beim VfR von Kai Rümer aus beruflichen Gründen, Burger kam zu Saisonbeginn nach dem Stettfelder Abstieg aus der Kreisklasse zum SC.

Beide verlangen in erster Linie von ihren Mannschaften, dass sie "diszipliniert" auftreten. "Es ist trotzdem nur eines von 26 Spielen", da dürften sich die Akteure weder von Einflüssen auf dem Platz noch von außerhalb aus dem Konzept bringen lassen, sagt Thomas Zettelmeier. Tobias Burger mahnt an, die taktische Marschroute einzuhalten. Er wisse schon genau, in welcher taktischen Formation sein Team spielen werde, "aber das werde ich natürlich jetzt nicht sagen".

Dass die Stettfelder seit dieser Saison mit einer "ballorientierten Raumdeckung" verteidigen, also mit einer Viererkette, ist aber kein Geheimnis, und das wissen auch die Hermannsberger um Thomas Zettelmeier. Insgesamt aber wollen sich beide Trainer nicht allzu sehr mit dem Gegner beschäftigen, denn beide zeigen sich von ihrer jeweiligen Mannschaft überzeugt.

Besonders laufstark

Besonders das kämpferische Element und die Laufstärke habe sein Team den meisten Konkurrenten in der A-Klasse 5 voraus, sagt Zettelmeier: "Ich habe ja mal gesagt, dass wir uns nur selbst schlagen können, und ich bleibe dabei. Läuferisch sind wir ein paar Prozent besser als die meisten, und wir sind wirklich ein sehr guter Haufen. Das sagen viele, aber es kämpft wirklich einer für den anderen." Der VfR Hermannsberg-Breitbrunn schicke "eine gute Mischung aus jungen und älteren Spielern aufs Feld, die sehr ehrgeizig sind". Das zeige sich auch bei der Trainingsbeteiligung: Von 17, 18 Spielern, die der Kader der "Ersten" umfasse, seien im Schnitt 15 beim Training dabei.

Von der Viererkette überzeugt

Burger ist von den Vorteilen seines ballorientierten Systems absolut überzeugt, und dies sei auch in der A-Klasse umzusetzen, wenn die Spieler motiviert und lernwillig seien. "Natürlich kann man nicht von einem Moment auf den anderen sagen, jetzt spielen wir Viererkette", weiß er. Aber nach vier Wochen im Training habe er deutliche Fortschritte gesehen. Dass die Stettfelder in bisher 25 Begegnungen erst 19 Gegentreffer kassiert haben, spricht für das neue System. Auch er lobt den Trainingsfleiß seiner Truppe: Zeitweise "waren wir immer mindestens 25 Mann, da hat dann sogar mein Vater mitgeholfen, der auch lizensierter Trainer ist, das war alleine gar nicht mehr zu schaffen".

Der SC Stettfeld gehe in Bestbesetzung und ohne Ausfälle ins Saisonfinale. Burger erklärt, dass sich in den Trainingseinheiten noch jeder einen Platz in der Anfangself erkämpfen könne, "und wenn 14 Leute im Training besser sind als ich, dann bin eben ich draußen", sagt der Trainer, der selbst einräumt, auf Grund von Rückenbeschwerden nicht mehr in der Bestform der Vorrunde zu sein. Beim VfR Hermannsberg-Breitbrunn sind nach Auskunft seines Trainers die Leistungsträger Alexander Frank und Tobias Greul angeschlagen. "Ich hoffe aber, dass es am Sonntag geht", sagt Zettelmeier. Steffen Pirzer werde aus beruflichen Gründen fehlen, ob Dennis Knapp und Dennis Baumann dabei sein können, sei noch fraglich.

Bei einer Begegnung, in der es um so viel geht, wollen natürlich alle auflaufen. Beide Trainer bemühen sich aber, den Druck nicht zu groß werden zu lassen. "Es ist Fußball, die schönste Nebensache der Welt, also eben eine Nebensache", sagt Zettelmeier. "Für mich ist das Wichtigste, dass sich alle nach dem Spiel gegenseitig in die Augen schauen können." Einen Wunsch, auch wenn er in der A-Klasse nicht erfüllt werden kann, äußert er doch: "Es wäre schön, wenn wir ein Schiedsrichtergespann hätten, denn es liegt schon ein großer Druck auch auf den Linienrichtern." Und es wäre bitter, wenn die Saison für die drei Aufstiegsanwärter durch eine Fehlentscheidung beeinflusst würde.

Mit Begeisterung und Freude

"Das Wichtigste ist, dass wir mit Begeisterung und Freude Fußball spielen. Das ist unser liebstes Hobby. Und wenn wir das spielen, was wir die gesamte Saison gespielt haben, dann werden wir Spaß haben", versichert Burger. Wichtig sei auch, dass die Partie fair ablaufe und "nach der Saison jeder das bekommt, was er verdient, auch die Oberschwappacher". Auf Unentschieden spielen, denn ein Punkt reicht den Stettfeldern ja zur Meisterschaft, könne und werde seine Mannschaft nicht: "Das ist nicht unser Anspruch. Und was ist, wenn in der 88. Minute ein abgefälschter Schuss reingeht und wir dadurch verlieren?"

Was wäre wenn...

... der VfR Hermannsberg-Breitbrunn gewinnt? Hermannsberg steigt als Meister direkt in die Kreisklasse auf. Die DJK Oberschwappach belegt auf Grund des besseren direkten Vergleichs den zweiten Platz und geht in die Relegation, der SC Stettfeld ist Dritter und bleibt in der A-Klasse.

... der SC Stettfeld gewinnt? Stettfeld ist Meister und Aufsteiger in die Kreisklasse, Oberschwappach geht als Zweiter in die Relegation. Der VfR Hermannsberg-Breitbrunn geht als Dritter leer aus.

... das "Endspiel" unentschieden endet? Der SC Stettfeld ist Meister und Aufsteiger. Der VfR Hermannsberg-Breitbrunn ist Zweiter auf Grund des direkten Vergleichs, die DJK Oberschwappach bleibt als Dritter in der A-Klasse.